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Unternehmensfinanzierung

Mittelstand benötigt verlässliche Finanzpartner

| Autor/ Redakteur: Ulrike Gloger /

Die Konjunktur boomt, viele mittelständische Unternehmen haben volle Auftragsbücher. Kredite, die jetzt teurer werden, brauchen sie vielleicht im Moment gar nicht. Dennoch muss künftiges Wachstum finanziert werden. Es gibt eine Reihe von Alternativen zum klassischen Bankkredit. Manche bekommen durch die Bankenkrise dieses Jahres neue Aufmerksamkeit.

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Hans-Michael Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG, Bad Homburg v.d.H.: „Was unverändert für Leasing spricht, ist die ausgesprochen hohe Flexibi-lität dieser Finanzierungsalternative.“ Bild: Deutsche Leasing
Hans-Michael Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG, Bad Homburg v.d.H.: „Was unverändert für Leasing spricht, ist die ausgesprochen hohe Flexibi-lität dieser Finanzierungsalternative.“ Bild: Deutsche Leasing
( Archiv: Vogel Business Media )

Finanzexperten wie Politiker sind sich einig: Die durch die US-amerikanische Immobilienwirtschaft ausgelöste Bankenkrise wird noch eine geraume Zeit Auswirkungen auf den Kapitalmarkt in Europa haben. Für den deutschen Mittelstand, der auf verlässliche Kreditgeber angewiesen ist, bietet sich ein zwiespältiges Bild. Während die krisengeschüttelte Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB mit harten personellen und organisatorischen Einschnitten einen Neuanfang versucht, ziehen die staatliche KfW-Bank in Frankfurt am Main und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos für den Mittelstand eine positive Finanzierungsbilanz.

Die jüngst von der KfW zusammen mit 26 Wirtschaftsverbänden herausgegebene Studie „Unternehmensfinanzierung im Aufwind“ konstatiert, dass sich der Kreditzugang für mittelständische Unternehmen in Deutschland weiter verbessert hat. Besonders erfreulich ist laut Minister Glos, dass erstmals auch kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 1 Mio. Euro an dieser positiven Entwicklung teilnähmen. Dennoch dürfen laut KfW-Vorstandssprecherin Ingrid-Matthäus Maier die positiven Umfrageergebnisse nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die Gruppe der kleineren Unternehmen die größten Probleme hat: „Kleine Unternehmen klagen weiterhin überdurchschnittlich häufig über Verschlechterungen beim Kreditzugang“, so Matthäus-Maier.

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Dennoch hat sich nach den zum zweitenmal in diesem Jahr herausgegebenen Umfrageergebnissen des Ifo-Konjunkturtests das Kreditklima weiter verbessert. Insgesamt melden die Unternehmen verbesserte Chancen, Kredite zu erhalten. Bei der Betrachtung nach Größenklassen im verarbeitenden Gewerbe lässt sich sogar ein moderater Rückgang des Kreditklimas bei den Großunternehmen beobachten, während kleinere und mittlere Unternehmen eine bessere Situation als zuvor attestieren, so die Ifo-Analyse.

Finanzierungssituation für den Mittelstand hat sich stark gewandelt

Die mittelständische Wirtschaft in Deutschland zeichnet sich durch eine Vielfalt aus, die vom regionalen Einzelunternehmner bis zur global agierenden Gesellschaft reicht. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung klassifiziert den Mittelstand in zwei Größen – jeweils nach der Anzahl der Beschäftigten und dem Umsatz:

  • kleine Unternehmen: bis zu 9 Beschäftigte und bis zu 1 Mio. Euro Jahresumsatz,
  • mittlere Unternehmen: ab 10 bis zu 500 Beschäftigte und zwischen 1 und 50 Mio. Euro Jahresumsatz.

Die Finanzierungssituation für all diese Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren, auch aufgrund der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft, stark gewandelt. Neue Eigenkapitalvorschriften für Banken und die damit verbundene Risikoabhängigkeit bei der Vergabe von Krediten führte zu einer individuell höheren Ausrichtung auf die Bonität des Kreditnehmers. Angesichts der Bankenkrise dieses Sommers schmähen Kritiker Basel II gar schon als gescheitert. „Während die Banken unter dem Schlagwort Basel II kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditvergabe weitgehend verwehren, beteiligt man sich an milliardenschweren faulen Krediten aus dem Ausland“, gibt Werner Küsters, Präsident des Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft BDWi die Stimmungslage vieler Unternehmer wieder.

