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Porträt

Kaeser Kompressoren – mit einer „Luftnummer“ zum Erfolg

| Autor: Reinhold Schäfer

(Bild: Kaeser)

Das Unternehmen Kaeser Kompressoren feiert 2019 sein 100-jähriges Bestehen. Ursprünglich als Maschinenbauunternehmen gegründet, beschäftigte man sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Herstellung von Kompressoren – mit großem Erfolg.

Mit Luft hat sich Carl Kaeser senior nicht beschäftigt. Er beginnt nach dem Ersten Weltkrieg damit, Ersatzteile für Kraftfahrzeuge und Motoren, insbesondere Zahnräder, zu fertigen. Dazu gründet er am 27. Juni 1919 in Coburg eine Maschinenbauwerkstätte. Später umfasst die Geschäftstätigkeit auch den Bau von Sondermaschinen für die Glasindustrie. Schon nach wenigen Jahren wird aus dem kleinen Betrieb ein mittelständisches mit immerhin 150 Mitarbeitern.

Als Folge der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg verliert das Unternehmen einen Großteil seines bisherigen Marktes in Thüringen und ist gezwungen, sich auf neue Märkte im Süden und Westen Deutschlands zu orientieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Coburg sehr nahe an der Grenze zur DDR liegt. Das bei Kaeser vorhandene Know-how aus dem Motorenbau und ein großer Bedarf der Nachkriegswirtschaft an Kompressoren führen zu der zukunftsweisenden Entscheidung, diese Maschinen in das Produktprogramm aufzunehmen.

Der erste von Kaeser entwickelte Kolbenkompressor (K30-30) verlässt 1948 das Produktionswerk. Das Kolbenkompressorenprogramm wird nach und nach bis 60 kW erweitert.

1973 entwickelt Kaeser seinen ersten Schraubenkompressor

Carl Kaeser junior, Sohn des Firmengründers, ergreift die Initiative zur nächsten strategischen Weichenstellung für das Unternehmen: der Entwicklung von Schraubenkompressoren. Wesentliches Bauteil ist der selbst entwickelte Schraubenkompressorblock mit einem neuen, energiesparenden Läuferprofil – dem Sigmaprofil. Die Produktion der neuen Schraubenkompressoren läuft 1973 an. Während der folgenden Jahre entwickelt sich Kaeser Kompressoren zu einem der international führenden Hersteller von Schraubenkompressoren.

Mit der Eröffnung einer ersten Tochtergesellschaft in der Schweiz (1978) beginnt der Aufbau der internationalen Vertriebs- und Serviceorganisation des Unternehmens.

Nach der Übernahme des französischen Kompressorenherstellers Compresseurs Bernard (1982) entwickelt Kaeser „Mobilair“, ein Programm fahrbarer Schraubenkompressoren für die Bauindustrie. Diese werden in Lyon (Frankreich) produziert.

Zunächst an der Seite seines Vaters wird Thomas Kaeser, Enkel des Firmengründers, zum geschäftsführenden Gesellschafter (1985). Ab 2009 verantwortet er in führender Position die Entwicklung des Unternehmens. Die Ende der 70-er Jahre begonnene Internationalisierung treibt er verstärkt voran.

Kaeser übernimmt die Geraer Kompressorenwerke, einen der ältesten deutschen Kompressorenhersteller, und entwickelt 1991 das Programm Omega-Drehkolbengebläse, dessen Produktion 1993 in Gera beginnt.

Mit Secotec entwickelt Kaeser ein neues Programm von Energiespar-Kältetrocknern. Die modernste deutsche Kältetrocknerproduktion nimmt 1994 in Gera den Betrieb auf.

1998 bringt das Unternehmen die revolutionäre Kompressorsteuerung Sigma Control auf den Markt. Die selbst entwickelte, auf der Industrie-PC-Technologie basierende Steuerung reduziert nach Angabe des Unternehmens die Lifecycle-Kosten und soll die Verfügbarkeit der Anlagen erhöhen. Sie wird seit 1998 in die Kaeser-Schraubenkompressoren eingebaut.

Nach der erfolgreichen Einführung von Sigma Control vollzieht das Unternehmen die "Computerisierung" der gesamten Druckluftstation: Das Druckluft-Managementsystem Sigma Air Manager bündelt 2001 erstmals in der Drucklufttechnik die Möglichkeiten moderner Industrie-PC- und Internet-Technik. Damit ist der Weg frei für nochmals erheblich gesteigerte Zuverlässigkeit, Effizienz und Kostentransparenz der Druckluftversorgung, heißt es.

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2002 wird zweites Werk für Baukompressoren eröffnet

Im Frühjahr 2002 nimmt das Produktionszentrum für Baukompressoren („Mobilair Werk“) in Coburg den Betrieb auf. Zugleich feiert das Werk Gera sein 125-jähriges Bestehen. Es war 1877 von Heinrich Leo als Werkstatt mit Gießerei, Dreherei und Schlosserei gegründet worden und begann als erste deutsche Fabrik bereits 1890 mit der Kompressorenproduktion. Bis 1945 entwickelte sich Leo-Kompressoren zum ehemals führenden Hersteller in Deutschland mit 70 % Marktanteil.

