Leetx ist ein Verbindungstechnikspezialist aus Shanghai. Hier soll vor allem der deutsche Markt in Form eines kleinen Porträts und eines Interviews mit dem Marketingmanager Leetx besser kennenlernen ...
Leetx ist ein chinesischer Player aus der modernen Verbindungstechnik. Er ist zwar global aufgestellt, aber die Präsenz in Deutschland ist nur etwa zwei Jahre alt. Auf der Schraubtec-Veranstaltung in Stuttgart hat Leetx sich letztens vorgestellt. Hier mehr zu den Expertisen ...
(Bild: Leetx)
Leetx hat seinen Hauptstandort in Shanghai, aber auch im chinesischen Wuxi ist der Verbindungstechnikspezialist zu finden, wo er Forschung und Entwicklung hat sowie die Produktion und den Vertrieb für die Auslieferungen der Systeme. Leetx ist in Sachen Verbindungstechnik unter anderem in den Bereichen smarte manuelle und stationäre Schraubsysteme, Kleberdosierungen (über den Servicebereich Centron), Servopressen und Zuführungssysteme für Schrauben aktiv. Aber auch die Datentransparenz und künstliche Intelligenz (KI) spiele heute ein große Rolle im Geschäft und im Portfolio. Viele Produkte werden im Haus gefertigt. Über 100 Patente hält das Unternehmen, wie man weiter erfährt. Zu den Kunden zählen namhafte Player, wie Mercedes-Benz, Honda, Bosch, Siemens, ABB, Webasto, ZF, Schneider Electric, Panasonic, Magna und Brose, um nur einige zu nennen. In China gibt es außerdem in Shenzen, Chongqing und Wuhan noch Töchter. Markenvertretungen finden sich in Hong Kong, Ungarn, Malaysia und auch bei uns in Deutschland – genauer gesagt, in München. Wenn es um die Branchen geht, in denen sich Leetx weltweit schon etabliert hat, dann sind das – wie anhand der genannten Kunden schon zum Teil abzuleiten ist – der Automobilsektor, die Elektromobilität, die Robotik, der Baumaschinenbereich, Weiße Ware und der Transportsektor.
Wir haben den Leetx-Markenmanager Frank Zhu befragt:
Herr Frank Zhu, der Markenmanager von Leetx in Deutschland, war am 16. April auf der Schraubtec dabei. Er gab Auskunft über das Können von Leetx und über die strategische Planung mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens in Deutschland und Europa.
(Bild: P. Königsreuther)
Sehr geehrter Herr Zhu, das Unternehmen Leetx sieht sich als führend im Bereich diverser Verbindungstechnik. Können Sie uns bitte erläutern, welche Fügeprozesse und möglichen unterstützenden Systeme Ihr Unternehmen hauptsächlich abdeckt?
Unser Geschäft konzentriert sich auf vier Kernbereiche transducerisiertes Schrauben, servo-elektrisches Pressfitting, automatische Schraubenzuführung und Dosiersysteme. Im Bereich Schrauben vereinen unsere kabellosen Werkzeuge hohe Genauigkeit mit einem leichten Design – geeignet für die Montage von Antriebssträngen in der Automobilindustrie bis hin zur Präzisionsarbeit in der 3C-Elektronik. Im Dosierbereich sind wir unter der Marke Centron tätig, was sich vom Karosseriebau und über die Montage in der Automobilindustrie bis hin zu Energiespeicherbatterien erstreckt. Obwohl wir bereits Zulieferer von Unternehmen wie Mercedes-Benz und Bosch in China sind, sind wir auf dem deutschen Markt noch ein neues Gesicht.
Welche Neuentwicklungen hat Leetx in den letzten Monaten geschafft?
Der bedeutendste Fortschritt der letzten Zeit ist, dass wir unsere ersten offiziellen Auftritte auf der MAX Expo in Nordamerika und der Schraubtec in Stuttgart absolviert haben. Das ist für uns ein entscheidender Schritt während unserer globalen Expansionsphase. Unser deutscher Standort ist München. Unser internationales Servicenetz erstreckt sich bereits über Ungarn, Frankreich, Italien und mehrere weitere Länder. Derzeit nutzen über 80 Prozent der größten OEMs Chinas unsere Systeme, mit jährlichen Lieferungen von mehr als 10.000 Einheiten. Wir wollen nun die in China bewährten Fähigkeiten schnell auf den europäischen Markt bringen.