Mit der von den Banken vehement befürworteten Einführung von Basel II habe man das persönliche Vertrauensverhätnis des Bankmitarbeiters zu seinen Kunden durch ein entpersonalisiertes Ratingverfahren ersetzt. Mit mathematischen Standardverfahren habe man Kredite sicherer machen wollen. Rating sei das unsägliche Zauberwort, mit dem man seither den Mittelstand drangsaliere und nicht selten geschäftlich ausboote, wettert Küsters.

Finanzierungsquellen des Mittelstands

Die wichtigsten Finanzierungsquellen des Mittelstandes sind die Eigenfinanzierung durch Rückstellungen und die Gewinnthesaurierung (Grafik S. 107) und die Fremdfinanzierung mit Leasing oder Bankkredit. Wie der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen mitteilt, ist Leasing in diesem Jahr mit einem Volumen von über 57 Mrd. Euro noch vor dem Bankkredit die größte Quelle für Fremdfinanzierungen des Mittelstandes. Die Vorteile von Leasing liegen in der Reduzierung des Kapitalbedarfs bei gleichzeitiger Kapazitätserweiterung, der bilanzentlastenden Wirkung (die Fremdkapitalquote wird gesenkt und das Eigenkapital nicht belastet), der steuerlichen Abzugsfähigkeit des Leasingsatzes als Betriebskosten und der hohen Flexibilität.

Sollten in der nächsten Zeit erwartungsgemäß die Zinsen steigen, so wird sich nach Einschätzung der Deutschen Leasing AG, Bad Homburg v.d.H., für das Finanzierungsinstrument Leasing weder eine Besser- noch Schlechterstellung gegenüber dem Bankkredit ergeben, „weil Leasinggesellschaften nicht losgelöst vom Kapitalmarkt agieren“, so Hans-Michael Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing. Heitmüller: „Was unverändert für Leasing spricht, ist die ausgesprochen hohe Flexibilität dieser Finanzierungsalternative.“ Auch könne bei einer möglichen Zurückhaltung der Banken und der stärkeren Sensibilisierung für das Kreditausfallrisiko bei der Kreditvergabe Leasing seinen Vorteil der Objektbezogenheit gegenüber dem klassischen Investitionskredit ausspielen, so Heitmüller.

Unternehmensteuerreform schwächt Leasing

Wo die Branche allerdings fürchtet, gegenüber dem Bankkredit „unter die Räder zu kommen“, ist die in der Unternehmensteuerreform beschlossene Doppelbelastung bei der Gewerbesteuer: zusätzlich zum Leasinggeber soll künftig der Leasingnehmner eine Steuerlast übernehmen. Das nach einer Prüfung Ende September entwickelte Konzept des Bundesfinanzministeriums will zudem Leasing-Gesellschaften wie Banken künftig unter die volle Aufsicht nach dem Kreditwesengesetz (KWG) stellen, obwohl sich das Geschäft der Leasing-Gesellschaften von dem der Banken deutlich unterscheidet: Die Risikosituation sei komplett anders als bei Kreditinstituten, so Heitmüller. Im Gegensatz zu Banken haben Leasing-Gesellschaften keine Kundeneinlagen, die sie verwalten und die dementsprechend einer höheren Schutzwürdigkeit unterliegen müssen.

Leasing ist ein asset-basiertes Geschäft, das heißt im Regelfall bleibt der Leasing-Gegenstand im Eigentum der Leasing-Gesellschaft. Daher ergibt sich kein Erfordernis, dieses Eigentum zusätzlich mit Eigenkapital zu unterlegen. Traditionell verfügen Leasing-Gesellschaften deshalb über weniger Eigenkapital als Banken. Sollten jetzt höhere Mindestunterlegungen gefordert werden, fürchtet die Leasing-Branche, für ihr reales Eigentum zusätzlich Eigenkapital aufnehmen und dementsprechend auch eine angemessene Vergütung an ihre Eigenkapitalgeber zahlen zu müssen, die erst einmal verdient sein wolle. In der Folge würde dies unweigerlich dazu führen, dass die Mittelstandsfinanzierung knapper und teurer werden müsste, meint die Branche.

