Wirbelei für grünen Strom

Führende Windkraft-Player freut steigende Nachfrage

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Siemens Gamesa spürt Rückenwind im Offshore-Sektor

Auch Siemens Gamesa schätzt den Markt ein und meint zur Entwicklung der Vergangenheit: In den vergangenen zehn Jahren wurde die Windkraftindustrie durch viele externe Faktoren beeinflusst. Das waren die Corona-Pandemie, das ist noch der Krieg in der Ukraine und die Rückkehr der Geopolitik. Lieferketten waren unterbrochen, Finanzierungskosten stiegen und gleichzeitig auch die Kosten für wichtiger Rohstoffe für die Energiewende. Und die Märkte außerhalb Chinas waren nicht von einer einheitlichen Entwicklung gekennzeichnet. Im deutschen Offshore-Markt hat es einen Fadenriss mit einem Jahr ohne Ausbau gegeben (2021). Seit 2019 habe es kein Jahr mehr gegeben, in dem der jährliche Ausbau mehr als ein Gigawatt betragen habe. Am deutschen Onshore-Markt ist das Jahr 2017 nach wie Rekordhalter beim Zubau. In den Jahren (2019 bis 2021) lag der jährliche Ausbau bei unter zwei Gigawatt. Trotzdem habe Siemens Gamesa durch die Entwicklung neuer Turbinen die Effizienz gesteigert und Stromgestehungskosten gesenkt. Innovationen wie etwa die Recyclableblades oder Greener Tower wurde erfolgreich vorangetrieben. Im Offshore-Bereich hat das Cuxhavener Maschinenhauswerk von Siemens Gamesa eine rasante Entwicklung gesehen. Denn innerhalb von nur sieben Jahren ist die Leistung der produzierten Turbinen von sieben auf 15 Megawatt angestiegen. Auch der Onshore-Bereich hat sich bei der durchschnittlichen Leistung der installierten Turbinen in Deutschland von 2015 auf 2025 fast verdoppelt. Siemens Gamesa bietet etwa mit der SG 7.0-170 eine Onshore-Turbine mit sieben Megawatt Leistung und einem Rotordurchmesser von 170 Metern an, um nur ein Beispiel aus der Technik zu nennen.

Versorgungssicherheit steht heute vor Klimaschutzaspekt

Zu den aktuellen Tendenzen befragt meint Siemens Gamesa, dass während in der Vergangenheit der Klimaschutzaspekt der Windenergie stärker im Vordergrund stand, heute dagegen die Versorgungssicherheit vermehrt in den Fokus rückt. Windenergie reduziert auch die Abhängigkeit Europas vom Import fossiler Energieträger. Zuletzt wurde auf dem Nordseegipfel in Hamburg der Sicherheitsaspekt zum zentralen Treiber für die Beschlüsse zum weiteren Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee. Die Politiker haben sich zu einer stärken Kooperation und einer verlässlichen jährlichen Pipeline von 15 Gigawatt pro Jahr von 2030 bis 2040 bekannt. Das soll den Ausbau kosteneffizienter machen. Die Windkraftindustrie hat sich im Gegenzug verpflichtet, in den Ausbau der Kapazitäten, in die Lieferketten und in den Ausbau der Beschäftigungsmöglichkeiten zu investieren. Siemens Gamesa verfolgt im Offshore-Geschäft dazu eine Strategie der Industrialisierung. Während in der Vergangenheit zeitgleich bis zu vier Plattformen mit kleinerem Volumen produziert wurden, wird heute nur noch eine Offshore-Plattform gefertigt. Der Auftragseingang für die SG-14-Plattform ist mit über 16 Gigawatt in etwa so groß wie die Flotte der drei Vorgängermodelle, heißt es dazu. Industrialisierung macht auch planungssicher und ermöglicht in den Siemens-Gamesa-Werken und in der Lieferkette Investitionen in Automatisierung und Effizienzsteigerungen. Wichtig sei nur, dass die Lücke zwischen politischen Zielvorgaben und Auftragseingang beziehungsweise jährlichen Installationen geschlossen werde, um der Industrie Planungssicherheit und Volumen zu geben. Bereits beim Nordsee-Gipfel von Ostende 2023 wurde ein Ziel von 120 Gigawatt für 2030 gesteckt, das nach gegenwärtigem Stand der Planungen aber um ungefähr 50 Prozent abweicht.

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Bei den grünen Technologien tut sich was – das zählt!

Auch der Zubau bei Onshore hängt in Europa gegenwärtig den Erwartungen hinterher. Deutschland ist wenigstens eine Ausnahme. Denn der Ausbau der Windenergie wird als überragendes nationales Interesse gesehen, Genehmigungen wurden beschleunigt und erreichten im vergangenen Jahr ein Rekordniveau von über 20 Gigawatt – und das bei einem jährlichen Zubau von über fünf Gigawatt. Die Frage nach den Erwartungen für die Zukunft beantwortet Siemens Gamesa so: „Wind ist günstig, bringt eine hervorragende Klimabilanz mit sich und sichert die Unabhängigkeit vom Import fossiler Energieträger.“ Wenn die Auftragsvolumen stabil bleiben, wird die Industrie dann entlang der gesamten Lieferkette investieren können, um Industrialisierung, Automatisierung und Digitalisierung weiter voranzutreiben, damit die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Europas gestärkt wird. Bei Offshore-Windkraft wird der zentrale Punkt sein, ob es gelingt, den Ausbau in Europa grenzüberschreitend zu koordinieren, um die Potenziale größtmöglich zu nutzen. Das gelte für Windparks genauso wie für Netze. Keine Frage ist aber, dass bei den grünen Technologien sich etwas tut. Das wurde auch vom Bundesumweltministerium bemerkt und kommuniziert. Dazu bestätigen die beiden Flaggschiffe der Windindustrie – Nordex und Siemens Gamesa – hier auch diesen Trend. Es wirkt wie ein kleines Wirtschaftswunder.

* Dr. Thomas Isenburg ist freier Wissenschaftsjournalist in Herne

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