Fraunhofer-Institut Umsicht

Mehlwürmer machen aus Plastikmüll Fischfutter

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Mehlwurm-Beißerchen statt „Zahn der Zeit“

Ähnliche Ergebnisse zeigt auch die Forschung der Biologiestudentin Elma Mehovic, die für ihre Abschlussarbeit am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht in Oberhausen den Abbau von Polystyrol durch Mehlwürmer untersucht. Der Kunststoff, der durch die Polymerisation von Styrol gewonnen wird, findet im Rahmen der energetischen Sanierung von Altbauten durch Wärmedämmung, aber auch in der Verpackungsindustrie vielfältigen Einsatz. „Mehlwurmlarven haben auf ihrem Biofilm im Darm unterschiedliche Bakterien, die das Polystyrol zersetzen“, erklärt Elma Mehovic. Auf diese Weise können sich Mehlwürmer ohne großen Aufwand durch Styropor fressen und dabei den Kunststoff gleichzeitig auf natürlichem Wege abbauen.

Plastik mästet Fischdelikatesse

Im Rahmen ihrer Arbeit versucht Mehovic nun herauszufinden, unter welchen Rahmenbedingungen die Mehlwurmlarven das Polystyrol optimal verwerten. Dabei untersucht die junge Forscherin insbesondere den Einfluss der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit auf das Fressverhalten der Larven. In einem nächsten Schritt soll dann geprüft werden, ob sich die Ergebnisse von Polystyrol auch auf andere Massenkunststoffe übertragen lassen. In einem letzten Schritt werde Elma Mehovic schließlich die Darmbakterien der Mehlwurmlarven untersuchen und prüfen, inwieweit es möglich sei diese nach einer Extraktion zu vermehren und in Abbauprozesse in der Industrie, in Mülldeponien oder in Klärwerken einzusetzen.

Insekten als vielversprechende Umwelt-Polizei

Die Wirkung der Mehlwürmer beschränke sich übrigens nicht nur auf den biologischen Abbau von Kunststoffen: „Die Larven wandeln das Polystyrol in Biomasse für den eigenen Organismus um. Die Mehlwürmer lassen sich dann im Anschluss beispielsweise als hochwertiges Fischfutter weiterverwenden“, so Mehovic. Auch wenn noch zahlreiche Fragen zur ökologischen Gesamtbilanz oder zu einer denkbaren technischen Umsetzung offen sind, scheinen deshalb die Insekten einen neuen vielversprechenden Weg im Umgang mit Kunststoffabfällen aufzuzeigen. MM

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