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Geschäftsmodelle

Mehr Mut zur Innovation im deutschen Maschinenbau

| Autor / Redakteur: Michael Gschwendtner und Martin Lehnert / Melanie Krauß

Innovationen spielen für den Großteil der deutschen Unternehmen eine große Rolle.
Innovationen spielen für den Großteil der deutschen Unternehmen eine große Rolle. (Bild: ©peshkova - stock.adobe.com)

Keine Branche investiert mehr Geld in Innovationen als der Maschinenbau. Dennoch halten sich die Unternehmen mit wirklich bahnbrechenden Neuerungen und disruptiven Geschäftsmodellen zurück. Ein möglicher Grund sind die fehlenden Strukturen.

Deutsche Manager haben keinen Zweifel an der großen Bedeutung, die neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens haben. Das zeigt die aktuelle Studie „Innovationskultur in deutschen Unternehmen: Halbherzige Initiativen oder ambitioniert in die Zukunft?“ der Unternehmensberatung Axxcon.

Darin erklären 84 % der 200 befragten Geschäftsführer, IT-Leiter und Verantwortlichen für das Business Development, dass Innovationen in ihrem Unternehmen eine sehr große oder eher große Rolle spielen. Auch die Führungskräfte im Maschinenbau sind dieser Ansicht und liegen mit 87 % Zustimmung sogar im oberen Bereich.

Verantwortung für Innovation häufig nicht geklärt

Geht es um die konkrete Umsetzung dieser Erkenntnis, ist das Bild jedoch zweigeteilt: Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen verfügt über einen eigenen Bereich, in dem das Thema Innovation organisatorisch verortet ist. Von den Firmen mit einem Umsatz unter 100 Mio. Euro haben sogar 63 % keinen eigenen Bereich, bei den Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro sind es lediglich 26 %.

Betrachtet man das verarbeitende Gewerbe, können 43 % der Unternehmen keine verantwortliche Stelle nennen. 32 % der befragten Produktionsbetriebe verfügen über ein abteilungsübergreifendes Team, 21 % haben eine Abteilung und 15 % eine Stabsstelle, die für das Thema Innovation zuständig ist. Es gibt also auch hier reichlich Nachholbedarf. Wie ein Unternehmen seinen Innovationsbereich ausgestalten sollte, hängt stark von den individuellen Gegebenheiten ab. Auf jeden Fall aber sollte die Verantwortung für das Thema in Unternehmen aller Größenordnungen eindeutig geklärt sein.

Geht es um eine klare Ausrichtung der Innovationstätigkeit, zeigen sich über alle Branchen hinweg ebenfalls erhebliche Defizite. So hat weniger als ein Drittel der Unternehmen die Zielsetzung vorab klar definiert, die für den aktuell verfolgten Innovationsansatz gilt. In der Maschinenbaubranche erklären lediglich 34 % der Befragten, im Vorfeld klare Ziele zu setzen.

Unternehmen scheinen zwar dem Trendthema Innovation Rechnung zu tragen, haben dabei aber keine klare Stoßrichtung. Ohne diese ist der Erfolg jedoch fraglich. So lässt sich zwar das Ergebnis der Innovationstätigkeit naturgemäß nicht vorhersehen – auf jeden Fall aber sollte das Ziel benannt werden, das ein Unternehmen damit verfolgt.

Der Maschinenbau investiert am meisten in Innovationen

Bei der Höhe des genannten Innovationsbudgets belegen Maschinenbauer und Produktionsbetriebe im Branchenvergleich den ersten Platz. Laut der Studie investieren Unternehmen aus diesen Bereichen im Durchschnitt 9,4 % des Jahresumsatzes. In den beiden kommenden Jahren soll das Budget sogar auf 11 % des Jahresumsatzes aufgestockt werden. Zum Vergleich: Der Handel strebt 10,7 % an, die Energieversorger wollen künftig 9,8 % ihres Umsatzes ausgeben. Bei den Finanzdienstleistern liegt die in Zukunft für Innovationen eingeplante Summe lediglich bei 5,8 %.

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04.09.19 - Obwohl Künstliche Intelligenz in deutschen Haushalten längst verbreitet ist, behandeln Unternehmen das Thema noch zögerlich. Welche Herausforderungen bestehen und wie diese angegangen werden können, zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-IAO. lesen

Als Gründe für das Ausweiten der Innovationstätigkeit nennen die Unternehmen branchenübergreifend mit rund 30 % am häufigsten die Sicherung ihrer Marktposition sowie den Wettbewerbs- und Preisdruck. 13 % nennen geänderte Kundenanforderungen und 12 % Anpassungen an die Digitalisierung. Unternehmenswachstum, Expansion, Weiterentwicklung und Umsatzsteigerung hingegen stehen mit 9 % erst an fünfter Stelle. Wünschenswert wäre, dass die Firmen eine deutlich aktivere Rolle einnehmen und Innovationen nicht nur als Notwendigkeit, sondern vor allem auch als Chance betrachten.

Auch bei der Wahl der Innovationsarten deckt die Studie Nachholbedarf auf. Denn während sich die meisten Unternehmen auf Prozess- (89 %) und Produktinnovationen (73 %) konzentrieren, wird an Dateninnovationen (54 %) und Plattforminnovationen (39 %) vergleichsweise wenig gearbeitet. Auch hier macht die Maschinenbaubranche mit 48 % beziehungsweise 35 % keine Ausnahme. Das deutet darauf hin, dass oftmals das Bestehende verbessert wird, statt auf neue und disruptive Geschäftsmodelle zu setzen. Gerade diese beruhen häufig auf Daten- oder Plattforminnovationen. Auf diese Weise verspielen die Unternehmen die Chance auf wirklich bahnbrechende und gewinnbringende Entwicklungen.

* Michael Gschwendtner ist Partner, Martin Lehnert ist Senior Manager bei der Axxcon GmbH & Co. KG in 65824 Schwalbach, Tel. (0 61 96) 9 54 93 76, info@axxcon.com, www.axxcon.com

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