Krieg in der Ukraine Mit diesen Beeinträchtigungen müssen Motorenhersteller umgehen

Ein Gastbeitrag von Blake Griffin

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Viele Motoren in der Industrie haben ein Aluminiumgehäuse, die Wicklung ist aus Kupferdraht – beides Rohstoffe, deren Lieferketten durch den Krieg in der Ukraine unterbrochen werden. Hinzu kommt der Mangel an Halbleitern. Weiter steigende Preise sind die Folge.

Industriemotoren sind ohne Alumminium und Kupfer kaum vorstellbar. Entsprechend teuer kann es in diesem Jahr werden.
Industriemotoren sind ohne Alumminium und Kupfer kaum vorstellbar. Entsprechend teuer kann es in diesem Jahr werden.
(Bild: ©Jiri Dolezal - stock.adobe.com )

Der Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, hat die globalen Rohstoffmärkte erschüttert. Während der Preisanstieg wegen der teilweise unterbrochenen der Öl- und Gaslieferungen weiterhin die Schlagzeilen beherrschen, stehen andere wichtige Materialien weniger im Fokus. Doch auch sie werden von Russland und der Ukraine geliefert und auch hier stockt der Export. Diese Unterbrechung der Versorgung hat sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Kosten, die mit der Herstellung eines Motors oder Antriebs verbunden sind.

Schon im Jahr 2021 waren die Preise sehr turbulent; eine weitere Versorgungskrise aufgrund des Konflikts war deshalb das Letzte, was die Weltwirtschaft brauchte. Eine Analyse der Auswirkungen auf die wichtigsten Bereiche der Lieferkette für Motoren und Antriebe kann Zulieferern helfen, sich auf das Kommende vorzubereiten.

Lieferkette von Aluminium unterbrochen

Die Auswirkungen auf die Versorgung mit wichtigen Materialien sind zweigeteilt. Während Russland wegen der verhängten Wirtschaftssanktionen dabei beeinträchtigt wird, seine Produkte an die traditionell größten Kunden zu verkaufen, kann die Ukraine aufgrund der Zerstörung des Landes seine wichtigsten Exportgüter kaum produzieren und versenden. Was die Produktion von Motoren und Antrieben betrifft, so liegen die unmittelbarsten Auswirkungen in der Unterbrechung der Lieferketten für Aluminium und Kupfer.

Der Preis für Aluminium hat eine Rekordhöhe erreicht.
Der Preis für Aluminium hat eine Rekordhöhe erreicht.
(Bild: Interact Analysis )

Laut des Nachrichtendienstes CNBC ist Russland für etwa sechs Prozent des weltweiten Aluminiumangebots verantwortlich. Nach erheblichen Covid-19-bedingten Lieferunterbrechungen, die zu einem stetigen Preisanstieg im Laufe des Jahres 2021 führten, schien sich das Angebot und die Nachfrage in den letzten Monaten des Jahres zu normalisieren. Ende 2021 hatte die Weltbank für 2022 einen Preisanstieg von etwa fünf Prozent für Aluminium prognostiziert. Durch den ausgebrochenen Krieg geht Interact Analysis davon aus, dass diese Preisprognose eher konservativ ist. Wie dargestellt, sind die Auswirkungen bereits spürbar, denn die Aluminiumpreise kletterten im Februar dieses Jahres auf Rekordhöhen. Dieser Preis wird wahrscheinlich noch weiter steigen wird, da die Transportkosten aufgrund der Unterbrechung der Ölversorgung weiter wachsen.

Kupferdraht für Asynchronmotoren könnte teuer werden

Auch der Kupferpreis liegt auf einem historisch hohem Level.
Auch der Kupferpreis liegt auf einem historisch hohem Level.
(Bild: Interact Analysis )

Bei Kupfer ist die Situation nicht viel anders. Russland ist auf dem auf dem Rohkupfermarkt nicht so bedeutend wie im Aluminiumhandel, doch produziert das Land fast 0,5 Prozent des weltweiten Bedarfs. Der Preis hat zwar noch keine Rekordhöhen erreicht, wird dies aber wahrscheinlich nächsten Monat tun, da er ohnehin schon auf einen hohen Level ist.

