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Fachforum C-Teile-Management

Industrie 4.0 von allen Seiten beleuchten

| Redakteur: Melanie Krauß

Im Industriepark Würth der Würth Industrie Service GmbH & Co. KG diskutierten anlässlich des Fachforums C-Teile-Management rund 400 Gäste aus der ganzen Welt.

Firmen zum Thema

(Bild: Julian Meinhardt)

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der intensive Austausch zu Markttrends, Lösungen, Erfahrungen und Ideen rund um Industrie 4.0. Referenten von Wittenstein, Brose, Müller – Die lila Logistik, Etventure, Würth und dem Fraunhofer-Institut lieferten einen umfassenden Blick auf die Thematik.

Das moderne Produktionsumfeld setze auf datenbasierte und intelligente Anwendungen, die lernen und sich zunehmend selbst organisieren. Damit ändern sich nicht nur Aufgaben und Arbeitsweisen – auch die Denkweise für die Fertigung der Zukunft ist im Wandel, so Würth. „Alles ist miteinander vernetzt, funktioniert agil und dynamisch“, sagt Rainer Bürkert, Geschäftsbereichsleiter der Würth-Gruppe und Geschäftsführer von Würth Industrie Service. „Entsprechend dynamisch müssen alle Beteiligten sein – Menschen, Maschinen und Prozesse.“

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth hielt während des Fachforums eine Rede zum Thema Arbeitswelt 4.0.
Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth hielt während des Fachforums eine Rede zum Thema Arbeitswelt 4.0.
(Bild: Julian Meinhardt)

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth betonte dazu in seiner Rede an die Gäste des Fachforums, wie wichtig bei allen Digitalisierungsthemen der Mensch in der Arbeitswelt 4.0 ist: „Nicht Computer oder Roboter sind es, die das Unternehmen und die Wirtschaft voranbringen, sondern die Menschen mit ihren Werten, Ideen und Erfahrungen.“ Im gemeinsamen Austausch erörterten die 400 Teilnehmer die Themen Digitalisierung, Automatisierung und technologische Neuerungen im Industriesektor und Logistikumfeld. Das Ergebnis sei ein 360-Grad-Blick auf Industrie 4.0.

Altbewährtes revolutionieren

Industrie 4.0 bedeutet für Dr. rer. nat. Dirk Haft, Mitglied des Vorstands der Wittenstein SE, vor allem „neue Technologien, mit denen alle digitalisiert und vernetzt sind“. Würden bei der Entwicklung neuer Produkte die wesentlichen Ziele von Industrie 4.0 – also Kundenbindung, Risikovermeidung, Produktreife und Funktionalität – in den Fokus gerückt, dann könne das Ergebnis auch ein völlig neues Antriebskonzept sein: 2011 brachte Wittenstein den Galaxie-Antrieb auf den Markt und revolutionierte damit das jahrzehntelang bewährte Konzept des Planetengetriebes.

Künstliche Intelligenz: die Krone der Schöpfung?

„Bei der Wertschöpfungskette fängt es an“, sagt Marcus Hepp, Vorstand und COO der Müller – Die lila Logistik AG. „Unternehmen machen sich dann angreifbar, wenn sie in ihren Produkten und Services lückenhaft sind. Dann hat der Wettbewerb leichtes Spiel, diese freien Räume zu besetzen.“ Einer der nachhaltigsten Game Changer in der aktuellen Produktions- und Arbeitswelt ist für Marcus Hepp ganz klar die künstliche Intelligenz. Sie werde Geschäftsmodelle und das komplette Arbeitsleben nachhaltig umgestalten. Und Hepp geht noch weiter: „Vielleicht ist die künstliche Intelligenz das Letzte, was wir Menschen erfinden. Denn danach werden sich die selbstlernenden Systeme eigenständig weiterentwickeln.“

Finanz-Management muss nachziehen

Für Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer IML und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmenslogistik der Fakultät Maschinenbau der TU Dortmund, steht auch in Zeiten von Industrie und Logistik 4.0 der Mensch ganz klar im Mittelpunkt. Auch lässt sich nicht „einfach ein Schalter umlegen und dann sind Unternehmen bereit. Es geht darum, bestehende Anlagen ein Stück weit intelligenter zu machen, auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0.“

Neben der Migration von IT-Systemen ist aus Prof. Henkes Sicht vor allem das Thema Finanz-Management elementar, was die moderne Supply-Chain betrifft. „Die physische Logistik auf der einen Seite ist rasant schnell, niemand kann sich mehr vorstellen, dass es keine Same-Day-Delivery gibt. Die Finanzströme auf der anderen Seite kommen da überhaupt nicht mit.“ Um diese beiden Faktoren zu verbinden, könn die Blockchain-Technologie dienen. Denn sie ist „manipulationssicher, verschlüsselt und damit sicher“, um Unternehmen die Interaktion zu vereinfachen.

Deshalb sei gerade das Supply-Chain-Management, wie es Würth Industrie Service anbietet, eine ideale Anwendungsmöglichkeit für Blockchain. Allerdings ist es bislang noch nicht gelungen, die virtuelle Diskussion um die Blockchain in die Realwirtschaft zu überführen. Eine Herausforderung dabei ist die nötige Rechnerkapazität, um ganze Supply-Chain-Netzwerke zusammenzuschalten.

Eine Frage der Mentalität

„Über Digitalisierung zu sprechen, wie es ganz viele tun, ist einfach – die eigentliche Herausforderung ist die Umsetzung“, weiß Philipp Depiereux, Geschäftsführer der Digitalberatung Etventure GmbH. Denn mit der Digitalisierung würden bestehende Wirtschaftsmuster tiefgreifend verändert und damit auch die Geschäftsmodelle von morgen. „Traditionelle Unternehmen müssen sich daher die Stärken und das Denken von Start-ups zu eigen machen“, ist die Überzeugung von Philipp Depiereux. Allen voran gehöre dazu der Wille, im Bewusstsein des „trial and error“ Neues auszuprobieren. Die Stärken von Traditionsunternehmen lägen vor allem in ihrem Know-how, bestehendem Marktzugang und dem Vertrauen durch Kunden – eine ideale Basis also, um mutig Digitalisierungsprojekte sowohl intern als auch extern anzugehen.

Kleines Teil, große Wirkung

Mit intelligenten Lösungen das C-Teile-Management in der Industrie zu optimieren, gehört für Wolfgang Krebs, Leiter Logistik der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, zu einem wesentlichen Aspekt der modernen Fertigung von Sitzen oder Türmodulen. „Es handelt sich hierbei nicht um einfache Verbindungsteile“, so der Logistik-Leiter. „C-Teile sind sicherheitsrelevant und da machen wir keine Kompromisse.“ Daher behandelt das Unternehmen Brose die Beschaffung von diesen Artikeln identisch zu den Prozessen für A- und B-Teile, auch wenn sich Bedarf und Menge deutlich unterscheiden. C-Teile befinden sich in praktisch jedem Produkt, das die Fertigung verlässt. Und das können bis zu mehrere hundert verschiedene sein. Brose setzt aus diesem Grund auf die Versorgung per Kanban durch Würth Industrie Service, sodass am Montageplatz für die Fahrzeugteile stets das passende Mittel zur richtigen Zeit vorhanden ist.

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