Leasing-Gesellschaften haben geringere Risiken

Die Leasing-Gesellschaften haben in den vergangenen Jahren ihr Wissen über potenzielle Leasing-Gegenstände wie Maschinen oder Fahrzeuge kontinuierlich erweitert. So kennen sie die Lebenszyklen der Leasing-Gegenstände und können deren Wertverläufe realistisch einschätzen. Allein die Deutsche-Leasing-Gruppe verwaltet Leasing-Güter im Wert von nahezu 30 Mrd. Euro – die so genannten „Assets under Management“.

Wegen dieser Asset-Orientierung weisen Leasing-Gesellschaften eine deutlich bessere Risikosituation auf: Vergleichszahlen zwischen Leasing-Gesellschaften und Banken belegen, dass das Verhältnis zwischen allen Verwertungs- und sonstigen Erlösen abzüglich der Verwertungskosten und den abgezinsten Restforderungen – die so genannte Recovery Rate – bei einer Leasing-Gesellschaft deutlich besser ausfällt als bei einer Bank.

Dies bedeutet, dass eine Leasing-Gesellschaft beim Ausfall eines Kunden in Summe höhere Erträge aus der Verwertung der Leasing-Gegenstände erzielen kann als eine Bank. Bei der Deutschen Leasing hat dieser Aspekt beispielsweise dazu geführt, dass unabhängig von Konjunkturzyklen seit vielen Jahren deutlich mehr als 80% aller ausfallgefährdeten Forderungen hereingeholt werden konnten.

Bezogen auf die unternehmerischen Risiken ist in weiten Teilen des Mittelstandes die Eigenkapitalausstattung unzureichend. Das trifft vor allem auf die kleineren Unternehmen zu, die meist als Personengesellschaften firmieren. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank liegt die Eigenkapitalquote bei den kleinen und mittleren Unternehmen – bezogen auf die Bilanzsumme – seit Jahren im Schnitt bei nur 7,5%. Im internationalen Vergleich weisen ausländische Klein- und Mittelbetriebe eine signifikant höhere Eigenmittelquote auf und verfügen über Kapitalstrukturen, die ihnen im globalen Wettbewerb einen besseren finanziellen Rückhalt bieten.

Subprime-Krise bringt Mezzanine in die Kritik

Zu den Finanzierungsinstrumenten, die sowohl den Charakter von Eigen- wie auch Fremdkapital – je nach vertraglicher Ausgestaltung – haben können, zählt das Finanzierungsinstrument Mezzanine-Kapital. Formen mit Eigenkapital-Charakter sind stille Beteiligungen, Formen mit Fremdkapitalcharakter sind so genannte Nachrangdarlehen. Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital sind etwa Genussscheine, die Gläubigerrechte verbriefen. Es lässt sich flexibel an die Bedürfnisse des Mittelstandes anpassen und erfolgt meist im Rahmen von Wachstumsfinanzierungen oder Nachfolgeregelungen.

„Der Vorteil von Mezzanine-Kapital liegt für Mittelständler vor allem in der Stärkung der wirtschaftlichen Eigenkapitalbasis, ohne den Kapitalgebern Mitspracherecht einzuräumen“, sagt Michael Auracher, Managing Director der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf. HSBC vergibt Mezzanine im Rahmen von HEAT (Hybrid Equity Access Trust: Kapitalmarktprogramm zur Strukturierung von Mezzanine-Kapital für mittelständische Unternehmen) an etablierte deutsche mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 15 Mio. Euro und einem haftenden Kapital von mindestens 2 Mio. Euro. „Jedes Unternehmen durchläuft einen mehrstufigen Auswahlprozess, der neben quantitativen auch qualitative Merkmale wie Management, Marktstellung und Strategie berücksichtigt“, so Auracher.

Im Rahmen der Subprime-Krise dieses Jahres geriet auch Mezzanine-Kapital in die Kritik. Als Subprime wird jener Teil des Marktes für Hypothekendarlehen bezeichnet, der überwiegend aus Kreditnehmern mit geringer Bonität besteht. Im Zuge der Krise hieß es, Mezzanine-Programme mit einem Volumen unter 500 Mio. Euro seien nicht platzierbar, und es habe sogar Ausfälle gegeben. Dass es Ausfälle in Mezzanine-Programmen gab, bestreitet Auracher, räumt aber ein, dass die Platzierung eines Mezzanine-Programms am Kapitalmarkt in diesem Marktumfeld schwierig gewesen wäre.

