Suchen

Industrie 4.0 Lenze legt den Grundstein für die eigene Produktion der Zukunft

| Autor: Stefanie Michel

Lenze investiert in die eigene Zukunft: Am 29. September 2018 wurde der Grundstein für den Lenze Mechatronic Competence Campus (MCC) gelegt – mit 50 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte.

Firmen zum Thema

Legten heute den Grundstein für den MCC: (v.l.) Armin Laschet, Monika Rehmert, Babette Herbert mit ihren Enkelkindern, Nikolaus Belling und Christian Wendler.
Legten heute den Grundstein für den MCC: (v.l.) Armin Laschet, Monika Rehmert, Babette Herbert mit ihren Enkelkindern, Nikolaus Belling und Christian Wendler.
(Bild: Stefanie Michel)

Nicht nur über Industrie 4.0 reden und Komponenten liefern: Lenze will im eigenen Unternehmen neue Wege in der Entwicklung und Produktion gehen, Industrie 4.0 also in die Praxis umsetzen. Dafür entsteht bis Anfang 2020 der „Mechatronic Competence Campus“ (MCC); moderner Entwicklungs- und Fertigungsstandort, in Extertal.

Am 29. September 2018 fand vor Ort die feierliche Grundsteinlegung in Anwesenheit des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, der Bürgermeisterin von Extertal, Monika Rehmert, sowie der Gesellschafter des Unternehmens und Mitgliedern der Gründerfamilie statt.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 16 Bildern

Der neue Produktionsstandort von Lenze ist mit rund 50 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der 70-jährigen Geschichte Unternehmens und soll als Referenzprojekt für die Zukunft des Arbeitens entstehen. Der Neubau umfasst 7500 m², insgesamt stehen auf dem Campus 30.000 m² für Entwicklung, Fertigung, Service und Lager zur Verfügung. Im Endausbau werden hier rund 800 Mitarbeiter beschäftigt sein, die bislang auf drei getrennte Standorte in Extertal verteilt sind. Insgesamt soll der Campus fünf Lenze-Unternehmenseinheiten unter einem Dach vereinen.

Der Mechatronic Competence Campus in Zahlen
  • Investitionsvolumen: 50 Mio. Euro
  • Fläche: ca. 4000 m² für interdisziplinäres Arbeiten im Technikum, über 2500 m² Mehrwertfläche in den Arbeitswelten
  • Räume: 20 Lounges und Teeküchen, 70 Besprechungsräume, 60 „Think Tanks“ und „Phone Booths“
  • Büros: 450 Büroarbeitsplätze, 350 Arbeitsplätze in Shopfloor und Logistik
  • Logistik: automatisches Palettenlager mit über 16.000 Plätzen, automatisches Behälterlager mit über 15.000 Plätzen
  • Kapazität der Fertigung: Kapazität für über 200.000 Motoren und Getriebemotoren sowie für 1 Mio. Verzahnteile und Getriebegehäuse
  • Mechatronik-Produktion der Zukunft

    Warum man die Investition tätigt, erklärt CEO Christian Wendler: Eine schlanke Produktion und Logistik sowie agiles Arbeiten auf offenen Arbeitsflächen fördert Innovation und verbessert das Time-2-Market. „Mit dem MCC schaffen wir nicht nur eine der zukunftsorientiertesten Mechatronik-Produktionsstätten Deutschlands, sondern vor allem auch ein wichtiges Referenzprojekt für die Zukunft der Zusammenarbeit. In agilen, interdisziplinären Teams werden unsere Mitarbeiter in Extertal künftig auf zahlreichen offenen Flächen zusammenarbeiten und für unsere weltweiten Kunden die besten mechatronischen Lösungen und Services erarbeiten“, so Wendler.

    Besonderes Augenmerk legt Lenze auf die bessere Zusammenarbeit – von der Ideenfindung über die Produktentwicklung, Prototypenbau und Nullserie bis hin zur Serienreife sollen die unterschiedlichen Disziplinen enger zusammenrücken. Ein zentrales Element des Entwicklungsstandortes ist daher das Technikum. „Hier kommen Produktmanager mit engem Kontakt zum Vertrieb und deren Kenntnis der Kundenanforderungen mit dem Entwicklungsteam, den Service-Mitarbeitern und der Operations-Abteilung zusammen. Alle diese Disziplinen sind gleich wichtig. Wir sorgen dafür, dass Kommunikationsbarrieren abgebaut werden und eine einfache Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen möglich wird“, betont Dr. Hans-Peter Mertens, Geschäftsführer der Lenze Operations GmbH. Ebenso können Kunden hier mit einbezogen werden, die spezifische Entwicklungen begleiten und live erleben können.

    Gerade dieses Konzept in Richtung Industrie 4.0 lobte auch Ministerpräsident Laschet in seiner Rede. Er erwartet von Unternehmen in Zeiten guter Konjunktur sich nicht auf ihren Erfolgen auszuruhen, sondern entsprechend in ihre Zukunft zu investieren. Deshalb gratulierte er nicht nur zur Grundsteinlegung; er freute sich auch über den „Umbau“ in Richtung Industrie 4.0 und das Vorantreiben dieses Konzeptes.

    Effizientere Produktion nach Industrie 4.0

    Entscheidende Verbesserungen soll es aber auch in der Produktion geben. Industrie 4.0 finde auf dem MCC ihren praktischen Niederschlag. Vernetzung und Steuerung werden von Grund auf neu konzipiert, basierend auf einer SAP-Umgebung. In der Produktion selbst kommen fahrerlose Transportsysteme zum Einsatz, direkt angeschlossen ist ein modernes Hochregallager mit Platz für mehr als 16.000 Paletten und über 15.000 Behältern. Rund 300 Lenze-Antriebe werden in der Logistik verbaut.

    Die Veränderungen gegenüber den bisherigen Produktionsabläufen werden deutlich sein: Der Make-2-Order-Prozess, bei dem aus vorgefertigten Elementen die kundenspezifischen Fertigprodukte entstehen, soll zwischen 50 und 85 % schneller werden – im Extremfall sinkt die Durchlaufzeit von 32 Tagen auf nur noch 5, weil unnötige Materialbewegungen und Liegezeiten wegfallen. 300 Palettenkilometer pro Jahr werden künftig eingespart, 10 % weniger Energie und 48 % weniger Fläche benötigt.

    Die digitalen und stark vernetzten Automatisierungslösungen in der Produktion beschleunigen nicht nur die Auslieferung. Sie erhöhen auch die Flexibilität und werden zu neuen Angeboten im Produkt- und Serviceportfolio führen. Letztendlich dient der Campus auch als Labor, in dem Neues erprobt und verbessert werden soll. Was sich ab 2020 in Extertal bewährt, wird dann auf die anderen Standorte weltweit ausgerollt.

    Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45523609)

    Über den Autor

     Stefanie Michel

    Stefanie Michel

    Journalist, MM MaschinenMarkt