Geschäftsbericht Hermle mit solidem Gewinn für 2020

Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Trotz deutlichem Umsatzrückgang verzeichnet die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG einen soliden Gewinn für 2020. Positive Impulse kamen insbesondere aus dem Angebot automatisierter und vernetzter Fertigungsprozesse.

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Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG konnte sich im coronabedingt schwierigen Jahr 2020 gut behaupten.
Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG konnte sich im coronabedingt schwierigen Jahr 2020 gut behaupten.
(Bild: Hermle)

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hat sich im Corona-Jahr zwar gut behaupten können, der Geschäftsverlauf war dennoch erwartungsgemäß von der Pandemie beeinträchtigt. Nach einem starken Einbruch im zweiten Quartal hat sich die Nachfrage im weiteren Jahresverlauf zwar moderat belebt, insgesamt nahm der Auftragseingang 2020 im Vergleich zum Vorjahr aber konzernweit um 41,5 Prozent auf 242,5 Millionen Euro ab (Vj. 414,4 Millionen Euro). Davon entfielen 99,1 Millionen Euro auf das Inland (Vj. 154,5 Millionen Euro) und 143,4 Millionen Euro auf das Ausland (Vj. 259,9 Millionen Euro).

Positiv bemerkbar machte sich die steigende Nachfrage nach Industrie 4.0-Projekten: Hermle konzipiert für seine Kunden zunehmend komplett automatisierte und vernetzte Fertigungsprozesse, in die das Unternehmen neben eigenen Bearbeitungszentren auch Maschinen mit ergänzenden Funktionalitäten wie Messen oder Reinigen integriert.

Konzernumsatz minus 35,9 Prozent

Der Hermle-Konzernumsatz reduzierte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 35,9 Prozent auf 296,9 Millionen Euro (Vj. 463,1 Millionen Euro). Dabei entwickelte sich das Service- und Ersatzteilgeschäft robuster als der Neumaschinenbereich. Das Auslandsvolumen verringerte sich bedingt durch die relativ stabilen Exporte nach China um 30,4 Prozent auf 184,7 Millionen Euro (Vj. 265,5 Millionen Euro), während der Umsatz im von der Automobilindustrie stark geprägten Inland um 43,2 Prozent auf 112,2 Millionen Euro zurückging (Vj. 197,6 Millionen Euro). Die Exportquote erhöhte sich somit von 57,3 Prozent auf 62,2 Prozent.

Betriebsergebnis von 54,2 Millionen Euro

Vor dem Hintergrund der Covid-19-bedingten Umsatzausfälle erzielte Hermle 2020 konzernweit ein zufriedenstellendes, wenn auch erheblich verringertes Betriebsergebnis von 54,2 Millionen Euro (Vj. 114,2 Millionen Euro). Die Basis dafür bildeten sehr flexible Prozesse sowie das Konzept des atmenden Unternehmens mit einem individuellen Gleitzeitmodell, durch das sich Hermle an Nachfrageschwankungen bis zu einem gewissen Grad anpassen kann. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 54,3 Millionen Euro (Vj. 114,1 Millionen Euro). Daraus errechnet sich eine Bruttoumsatzmarge von 18,3 Prozent (Vj. 24,6 Prozent). Nach Steuern wurde ein solider Jahresüberschuss von 40,1 Millionen Euro erzielt (Vj. 84,2 Millionen Euro).

Der operative Cashflow lag in der Berichtsperiode bei 50,5 Millionen Euro (Vj. 94,6 Millionen Euro) und damit deutlich über den Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Diese stiegen vor allem durch zwei große, inzwischen abgeschlossene Zukunftsprojekte um 62,4 Prozent auf 21,6 Millionen Euro (Vj. 13,3 Millionen Euro). Einen Schwerpunkt bildete die innovative, stark automatisierte neue Blechfertigung des Unternehmens am Standort Zimmern ob Rottweil, die Ende 2020 in Betrieb ging. Ferner investierte Hermle aufgrund des wachsenden Kundenkreises im wichtigen nordamerikanischen Markt in den Ausbau der US-Niederlassung in Franklin/Wisconsin.

Gestiegene Nachfrage aus Medizin-, Verpackungs- und Elektronikindustrie

Anfang 2021 verlief das Geschäft von Hermle verglichen mit dem Schlussquartal 2020 trotz weiterer coronabedingter Einschränkungen in vielen Ländern weitgehend stabil. Während sich die Nachfrage beispielsweise aus der Medizin-, Verpackungs- oder Elektronikindustrie belebt hat, blieb sie in Branchen wie der Luftfahrt- und Automobilzulieferindustrie verhalten. Die Entwicklung der kommenden Monate ist für Hermle aufgrund der großen Unsicherheit über die weiteren Auswirkungen der Pandemie auf die Konjunktur nur bedingt prognostizierbar. Ausgehend vom niedrigen Auftrags-bestand per Ende 2020 von 44,8 Millionen Euro (31.12.2019: 99,3 Millionen Euro) erwartet das Unternehmen derzeit, dass der Umsatz im Gesamtjahr 2021 im negativen Szenario leicht abnehmen, im günstigen Fall aber steigen wird. Das Betriebsergebnis dürfte sich jeweils deutlich unterproportional zum Umsatz entwickeln, da im zweiten Halbjahr wegen geänderter gesetzlicher Regelungen mit höheren Kosten für Kurzarbeit sowie einem anhaltend starken Preis- und Wettbewerbsdruck zu rechnen ist.

Den kompletten Jahresabschluss können Sie auf der Hermle-Website abrufen.