Worauf ist Leetx im Moment besonders stolz?
Auf unsere vollständig selbst entwickelte Technologie und die Strategie der einheitlichen Technologieplattform. Alle Kernkomponenten – von Motoren und Sensoren bis hin zur Steuerungssoftware – werden komplett intern entwickelt. Das gibt uns die Sicherheit, schnell reagieren zu können. Darüber hinaus teilen sich unsere Produktlinien (Schrauben, Pressen, Zuführen, Dosieren) dieselbe technische Architektur, sodass ein technischer Durchbruch in einer Produktlinie schnell auf andere übertragen werden kann. Diese produktübergreifende Synergie ist der Kern unserer Wettbewerbsfähigkeit. Sie ermöglicht es, unser Produktportfolio zu erweitern und flexibel auf die Anforderungen verschiedener Branchen zu reagieren.
Welche Systeme werden derzeit von den Kunden am meisten bevorzugt? Aus welchen Branchen stammen diese Aufträge hauptsächlich?
Die Nachfrage variiert stark zwischen den Märkten, daher ist es schwierig, dies allein am Auftragsvolumen zu messen. Aber in Bezug auf die Branchenabdeckung sind wir in NEV und traditionellen Automobilkomponenten sehr tief verwurzelt. Von kabellosem Schrauben von Batteriepaketen und mehrspindliger synchroner Montage von E-Antriebseinheiten bis hin zu hochpräzisen Stationen, wie Getriebegehäuse und Fahrwerkverbindungen. Anwendungen in der Automobilelektronik und in Energiespeichersystemen wachsen ebenfalls rasant. Unsere Produkte lassen sich flexibel kombinieren, um Szenarien von kleinen bis hin zu schweren Anwendungen präzise mit hohen Drehmomenten abzudecken.
In welchem Umfang sind die Systeme von Leetx mit KI-Funktionen ausgestattet? Um welche Systeme handelt es sich konkret und was können sie damit erreichen?
Wir treiben KI in Richtung tieferer Anwendungen voran. Derzeit entwickeln wir eine neue Technologie, deren Kern in der Echtzeit-Tiefenanalyse von Montageprozesskurven mittels KI-Algorithmen besteht. In der industriellen Praxis gibt es ein häufiges Problem: Obwohl die endgültigen Schraub- oder Pressergebnisse die Qualitätsgrenzwerte einhalten, weisen die Prozesskurven oft verborgene Anomalien auf – also auf versteckte Kosten, die herkömmliche Überwachungssysteme übersehen. Unsere kommende Innovation wird es der KI ermöglichen, durch kontinuierliches Labeln und Lernen aus einer großen Anzahl anomaler Kurven automatisch Merkmale zu extrahieren und Muster zu clustern. Das bedeutet, dass das System nicht mehr nur prüft, ob ein Ergebnis gut oder schlecht ist, sondern Qualitätsrisiken proaktiv während des Prozesses erkennt und verhindert – ein echter Wandel von der Nachkontrolle zur quasi vorbeugenden Aktion.
Stand: 08.12.2025
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Bei welchen Branchen und mit welchen Verbindungsprozessen sehen Sie die größten Chancen für Leetx am europäischen Markt?
Wir sehen drei Hauptrichtungen. Erstens NEVs – Europa investiert weiter in Gigafabriken für Batterien und E-Antriebslinien. Unsere kabellosen Schraubsysteme, mehrspindligen synchronen Produkte und Dosiersysteme sind marktreif. Zweitens traditionelle Automobilkomponenten – Deutschland verfügt über ein großes Zulieferernetzwerk. Unsere Fähigkeiten zur Datenrückverfolgbarkeit erfüllen vollständig die Anforderungen von Qualitätsmanagementsystemen wie IATF 16949. Drittens Windenergie – Windkraftanlagen umfassen viele großformatige Schraubverbindungen und unsere kabellosen Werkzeuge eignen sich etwa gut für die Wartung vor Ort in Windparks. Wir möchten, dass europäische Anwender erkennen, das die Fähigkeiten unserer Systeme ihre Bedürfnisse auch in der Praxis erfüllen können.