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Energieeffizienz Mehr als nur heiße Luft: Wie Sie mit Abwärme richtig sparen

| Autor: Sebastian Hofmann

Über die Hälfte des Energieverbrauchs in der Industrie geht auf das Konto der Prozesswärme. Bis zu 50 % davon bleiben allerdings ungenutzt. Eine deutsche Erfindung hilft Ihnen dabei, dieses Potenzial auszuschöpfen und Stromkosten zu senken.

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Mit den Efficiency Packs von Orcan Energy lässt sich Abwärme zu Strom umwandeln – so wie hier in den Adolf Gottfried Tonwerken bei Coburg.
Mit den Efficiency Packs von Orcan Energy lässt sich Abwärme zu Strom umwandeln – so wie hier in den Adolf Gottfried Tonwerken bei Coburg.
(Bild: Orcan Energy )

Wissen Sie, wie viel Energie eine Tonne Rohstahl während ihrer Produktion schluckt? Gut und gerne bis zu 17,5 Gigajoule – umgerechnet knapp 5000 kWh. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch einer fünfköpfigen Familie. Ähnlich sieht es aus bei der Zementherstellung und zahllosen weiteren Fertigungsprozessen in der Industrie. Um zu funktionieren, benötigen sie nämlich vor allem eines: riesige Mengen an Wärme. Experten schätzen, dass bis zur Hälfte dieser Energie unverbraucht als heiße Luft verloren geht.

Um dieses Potenzial nutzbar zu machen, hat das Start-up Orcan Energy eine neue Technologie zur Stromerzeugung entwickelt. Seine „Efficiency Packs“ verkauft der Anbieter bereits weltweit in mehrere Branchen. „Auf Basis des sogenannten ORC-Prinzips funktionieren unsere Einheiten genauso wie ein Dampfkraftwerk“, erklärt Andreas Sichert, Vorstand und Gründer. „ORC steht für Organic Ranking Cycle. Es gibt dabei einen geschlossenen Kreislauf, in dem eine Flüssigkeit immer wieder verdampft und anschließend kondensiert wird. Dabei bauen sich hohe Drücke auf, die einen Generator antreiben.“ Als externe Energiequellen dienen den Packs Hochöfen, Motoren und weitere Wärmelieferanten aus der industriellen Fertigung. Anders als vergleichbare Stromerzeuger arbeiten sie schon bei niedrigen Temperaturen.

So viel lässt sich mit der Rückgewinnung sparen

Und was kommt am Ende dabei raus? Mit seinen weltweit 200 Einheiten hat Orcan Energy bereits mehr als 20.000 t CO2 eingespart. „Bei einem mittelständischen Kunden aus der Keramikindustrie konnten wir den externen Strombedarf sogar um bis zu 15 % reduzieren“, unterstreicht Sichert. Dabei liege die Amortisationsdauer in den meisten Fällen bei drei bis fünf Jahren. Attraktiv sind die Einheiten vor allem deshalb, weil sie auf 15 Jahre Betrieb ausgelegt sind. „Gemeinsam mit unserem Partner EON haben wir zudem ein neues Finanzierungsmodell entwickelt“, so der Gründer. „Von der Planung über die Installation bis zur Wartung der Anlage übernimmt EON dabei die Energieversorgung als komplettes Paket.“

Mit der BAFA-Förderung gibt es eine weitere Möglichkeit, die Investition abzufedern. Bis zu 700 Euro pro jährlich eingesparter Tonne CO2 bezuschusst das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zu Investitionen in ORC-Technologie. Eine Reduzierung der Emissionen um 55 t Kohlendioxid pro Jahr ergäbe beispielsweise eine Fördersumme von knapp 40.000 Euro. Unternehmen müssen sich dazu lediglich ein Einsparkonzept von einem Energieberater besorgen – auch die Kosten dafür sind förderfähig.

Im Schnell-Check die Rentabilität prüfen

„Damit unsere Kunden ein Gefühl dafür bekommen, ob sich ein Efficiency Pack bei ihnen rentiert, haben wir einen Fragebogen entwickelt“, erklärt Sichert. „Ist unser ‚Heat Check‘ ausgefüllt, können wir dem Kunden innerhalb von wenigen Tagen eine Rückmeldung geben.“ Wie lange die Installation einer Einheit dann dauert, hängt von der Anlage vor Ort ab. Liegt die Wärme schon in Form von Warmwasser oder warmem Öl vor, kann das Efficiency Pack direkt angeschlossen werden. Bei heißen Abgasen muss das Team noch einen Wärmeübertrager dazwischenschalten. Von der Erteilung des Auftrags bis die Einheit voll läuft, sollten Kunden mit einem halben Jahr rechnen.

Für seine Erfindung wurde Orcan Energy inzwischen schon mehrfach ausgezeichnet. Ende März wird die Deutsche Physikalische Gesellschaft das Unternehmen mit ihrem Technologietransferpreis würdigen. Für Andreas Sichert und seine Mitarbeiter ist das ein Signal: „Solche Preise bestätigen unsere Mission, das Wärmepotenzial in der Industrie weiter auszuschöpfen.“

* Weitere Informationen: Orcan Energy in 81379 München, Tel. (0 89) 7 24 49 97-0, info@orcan-energy.com, www.orcan-energy.com

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 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group