„Generell sollte ein zu verbriefendes Mezzanine-Portfolio für eine erfolgreiche Platzierung am Kapaitalmarkt ein Mindestvolumen von 300 Mio. Euro haben.“ Diese Größe allein sei aber wenig aussagefähig: „Die Investoren achten in erster Linie auf die Granularität eines Mezzanine-Portfolios, also die Anzahl der enthaltenen Unternehmen. Die Untergrenze dafür liegt bei 50 bis 60 Unternehmen“, so Auracher.

Wachstum braucht Eigenkapital

Einen zunehmenden Stellenwert in der Finanzierung des Mittelstandes hat die institutionelle Beteiligungsfinanzierung über privates Beteiligungskapital, kurz Private Equity. Angesichts der mangelhaften Eigenkapitalquote deutscher Mittelständler kann durch diese Beteiligungsfinanzierung die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen verbessert werden, zugleich wird der Finanzrahmen etwa für Investitionen erweitert. Doch die Investoren verlangen Mitspracherecht hinsichtlich strategischer und unternehmerischer Entscheidungen – eine Situation, mit der insbesondere Mittelständler häufig große Probleme haben. Private-Equity-Finanzierungen stehen primär etablierten Unternehmen zur Verfügung, denn die Anforderungen der Beteiligungsgesellschaften hinsichtlich ihres Wachstumspozenzials und der Verzinsung sind hoch.

Private Equity und Hedgefonds sind zwei Welten

Deutsche Private-Equity-Unternehmen, die zusammen mit den angelsächsischen und US-amerikanischen Investoren und Hedgefonds in den Generalverdacht als „Heuschrecken“ geraten sind, wehren sich vehement gegen dieses Vorurteil. „Man muss Private Equity unbedingt von Hedgefonds unterscheiden“, fordert Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstandsvorsitzender der Hannover Finanz AG. Er räumt jedoch ein, dass manche Kritik auch berechtigt sei – etwa die zu hohen Preise oder die relativ hohe Verzinsung (20 bis 30% des eingebrachten Kapitals). Hertz-Eichenrode: „Beides belastet die Unternehmen.“

Jürgen Brink von der Intes-Unternehmensgruppe, die sich auf die Zukunftssicherung für Familienunternehmen spezialisiert hat, schätzt, dass es in Deutschland etwa zehn renommierte Private-Equity-Häuser gibt, die sich für die Beteiligung an mittelständischen Familienunternehmen eignen. Eines davon sei die Hannover Finanz, die dem Mittelstand seit 1979 Beteiligungskapital zur Verfügung stellt. Im Gegensatz zu vielen anderen Private-Equity-Häusern bieten die Hannoveraner auch die Möglichkeit einer Minderheitsbeteiligung.

Eine jüngst zusammen mit Intes und der Münchner MSG-Unternehmensberatung durchgeführte Studie gibt diesem Vorgehen recht: Die Studie ergab unter anderem, dass gerade Familienunternehmen eher an Minderheitsbeteiligungen interessiert seien – sie wollen das Heft nicht ganz aus der Hand geben. Hertz-Eichenrode: „Für den überwiegenden Teil der Familienunternehmen ist nur eine Beteiligung bis maximal 50% vorstellbar.“ Weil die Fonds der Finanzierungsgruppe als so genannte „Evergreens“ über eine unbegrenzte Laufzeit verfügen, besteht kein Zwang zum kurz- oder mittelsfristigen Wiederverkauf der Beteiligungen. Das Kapital kommt von großen institutionellen Investoren aus dem Banken- und Versicherungssektor.

Private Equity wächst im Mittelstand

Albrecht Hertz-Eichenrode sieht zur Zeit im Mittelstand einen wachsenden Markt für Private-Equity-Finanzierungen: „Wir sind voll mit Anfragen“, sagt er. Sich Eigenkapital über Aktienausgabe zu beschaffen, sei teuer und zeitaufwändig: „Die meisten Mittelständler, die in den 90er Jahren an die Börse gegangen sind, ärgern sich heute.“ Eine weitere Chance für privates Beteiligungskapital sieht der Hannover-Finanz-Chef im derzeitigen Wirtschaftsboom, insbesondere auch im Maschinenbau: „Die Unternehmen benötigen jetzt Geld, um Wachstum zu finanzieren.“ Sich mit Bankkrediten vollzupumpen, berge im Abschwung die Gefahr, unter Umständen sogar das Unternehmen zu verlieren.

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