Industrieverband Massivumformung Gute Stimmung in der Massivumformung trotz großer Herausforderungen

Autor: Stéphane Itasse

Die Stimmung unter den Massivumformern in Deutschland bleibt trotz zahlreicher Herausforderungen positiv. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbandes zum Jahreswechsel hervor, wie der Industrieverband Massivumformung jetzt mitteilt.

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Besonders die Freiformschmieden mussten 2016 Einbußen hinnehmen. Insgesamt bezeichnen aber die meisten Massivumformer ihre Lage als zufriedenstellend bis gut.
Besonders die Freiformschmieden mussten 2016 Einbußen hinnehmen. Insgesamt bezeichnen aber die meisten Massivumformer ihre Lage als zufriedenstellend bis gut.
(Bild: Siemens)

Demnach sind 84 % der Verbandsmitglieder mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden und 48 % beurteilen sie sogar als gut. Kein einziger Umfrageteilnehmer erwartet eine Verschlechterung der Situation im kommenden Quartal. Dabei stehen der Branche nach einem durchwachsenen Jahr 2016 einige Herausforderungen bevor, wie es heißt.

Produktion in der Massivumformung 2016 leicht gesunken

Laut vorläufiger amtlicher Statistik ist die Produktion der Massivumformung in Deutschland in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 um 1,7 % gegenüber dem Vorjahresniveau zurückgegangen, ein Minus von 32.562 t. Lediglich im zweiten Quartal konnte die Branche die produzierte Tonnage des Vorjahres übertreffen, und zwar um 2,1 %, was knapp 12.000 t entspricht. Dagegen blieb man im ersten Quartal bereits 2,3 % und im dritten Quartal sogar 5 % unter dem jeweiligen Output von 2015. Unter Berücksichtigung des Schlussquartals ergibt sich damit für das Gesamtjahr ein Produktionsrückgang für die Massivumformung in Deutschland von etwas über 1 %.

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Die Gesenkschmieden haben sich etwas besser entwickelt, sie könnten die Produktionsmenge nach drei Quartalen auf dem Vorjahresniveau halten. Dagegen verfehlten die Hersteller von Freiformschmiedestücken und gewalzten Ringen die Vorjahresmenge um 13,8 %. Rückläufig war auch die Tonnage der Hersteller von Flanschen und Rohrleitungsformstücken und zwar um 2,5 %. Entgegen dem Branchentrend verzeichneten die Hersteller von Kaltfließpressteilen einen Produktionszuwachs um 3,7 %. Die Zulieferer der Fahrzeugindustrie konnten das Rekordniveau des ersten Quartals 2008 wieder erreichen, aber die Lieferanten des Maschinenbaus liegen mit rund 40 % unter diesem damaligen Wert.

Schwache deutsche Autobranche lädt Massivumformer zur Internationalisierung ein

Im Jahr 2016 konnte man bei den deutschen Fahrzeugbauern im Inland lediglich kleine Zuwächse beobachten, ihre Produktion legte um 1 % auf 5,743 Mio. Pkw zu. Für 2017 erwartet der Verband der Automobilindustrie jedoch einen Produktionsrückgang um 2 %. Für die Unternehmen der Massivumformung in Deutschland bedeutet dies, dass sie sich immer stärker international orientieren müssen, um Wachstum zu erzielen. Die Exporte der im Industrieverband Massivumformung organisierten Unternehmen sind in den ersten 9 Monaten des Jahres 2016 entsprechend um 2,6 % gestiegen.

„Der Ausblick auf das Jahr 2017 ist von einigen Unsicherheiten geprägt. Die Prognosen der Kundenbranchen sind zudem für Deutschland nicht besonders optimistisch“, sagt Tobias Hain, Geschäftsführer Industrieverband Massivumfomung. Gegenüber dem Produktionsrückgang im Pkw-Bereich erwarten allerdings die Maschinenbauer zumindest ein geringes Wachstum in 2017.

Angesichts Überkapazitäten etwa im Stahlbereich führen auch die immer noch vergleichsweise niedrigen Rohstoffpreise zu anhaltender Investitionszurückhaltung. Allein im Nutzfahrzeugsektor dürfte sich die gute Entwicklung der Zulassungszahlen zumindest im Bereich der schweren Lkw und Busse fortsetzen.

Das Jahr 2017 dürfte Herausforderungen auf allen Ebenen mit sich bringen, wie der Verband erwartet. Wirtschaftlich bleiben hohe Überkapazitäten in vielen Maschinenbaumärkten eine große Herausforderung für die Zulieferunternehmen. Die Fahrzeugmärkte werden zwar weiterhin für gut ausgelastete Kapazitäten der Massivumformer sorgen, gleichwohl könnten die Herausforderungen, dieses Geschäft profitabel zu betreiben, weiter und noch schneller als in den letzten Jahren zunehmen, wenn einzelne Hersteller Kostenreduzierungen durchsetzen müssen. „Zudem steigen auch dieses Jahr die Energie- und Personalkosten an, auch das Vormaterial könnte sich verteuern. Technologisch gilt es, sich auf das Zeitalter der Elektromobilität vorzubereiten. Zwar werden kurzfristig keine signifikanten Wachstumsraten bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen erwartet und Hybridfahrzeuge steigern zunächst absehbar die Nachfrage nach massiv umgeformten Bauteilen. Mittelfristig könnte sich allerdings ein Strukturwandel in der Branche vollziehen, auf den man vorbereitet sein muss“, erläutert Holger Ade, Leiter Betriebswirtschaft im Industrieverband Massivumformung.

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