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Innovation Kollaboratives Engineering – Chancen und Risiken

| Autor/ Redakteur: Matthias Künzel, Tom Kraus und Sebastian Straub / Melanie Krauß

Wachsender Innovationsdruck, höhere Kundenerwartungen und ein kürzerer Produktlebenszyklus: Die Anforderungen an Entwickler steigen stetig. Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit könnte die Antwort sein.

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Der kollaborative Engineering-­Prozess kann es erleichtern, die Expertise aus verschiedenen Unternehmen zusammenzubringen.
Der kollaborative Engineering-­Prozess kann es erleichtern, die Expertise aus verschiedenen Unternehmen zusammenzubringen.
(Bild: ©Teamwork - stock.adobe.com)
  • Durch kollaboratives Engineering kann man die Expertise verschiedener Unternehmen kombinieren und dadurch Synergien nutzen.
  • Herausforderungen liegen unter anderem beim Datenaustausch und den vertraglichen Regelungen.
  • Der digitale Zwilling wird zukünftig eine Schlüsselrolle bei unternehmensübergreifenden Koordinations- und Kommunikationsaufgaben einnehmen.

Das Engineering, also die technische Ausgestaltung von Produkten und Services, entscheidet auch zukünftig maßgeblich über deren ökonomischen Erfolg. Durch die Digitalisierung wandeln sich jedoch die Kriterien, die erfolgreiche Produkte und Services auszeichnen: Neben dem Preis, der Qualität und der Funktionalität müssen im Engineering zunehmend die Interoperabilität von Produkten, die begleitenden Services, die spätere Entwicklung über den gesamten Lebenszyklus sowie die zugehörigen Geschäftsmodelle berücksichtigt werden.

Eine Möglichkeit, wie Unternehmen mit diesen hohen Anforderungen umgehen können, ist ein unternehmensübergreifender, kollaborativer Engineering-Prozess. Dieser kann es erleichtern, die für die Produkt- oder Serviceentwicklung notwendige Expertise aus verschiedenen Unternehmen zusammenzubringen und die neu generierten Produkt- und Servicekonzepte effizient umzusetzen. Welche Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen sich Unternehmen dadurch bieten, wurde in einer neuen Studie untersucht, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) für das Technologieprogramm Paice in Auftrag gegeben hat.

Entscheiden sich Unternehmen für ein kollaboratives Engineering, gilt es, einiges zu beachten, damit die Zusammenarbeit zum Erfolg wird. So sollten im Vorfeld klare Entwicklungsziele formuliert und der Aufwand, um die Ziele zu erreichen, realistisch geplant werden.

Eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung der Projekte spielt ein effektives Kollaborationsmanagement: So hängt kollaboratives Engineering stark von personellen Beziehungen und eingesetzten Kommunikationsformen ab. Aus diesem Grund kann sich eine räumliche Nähe der Partnerunternehmen als positiv erweisen.

Arbeitsteilung, Recht und Datenaustausch

Reibungsloser Informations- und Datenaustausch zwischen den Unternehmen ist Grundvoraussetzung. Aktuell bestehen noch Herausforderungen, etwa im Hinblick auf geeignete Vernetzungsarchitekturen, Datenkonsistenz sowie die Handhabbarkeit von großen Datenmengen auf Anwenderseite. Auch wenn für diese technischen Aufgaben aktuell noch erheblicher Entwicklungsbedarf besteht, so ist dieser gut bekannt und ein Schwerpunkt aktueller Forschungsprojekte.

Eine wichtige Rolle spielen, gerade mit Blick auf globale Märkte, rechtliche Fragen, da diese entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg der kollaborierenden Unternehmen sein können. Dazu gehören etwa die Fragen, wie mit Vergütungsansprüchen und Urheberrechten im internationalen Rechtsraum umgegangen wird. Insgesamt gesehen gibt es bislang noch kein Erfolgskonzept, das diese Fragestellungen, wie auch Haftung und Datenschutz, berücksichtigt und entsprechend als idealtypisches Vorbild für die (vertrags-)rechtliche Absicherung von Unternehmenskollaborationen dienen könnte. Deshalb ist eine umfassende vertragliche Regelung unumgänglich.

Im Umgang mit neu erworbenem Wissen können Erfahrungen aus dem bestehenden Patentrecht herangezogen werden, da Engineering-Leistungen oftmals die nach dem Urheberrecht erforderliche Schöpfungshöhe erreichen und somit unter den urheberrechtlichen Schutz fallen. Besonders wichtig sind vertragliche Regelungen bei dem Besitz und der Nutzung von Daten. Gerade kleinere Firmen, die mit größeren Partnern zusammenarbeiten möchten, sollten bei der Vertragsgestaltung auf die Ausgewogenheit für beide Seiten achten, um aufgrund der Marktmacht der größeren Firmen nicht benachteiligt zu werden.

Unternehmensübergreifendes Engineering ist heute noch mit viel manuellem Initiierungs- und Koordinationsaufwand verbunden. Um die Kollaboration langfristig zu vereinfachen, sind allerdings noch einige Herausforderungen zu meistern. Eine hohe Bedeutung für das kollaborative Engineering wird künftig dem digitalen Zwilling zukommen, unter anderem zur Erleichterung der Koordinations- und Kommunikationsaufgaben.

Schlüsselfunktion des digitalen Zwillings

Der digitale Zwilling wird durch die zukünftige Integration nichttechnischer Informationen seine Schlüsselfunktion als virtuelles Abbild nicht nur für technische Aspekte erfüllen. Dadurch werden sämtliche Koordinations- und Kommunikationsaufgaben unter den Akteuren erleichtert. Die konkreten Vorteile für das kollaborative Engineering sind insbesondere:

  • die Simulation von Geschäftsmodellen zur Bewertung wirtschaftlicher Potenziale,
  • die Berücksichtigung von Informationen zur Urheberschaft und Expertise von Personen,
  • die Begründung kollaborativer Geschäfts- und Beteiligungsmodelle
  • und die Beachtung national geltender Bestimmungen und Gesetze.

* Dr. Matthias Künzel, Dr. Tom Kraus und Sebastian Straub LL. M. sind für die Begleitforschung des BMWi-Technologieprogramms Paice tätig, Tel. (0 30) 31 00 78-0, vdivde-it@vdivde-it.de

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