Interview Nach vier Tagen war den Fälschern das Handwerk gelegt

Redakteur: Gary Huck

Jedes Unternehmen, das etwas produziert, kann Opfer von Produktpiraten werden. Manche Betriebe sind betroffen und wissen es nicht. Seien Sie nicht untätig, wehren Sie sich.

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Jörn Weber erzählt uns im Interview, wie man gegen Produktfälscher vorgehen kann.
Jörn Weber erzählt uns im Interview, wie man gegen Produktfälscher vorgehen kann.
(Bild: Jörn Weber - Corma)

Wer gegen Fälscher vorgehen will, muss das nicht alleine tun. Experten bieten Markenschutz als Dienstleistung an. Einer dieser Experten is Jörn Weber. Der Ex-Polizist hat sich mit Corma selbstständig gemacht und unterstützt nun Unternehmen beim Kampf gegen Produktpiraten.

F: Herr Weber, einige Unternehmen schrecken vor Ermittlungen gegen Produktfälscher zurück, weil sie glauben, sie würden zu lange dauern. Wie ist ihre Erfahrung damit?

A: Wir arbeiten gerade an einem Fall, da ging das alles ganz schnell. Der Kunde setzte sich am Freitag mit uns zusammen und gab uns einige Daten zum Fall. Am Wochenende haben wir weiter recherchiert und das Lager der Fälscher ausfindig gemacht. Am Montag um 8:00 Uhr standen wir auf der Polizeidienststelle und haben die Anzeige aufgegeben. Am Dienstag lief die Durchsuchung des Lagers an. Insgesamt wurden Waren im Wert von 3 Mio. Euro sichergestellt.

F: Ein voller Erfolg also. Ist das der Normalfall oder dauert es in der Regel länger?

A: Bei diesem Fall lief es ideal. In Deutschland sind die Ermittlungen oft relativ schnell erfolgreich. Im Ausland kann es länger dauern. Das heißt nicht, dass man dort keinen Erfolg haben wird. Meiner Erfahrung nach gibt es da ein Nord-Süd-Gefälle. In Skandinavien oder auch im UK stellen sich Erfolge oft auch schnell ein. In südlichen Ländern kann es schon sein, dass man etwas Geduld mitbringen muss. Das hat auch etwas mit der wirtschaftlichen Situation des Landes und der Ausstattung der Polizei zu tun.

F: Kann man die Prozesse dort irgendwie beschleunigen?

A: Es ist das A und O zu wissen, was man will und professionell sowie gut vorbereitet aufzutreten. Wenn da ein Konzern mit riesigen Jahresumsätzen und tausenden Mitarbeitern kommt und die Anzeige diktieren möchte, kommt das sicher nicht gut an. Man muss den Behörden zeigen, dass man sich mit dem Fall intensiv beschäftigt hat und möglichst viele Informationen gut vorbereitet hat. Wenn die Ermittler einen professionellen Bericht sehen und eine gute Beweislage erklärt wird, werden sich auch tätig. Wenn ich den Behörden vermitteln kann, dass die Situation zeitkritisch ist und die Fälscher jederzeit verschwinden können, kann es sein, dass der Staatsanwalt auch direkt angerufen wird, ohne dass man über den längeren Postweg geht.

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F: Als Unternehmen weiß ich aber nicht unbedingt, wie ich eine Anzeige richtig auf- und vorbereite. Was kann man da tun?

A: Da helfen wir. Ich weiß zum Beispiel aus Erfahrung, wie man eine Anzeige formulieren muss, damit auch etwas passiert. Wenn ich einen Durchsuchungsbeschluss anrege, bekomme ich den meistens auch. Wenn man vor Ort Kontakte hat, die sich auskennen, ist es auch sehr hilfreich. Ich habe beispielsweise einen Kontakt in Italien, der sich für mich dort um so etwas kümmert.

F: Wir haben bis jetzt nur über ein strafrechtliches Vorgehen gesprochen, kann man zivilrechtlich auch etwas erreichen?

A: Definitiv. Bei dem Fall, von dem ich ihnen am Anfang erzählt habe, ist der Kunde auch zivilrechtlich vorgegangen. Der ist dann mit einem Gerichtsvollzieher zum Fälscher. Waren wurden beschlagnahmt und der Fälscher musste seine Unternehmenskommunikation offenlegen. Anwälte konnten aus dieser Kommunikation dann Informationen ziehen, um Verfahren zu starten. Das war schon ein signifikanter Erfolg.

F: Wie sieht es denn mit den Kosten für die Ermittlungen aus, gibt es da einen Preisrahmen?

A: Das ist sehr individuell. Bei uns fängt das bei 1000 bis 2000 Euro an. Je nachdem wie aufwendig die Ermittlungen werden, verändern sich auch die Kosten. Wenn ich mehrere Ermittler, möglicherweise aus verschiedenen Ländern einsetze oder für den Fall eine eigene Firma gründe, kann es auch deutlich mehr kosten.

F: Was meinen Sie mit „eine eigene Firma für den Fall gründen“?

A: Überlegen Sie mal: Wenn man gegen Fälscher vorgehen will, braucht man möglichst viel Informationen über sie. Die bekommt man gut über direkte Kommunikation. Wenn ich die Fälscher jetzt aber mit einer generischen „xy@gmail.com“ Adresse anschreibe, wird vermutlich wenig passieren. Wenn ich den Kontakt über eine Firma aufbaue, wirkt das authentischer.

F: Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht?

A: Ja, habe ich. Ich habe eine Firma „gegründet“. Eigentlich war das nur eine Webseite, die die Illusion einer Firma erzeugen sollte. Die Firma selbst gab es nie wirklich. Aber es war überzeugend genug, dass ein Fälscher darauf angesprungen ist.

Solche Legenden aufzubauen kann aufwendig werden, aber oft lohnt es sich. Wenn ich darüber erfahre, wo der Fälscher seine Waren lagert, kann ich diese Orte observieren und weitere Informationen sammeln.

Die Gründung von tatsächlichen, registrierten „Scheinfirmen“ ist natürlich noch aufwändiger. Hier entstehen ähnliche Kosten wie bei einem echten Unternehmen. Auch gilt es den Finanzbehörden über einen guten Steuerberater das „merkwürdige Verhalten“ dieser Firma zu erklären. Also beispielsweise nur Einkäufe, kaum Verkäufe. Aber es ist möglich und kann für bestimmte Sachverhalte Sinn machen.

F: Das klingt wirklich aufwendig. Wo liegt man kostenmäßig denn bei so einem Service?

A: Da liegt man schon im fünfstelligen Bereich. Das muss sich auch lohnen. Aber wenn solche Ermittlungen dazu führen, dass Waren im Millionenwert sichergestellt werden, ist das gut angelegtes Geld. Dann sollte auch noch Budget übrig sein, um weiter Prozesse zu führen.

Vielen Dank für das Interview Herr Weber.

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