Anfang 2004 weiht das Unternehmen ein neues Produktentwicklungszentrum am Standort Coburg ein. Es soll den Entwicklungsingenieuren optimale Arbeitsbedingungen bieten. „Unser Ziel ist es“, so Geschäftsführer Thomas Kaeser bei der Eröffnung, „eine noch größere Anzahl innovativer, kundenorientierter Produkte als bisher schnell auf den Markt zu bringen.“

2008 nimmt Kaeser das Blechwerk in Sonnefeld in Betrieb. Knapp 100 Mitarbeiter fertigen dort Blechteile für die Verkleidung von Schraubenkompressoren.

2009 stirbt Seniorchef Carl Kaeser junior im Juli im Alter von 95 Jahren. Dem Visionär war es damit vergönnt, die Entwicklung des Unternehmens zu einem Global Player mitzuerleben, für die er mit seinen Ideen den Boden bereitet hatte.

2012 erhält Thomas Kaeser die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft.

Im Jahre 2013 geht es Schlag auf Schlag:

Im April wird der neu entwickelte Energiespartrockner Secotec TF 340 wegen seiner herausragenden und fortschrittlichen Technik unter die Finalisten für den renommierten Innovationspreis der Hannover Messe, den Hermes Award, gewählt. Der Trockner spart dank eines Speichersystems bis zu 70 % der Energie im Vergleich zu herkömmlichen Trocknern.

Im Oktober wird am Produktionsstandort Gera der Grundstein für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum gelegt und im November erfolgt die Umwandlung zur SE, zur Europäischen Aktiengesellschaft „Societas Europaea“. Damit setzt Kaeser seine Strategie der internationalen Ausrichtung fort. Ein Familienunternehmen mit starken deutschen Wurzeln, das in der ganzen Welt zu Hause ist und in jeder Hinsicht Qualität Made in Germany bietet. Der Vorstand besteht aus Dipl. Wirtsch.-Ing Thomas Kaeser und Dipl.-Wirtsch.-Ing. Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser.

Im April 2014 feiert man in Gera das Richtfest für das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum. Im nächsten Monat setzt Kaeser auf Smart Factory und mit einem Spatenstich für zwei neue Produktionshallen am Standort Coburg nimmt die Zukunft Form an. Im Juni wird der Secotec-Trockner in den USA mit dem Gold Award als bestes Produkt ausgezeichnet.

Im September 2015 wird in Coburg erneut ein Grundstein gelegt. Dieses Mal für das Forschungs- und Innovationszentrum, in dem viele neue Innovationen geboren werden sollen. Im Oktober feiern die neuen Produktionshallen Richtfest.

Um die Integration zu fördern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, schafft Kaeser 20 zusätzliche Ausbildungsstellen für junge Menschen mit Flüchtlingshintergrund. Als Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen in der Ausbildung gewinnt Kaeser im Dezember 2015 den bundesweit ausgeschriebenen Preis Ausbildungs-Ass.

Auf der Hannover Messe 2017 feiert Kaeser Sigma Smart Air Premiere, es ist das erste Servicepaket, das vorausschauende Instandhaltung bietet. Im September wird das Forschungs- und Innovationszentrum fertig und die ersten Mitarbeiter ziehen ein.

In über 100 Ländern hat Kaeser Niederlassungen und Partnerfirmen, damit die Anwender hochmoderne, effiziente und zuverlässige Druckluftanlagen nutzen können. Schlüsselpositionen nehmen die Wirtschaftsräume EU, USA, Lateinamerika und Asien-Pazifik ein. Seine hohe Anerkennung verdanke Kaeser Kompressoren der Wirtschaftlichkeit und Qualität seiner Produkte sowie seinem zuverlässigen Service.

Das Produktprogramm umfasst heute Kolben- und Schraubenkompressoren von 0,18 bis 515 kW, fahrbare Baukompressoren, Hochdruck- und ölfrei verdichtende Kompressoren, Kompressorsteuerungssysteme, Vakuumpumpen, Drehkolbengebläse, Druckluftfilter und -werkzeuge, Kälte- und Adsorptionstrockner und Druckluftzubehör. Darüber hinaus bietet es Dienstleistungen rund um das Thema Druckluft an. Zum Beispiel Betreibermodelle für Druckluftstationen und Konzepte im Sinne von Industrie 4.0 und vorausschauender Wartung.

Die Produkte werden noch smarter und individueller

Für die Zukunft ist sich Kaeser sicher: „Zur Fertigung der materiellen Produkte werden mehr und mehr Dienstleistungen hinzukommen. Die Produkte selbst werden darüber hinaus smarter und noch individueller auf die Bedarfe des Nutzers zugeschnitten. Doch immer dann, wenn produziert wird, wird Druckluft benötigt und das ist sicher auch in Zukunft der Fall.“

Das weltweit agierende Familienunternehmen hat 6000 Mitarbeiter und erzielt mit seinen Produkten einen Jahresumsatz von 1 Mrd. Euro.

Über die weitere Entwicklung des Unternehmens sagt Kaeser: „Keiner kann die Zukunft voraussehen, aber wir stellen uns heute so auf, dass alle auch noch so unwahrscheinlichen Unwägbarkeiten der Zukunft gemeistert werden können: enger Kundenkontakt, kontinuierliche Innovation, Aus- und Weiterbildung sowie die Nutzung der Digitalisierung in allen Bereichen sind wichtige Säulen für eine zukunftsorientierte Gestaltung von Kaeser Kompressoren.“

* Weitere Informationen: Kaeser Kompressoren SE in 96410 Coburg

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