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Gesprächsführung Körpersprache im Alltag entschlüsseln

| Autor / Redakteur: Michael Kaune / Andrea Gillhuber

Die Körpersprache des Gegenübers gibt in manchen Situationen wesentlich mehr Auskunft, als das, was die Person in diesem Moment sagt. Um die Signale des Gesprächspartners richtig zu deuten, lohnt es sich, auf „Kleinigkeiten“ zu achten.

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Mimik, Gestik und Körperhaltung sagen mehr als tausend Worte.
Mimik, Gestik und Körperhaltung sagen mehr als tausend Worte.
(Bild: ©Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com)

Befragungen haben ergeben, dass Berufstätige jeden Tag fünf bis zehn Mal in eine Situation kommen, in der sie verhandeln müssen. Das kann ein Gesprächstermin über Gehalt beim Chef sein oder aber ein Kritikgespräch mit dem Teamleiter. Meistens gehen die Parteien mit unterschiedlichen Zielen, Vorstellungen und Interessen in diese Gespräche und es gilt, Kompromisse zu finden. Und all diese Situationen haben eins gemeinsam. Nicht nur das gesprochene Wort ist hier entscheidend, sondern auch die Körpersprache, Mimik und Gestik. Viele Menschen versuchen in solchen Gesprächen mit einem „Pokerface“ zu spielen. Sie wollen Emotionen vortäuschen oder unterdrücken, doch das funktioniert meistens nicht.

Emotionen erkennen

Doch wie lässt sich erkennen, wann jemand in einem Gespräch zum Beispiel aggressiv wird? Wichtig wäre es, vor solchen Gesprächen etwas Smalltalk mit seinem Gegenüber zu führen – sei es über das Wetter oder die Anreise, keinesfalls aber über politische Themen. So kann man Mimik, Körpersprache und Stimme seines Gesprächspartners im „Normalzustand“ erleben und später reagieren, sollte sich die Stimme im Verlauf des Gesprächs ändern. Bei Nervosität, Stress und unterdrückten Aggressionen wird sie meistens lauter und höher.

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Auch die Körpersprache ist bei Verhandlungen und wichtigen Gesprächen sehr aufschlussreich. In Stresssituationen haben die meisten Beruhigungsgesten, die sie bewusst oder unbewusst einsetzen. Das kann ein Reiben am Ohrläppchen sein, das Drehen des Eherings oder das für Frauen typische Hinters-Ohr-Streichen einer Haarsträhne. Je häufiger der Gegenüber eine solche Geste einsetzt, umso höher ist sein Stresslevel. Ohne rechtzeitiges Reagieren kann es sein, dass die Emotionen des Gesprächspartners nach außen dringen. Ein weiteres Zeichen für Stress: Die Blinzelrate erhöht sich.

Während die meisten Menschen jedoch ihre Stimme oder die Körpersprache schon gut kontrollieren können, ist das bei der Mimik fast unmöglich. Die Makroexpressionen, also die mimischen Ausdrücke, die circa 3 bis 5 s dauern, lassen sich noch recht gut steuern. Anders ist es aber mit den Mikroexpressionen, die nur 40 bis 500 ms lang sind: Sie lassen sich nicht steuern, da sie unbewusst ablaufen, noch bevor das Gehirn zu denken anfängt.

Blickkontakt suchen

Darum ist beispielsweise auch der Blickkontakt zu seinem Gegenüber so wichtig: In Seminaren, bei Veranstaltungen und im ganz normalen Alltag ist oft beobachten, dass scheinbar immer weniger Menschen fähig sind, ihrem Gesprächspartner in die Augen zu sehen – insbesondere in wichtigen und entschiedenen Momenten. Oft sind die Augen auf die Leinwand, den Vertrag oder sonst wohin gerichtet, nur selten schaut man dem anderen in die Augen. Dabei ist der Blickkontakt in der Kommunikation zwischen Menschen extrem wichtig. Zum einen wird so Interesse und Aufmerksamkeit signalisiert, zum anderen sind gerade die Augen eines Menschen sehr aussagekräftig und aufschlussreich. Ein direkter Blickkontakt hilft, den anderen zu „lesen“. So sehr wir auch Gedanken und Gefühle verbergen oder kontrollieren wollen, die Augen erzählen weit mehr über eine Person als wir denken.

Gesamtbild entscheidend

Neben der Mimik können aber auch andere körpersprachliche Ausdrücke bei Gesprächen im beruflichen oder privaten Rahmen hilfreich sein. Die Körpersprache ist ein wichtiges Instrument, um Glaubwürdigkeit und Authentizität auszudrücken: Harmoniert die Körpersprache nicht mit den gesprochenen Worten, dann stimmt etwas nicht. Oft nimmt man das nur in unbewussten Nuancen wahr. Denn besonders Gefühlszustände wie Freude, aber auch Angst und Anspannung machen sich durch unbewusste Körpersignale bei den meisten Menschen sofort bemerkbar. Doch auch wenn viele Informationen in der Körpersprache enthalten sind, bleibt es ein schwieriges Unterfangen, die Signale richtig zu lesen und entsprechend zu deuten.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Ihr Gegenüber kneift die Augen zusammen. Sie denken sofort daran, dass Ihr Gesprächspartner nun wütend oder aggressiv wird. Es kann aber sein, dass er nur angestrengt und konzentriert über das Gesagte nachdenkt. Erst in Kombination aus Gesichtsausdruck, Gestik und Körperhaltung ergibt sich so ein stimmiges Gesamtbild.

Um die eigene Mimik und Körpersprache besser zu verstehen und damit auch besser auf sein Gegenüber eingehen zu können, sollte man sich zunächst erst einmal bewusst wie man selbst wirkt. Dazu hilft es darauf zu achten, was der eigene Körper macht. Was passiert im eigenen Gesicht? Dazu ist ein Spiegel beispielsweise während des Telefonierens hilfreich: Welcher Gesichtsausdruck ist wann zu sehen? Wie reagiert der Körper auf etwas Gesagtes? Wofür ist die Mimik und Körpersprache genau in diesem Moment ein Ausdruck?

* Michael Kaune ist Coach und Mental-Trainer in 10247 Berlin, Tel. (01 72) 2 92 56 08, mail@michaelkaune.de, www.michael-kaune.de

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