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Shopfloor Management Großer Qualitätssprung durch Shopfloor Management

| Redakteur: Robert Weber

Lean Management verbesserte schon vor Jahren die Produktivität und Termintreue bei Recaro Aircraft Seating. Mit der Leitungsphilosophie Shopfloor Management konnten zusätzlich die Defects per Unit um 90% gesenkt werden. Gefordert war dabei auch das Management.

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Schlanke Produktion funktioniert nur, wenn Mitarbeiter in die Prozesse eingebunden werden. (Bild: Recaro)
Schlanke Produktion funktioniert nur, wenn Mitarbeiter in die Prozesse eingebunden werden. (Bild: Recaro)

Shopfloor Management rückt, wie der Name schon sagt, den Shopfloor, die Produktionsstätte, in den Mittelpunkt. Alle betrieblichen Tätigkeiten von der Entwicklung bis hin zur Qualitätssicherung werden so ausgerichtet, dass die Produktion als eigentlicher Ort der Wertschöpfung möglichst effizient, flexibel und störungsfrei gestaltet werden kann.

Nach Einführung von handwerklichen Lean-Methoden wie zum Beispiel Kaizen oder Kanban, steht hier vor allem die Führungsarbeit im Fokus – Topmanagement bis Teamleiter in der Produktion sind gefordert. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben sie sich in der Regel von der Werkbank weg in Richtung Schreibtisch bewegt – das Shopfloor Management kehrt diese Entwicklung um und holt die Führungskräfte zurück an den Ort des Geschehens. Zentrale Elemente dieses Ansatzes sind tägliche gemeinsame Kurzbesprechungen und das sogenannte Shopfloor Board.

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Das Shopfloor-Board: Alle Informationen auf einen Blick

Das Shopfloor Board befindet sich bei Recaro Aircraft Seating in Form einer Magnetwand direkt im Eingangsbereich der Produktion. Dort finden sich einfach und prägnant aufbereitet alle wichtigen Informationen zu Arbeitssicherheit, Mitarbeiterbelegung, Qualität und Ausbringung auf einen Blick. Das Motto dabei: Folienstift statt Powerpoint oder SAP.

Die Bereitstellung dieser Informationen obliegt den Linienverantwortlichen jeweils für ihre Montagelinie. Sie erfassen zunächst immer die Arbeitssicherheit inklusive ergriffener Maßnahmen und notieren dann ihre Ist-Zahlen zu den Mitarbeitern in der Schicht. Die Ausbringung wird drei Mal pro Schicht festgehalten. Zudem wird in einem Trenddiagramm der aktuelle Stand der Qualität eingetragen.

Rote und grüne Karten informieren die Mitarbeiter

Hier wird in Defects per Unit (DPU) gemessen, erfasst wird dies täglich sowie im Monatsverlauf. Jedes Band hat dabei eine eigene Vorgabe, je nachdem, wie komplex das Sitzmodell ist, das dort gefertigt wird (Bild 1 – siehe Bildergalerie). Den DPU-Sollwert markiert ein roter Balken in einem Diagramm, der aktuelle Wert wird mit den vorhergehenden zu einer Verlaufskurve verbunden.

Unterhalb des Soll-Werts ist diese grün, oberhalb rot gezeichnet, darüber hinaus markiert eine rote oder grüne Karte neben dem Diagramm den Tagesstand, sodass man diesen bereits von Weitem erkennen kann. Denn wie alle Kennzahlendiagramme auf dem Shopfloor Board folgt auch dieses dem Prinzip der Ampelfunktion.

Drei-Minuten-Management für Führungskräfte

Sind also beispielsweise verglichen zum Soll-Wert zu wenige Mitarbeiter am Band, setzt der Linienverantwortliche einen roten Magneten neben die Zahlen. Gleiches geschieht bei der Ausbringung. Das Prinzip ermöglicht das sogenannte Drei-Minuten-Management: Die Führungskräfte müssen sich nicht durch unzählige E-Mails und Notizen kämpfen oder Präsentationen durcharbeiten.

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