Von wahrscheinlich größerer Bedeutung ist die Rolle Russlands auf dem Kupferdrahtmarkt: Fast sieben Prozent des weltweiten Angebots an Kupferdraht, der auch in Asynchronmotoren verwendet wird, stammt aus Russland. Dies wird unmittelbare und erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Kupferdraht für Asynchronmotoren haben.

Betrachtet man die Stückliste eines Asynchronmotors (einschließlich der Arbeitskosten), so machen Kupfer und Aluminium etwa 16 Prozent der Kosten aus. Die kriegsbedingten Versorgungsunterbrechungen bei diesen beiden Rohstoffen werden sich im Jahr 2022 durch höhere höheren Materialrechnung bemerkbar machen. Auf dem Automobilmarkt kam es bereits im Jahr 2021 zu erheblichen Preiserhöhungen, die auf die steigenden Rohstoffkosten zurückzuführen sind. Es ist davon auszugehen, dass sich der Preisanstieg auch 2022 fortsetzen wird.

Kein Neon, keine Halbleiter, keine Antriebe

Wenn man an Rohstoffe denkt, die sich auf den Markt der Antriebstechnik auswirken, ist Neon nicht der erste, an den man denkt. Dennoch wird das Edelgas im Jahr 2022 wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Produktion von Antrieben spielen – wenn auch indirekt.

Die Knappheit von Halbleitern ist ein großes Problem für die Anbieter von Antrieben. Während des gesamten Jahres 2021 führte der Mangel daran schon zu Verzögerungen im Produktionsprozess und damit zu längeren Vorlaufzeiten auf dem gesamten Markt. Neongas wird zwar nicht direkt bei der Herstellung von Motoren und Antrieben, aber in großem Umfang bei der Produktion von Halbleiterchips verwendet.

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Einem Artikel der Agentur Reuters zufolge sind zwei Unternehmen aus der Ukraine für etwa die Hälfte des weltweiten Neonangebots verantwortlich. Beide Unternehmen, Ingas und Cryoin, haben im Zuge der russischen Invasion ihren Betrieb eingestellt. Dadurch werden die Halbleiterhersteller, die bereits mit einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage konfrontiert sind, nun wahrscheinlich mit zusätzlichen Produktionsproblemen aufgrund des Neonmangels konfrontiert werden.

Nach Angaben der Halbleiterlieferanten sollte der Halbleitermangels etwa zwischen dem vierte Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2023 behoben sein – das war vor dem Krieg. Viele dieser Zulieferer haben glücklicherweise inzwischen berichtet, dass sie ihre Neonvorräte vor dem Krieg aufgestockt haben. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, könnten diese Vorräte zur Neige gehen.Dann könnte die Halbleiterversorgung erneut ins Wanken geraten, und die Antriebslieferanten würden mit ähnlichen Beschaffungsproblemen konfrontiert wie Anfang 2021.

Abschließende Überlegungen: Krieg hat weitreichende Auswirkungen

Aluminium, Kupfer und Neon sind nur drei Bereiche, in denen sich dieser Krieg auf die Produktion von Motoren und Antrieben auswirken wird. Es gibt zweifellos noch weitere Auswirkungen, die hier nicht erwähnt sind, wie beispielsweise die gestiegenen Frachtkosten aufgrund höherer Dieselpreise, die Unterbrechung der Stahlversorgung und die Auswirkungen auf Endmärkte wie den Bergbau sowie die Öl- und Gasindustrie, die in Russland und der Ukraine extrem große Sektoren darstellen. Die Auswirkungen dieses Krieges sind weitreichend, und wir haben gerade erst damit begonnen, die Folgen von Putins Handeln zu tragen.

* Blake Griffin ist Analyst für Automatisierung, industrielle Digitalisierung und Off-Highway-Elektrifizierung bei Interact Analysis in Raunds (Großbritannien), Blake.Griffin@InteractAnalysis.com

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