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Exporte Harter Brexit würde deutschen Maschinenbau 1,4 Mrd. Euro kosten

Autor: Melanie Krauß

Die Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit liegt laut Euler Hermes inzwischen bei 45 %. Insbesondere dem deutschen Maschinenbau drohen dadurch enorme Exportverluste.

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Bei einem harten Brexit wäre Deutschland am stärksten betroffen, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich.
Bei einem harten Brexit wäre Deutschland am stärksten betroffen, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich.
(Bild: ©tanaonte - stock.adobe.com)

Ende des Jahres könnten die Briten ohne Handelsabkommen aus der Europäischen Union (EU) austreten. Der Kreditversicherer Euler Hermes schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür derzeit auf immerhin 45 %.

Auch die große Mehrheit der Maschinen- und Anlagenbauer glaubt nicht mehr an eine Verhandlungslösung beim Streitthema Brexit und bereitet sich vorsorglich auf ein „No-Deal“-Szenario vor. Das ergab ein Stimmungstest unter 63 VDMA-Mitgliedsfirmen, in dem fast 80 % der Befragten angab, nicht mehr mit einer Einigung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zu rechnen. 70 % der befragten VDMA-Mitglieder halten ihre britischen Geschäftspartner zudem für schlecht vorbereitet.

Deutschland wäre von einem harten Brexit besonders stark betroffen

Bei einem Ausstieg ohne Abkommen träfen steigende Preise für importierte Waren zahlreiche EU-Länder hart – allen voran Deutschland. „In der EU stehen insgesamt Exporte in Höhe von rund 33 Mrd. Euro auf dem Spiel, davon drohen mit 8,2 Mrd. Euro die größten Einbußen in Deutschland“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das entspricht 11,2 % der Ausfuhren ins Vereinte Königreich und 0,6 % der gesamten deutschen Ausfuhren.“ Auch die Niederlande (4,8 Mrd. Euro) und Frankreich (3,6 Mrd. Euro) müssten der Studie zufolge deutliche Einbußen bei ihren Exporten auf die Insel hinnehmen.

In Deutschland wären bei einem harten Brexit vor allem Exporte in diesen Bereichen gefährdet:

  • Transportmittel und -ausrüstungen (2,9 Mrd. Euro)
  • Maschinenbau (1,4 Mrd. Euro)
  • Chemie (752 Mio. Euro)
  • Kunststoffe und Gummi (603 Mio. Euro)
  • Metalle (540 Mio. Euro)

Großbritannien schadet am meisten sich selbst

Ein harter Ausstieg zusätzlich zur Covid-19-Pandemie würde vor allem Großbritannien selbst sehr hart treffen. „Für die Briten stehen bis zu 15% der Exporte in die EU (Volumen) und damit 13,7 Mrd. Euro auf dem Spiel“, so Ana Boata, Leiterin Makroökonomie bei der Euler Hermes Gruppe. „Zudem stünde bei einem harten Brexit 2021 ein weiterer Einbruch der britischen Wirtschaft ins Haus.“

Die Euler Hermes Volkswirte gehen bei einem harten Ausstieg für 2021 von einer erneuten Rezession von -5 % beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus sowie von einer Inflation oberhalb von 5 %, vor allem bedingt durch die mit +15 % stark steigenden Preise von Importen sowie die starke Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro (-10%).

Auch die Pleiten dürften in Großbritannien drastisch steigen. „Mit einem harten Ausstieg käme es 2021 allerdings zu einem regelrechten Tsunami bei den Insel-Insolvenzen: Ein Zuwachs von voraussichtlich 53% wäre die traurige Folge im kommenden Jahr“, sagt van het Hof. Auch bei einem Handelsabkommen würden die Insolvenzen der Studie zufolge 2021 mit + 31% deutlich steigen, aber zumindest würde sich das BIP mit einem Wachstum um +2,5 % etwas erholen.

Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung