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MM Titel Industrie 4.0 anwenden

| Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Welche Vorteile die Digitalisierung für die Prozessindustrie bringt, zeigen erste Einsätze in der Wind- und Prozessindustrie. Dort helfen Experten bei der Bewältigung der Datenflut, die in dieser Branche die vielen Sensoren liefern. Aber auch Unternehmen in der Fertigungsindustrie beschäftigen sich nicht nur mit der Theorie. Einige Unternehmen haben die Weichen schon gestellt und wer dies noch nicht getan hat, für den ist es nicht zu spät: Mit einem Besuch auf der SPS IPC Drives kann man sich über geeignete Industrie-4.0-fähige Produkte informieren.

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(Bild: © Coloures-pic - Fotolia.com)

Früher waren wir am Ende des Tages froh, wenn wir die Daten von sämtlichen Standorten im Kasten hatten und alle Turbinen liefen. Jetzt kommt alles automatisch an und wir können analysieren, wo es Optimierungsbedarf gibt. Somit können wir heute schnell erste Voraussagen treffen. Unsere Arbeit ist dadurch viel einfacher geworden”, sagt Dr. Thomas Weiß. Er ist Bereichsleiter Plant Monitoring bei der Juwi AG im rheinland-pfälzischen Wörrstadt. Gegründet vor 20 Jahren als Zweimannbetrieb für den Bau einer Windturbine, beschäftigt das Unternehmen heute etwa 1000 Mitarbeiter und betreut weltweit Wind- und Solarparks. Die Herausforderung: Jeder Turbinenhersteller liefert eigene Software für die Überwachung seiner Anlage. Und die ist nicht kompatibel mit Herstellern anderer Anlagen.

Für Juwi war es deshalb immer schwieriger, Anlagen zu integrieren, zu überwachen und Berichte in ein Standardformat zu bringen. „Allein im Kontrollraum hatten wir 24 Varianten von unterschiedlicher Software”, meint Weiß. „Wir hatten keine Chance, auch nur einen Bericht aus zwei unterschiedlichen IT-Systemen zu gewinnen, der am Ende stimmig war. Wir waren Meister im Erstellen von Excel-Tabellen. Aber alle Bemühungen endeten immer in Problemfällen. Für die gleiche Fragestellung hatten wir mehrere unterschiedliche Antworten.” Und mit diesem Phänomen sind die Wörrstädter nicht alleine.

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Datensammlung und -analyse erfolgt seit fünf Jahren

Die Bewältigung der Datenflut ist für viele Unternehmen der Wind- und Prozessindustrie, klein oder groß, quer durch alle Branchen eine riesige Herausforderung, der es sich zu stellen gilt. Unzählige Messwerte müssen gesammelt und im Weiteren auch analysiert werden. Prozesse, die optimiert werden wollen. Und es scheint, als würde sich die Wind- und Prozessindustrie im Gegensatz zur Fertigungsindustrie bereits länger mit dem Thema Datensammlung und -analyse beschäftigen. Juwi jedenfalls hat bereits 2012 eine Entscheidung getroffen und in die Zukunft investiert. Da war der Begriff „Industrie 4.0“ gerade ein Jahr alt, die Definition noch vollkommen unklar. Das Unternehmen machte sich auf die Suche nach einem Softwareanbieter, der eine integrierte Lösung für die Überwachung aller Anlagen für erneuerbare Energien bereitstellen konnte. Am Ende entschieden sich die Pfälzer für das PI-System des kalifornischen Unternehmens Osisoft als Lösung für die Datenintegration.

Und auch Europas größte Brauerei fand im gleichen Jahr mit dem System der US-Amerikaner eines, dem sie vertrauen. Das niederländische, 1864 in Amsterdam gegründete Unternehmen Heineken errichtete vor zehn Jahren im spanischen Sevilla eine riesige Brauerei mit einer Kapazität von 5,2 Mio. hl. Als sich 2012 der Standort seinen technologischen Grenzen genähert hatte, erkannte man, dass es neue Instrumente brauchte, wollte man die für die Zukunft ehrgeizigen Ziele erreichen. „Uns war klar, dass wir für eine Weiterentwicklung ein Reporting-System für die Überwachung von Energie- und Wasserverbrauch benötigen würden, denn wir haben 80 % unserer Zeit mit dem Sammeln von Informationen und 20 % mit deren Analyse verbracht, während es genau umgekehrt sein sollte“, erläutert Consuelo Carmona Miura, Projektmanagerin für das Energiemanagement bei Heineken España.

„Als ich das PI-System sah, wusste ich, dass es genau das war, was ich suchte. Es ist äußerst flexibel, denn man kann Modifikationen am System ohne Hilfe durch den Hersteller durchführen und es ist für jeden zugänglich. Deshalb haben wir uns dafür entschieden. Jetzt verbringen wir 10 % unserer Zeit mit der Akquisition der Daten und können diese den Rest der Zeit in Ruhe analysieren – die Situation, die wir vor einigen Jahren gesehen haben, hat sich genau ins Gegenteil verkehrt“, erklärt Miura. Das PI-System habe auch die Datenqualität verbessert. „In der alten Software fehlten uns Effizienzdaten, Verhältniswerte, historische Werte und Flexibilität bei der grafischen Darstellung. Jetzt können wir in Echtzeit unsere Effizienz, den Energieverbrauch, Druck-, Durchsatz- und Effizienzwerte der letzten 24 Stunden, der letzten Woche und des letzten Monats kontrollieren.“

Datenmanagement und Prozessoptimierung sind also keine Erfindung im Zusammenhang mit Industrie 4.0, gleichwohl spielt die enorm zunehmende digitale Transformation eine tragende Rolle beim Thema IT-Innovation beziehungsweise Industrie 4.0.

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