Suchen

Drehen mit Lünette Nachrüstbare Revolverlünette gehorcht dem Kühlmitteldruck

| Autor/ Redakteur: Corinna Engelhardt / Peter Königsreuther

Wer relativ lange Werkstücke zerspanen will, braucht eine Lünette zu deren Abstützung. Wer Letztere nachrüsten muss, um weitermachen zu können, kann jetzt übrigens auf die sonst zusätzlich für den Betrieb benötigte Ölhydraulik verzichten.

Firmen zum Thema

Röhm und Wesa haben gemeinsam eine spezielle Revolverlünette für den Einsatz in Drehmaschinen entwickelt, die von Haus aus keine Standardlünette haben.
Röhm und Wesa haben gemeinsam eine spezielle Revolverlünette für den Einsatz in Drehmaschinen entwickelt, die von Haus aus keine Standardlünette haben.
(Bild: Röhm)

Auch wenn im vorhandenen Werkzeugrevolver eines Drehzentrums keine Lünette vorgesehen ist – eine nachträglich eingebaute Ölhydraulik erübrigt sich, um dennoch eine Revolverlünette steuern zu können. Das ist die Frucht einer gemeinsamen Entwicklung des Spannmittelherstellers Röhm und des Zulieferers Wesa GmbH aus dem schwäbischen Waldstetten.

Aus dem Maschinenportfolio von Wesa wird die CNC-Drehmaschine DMG Sprint 50, mit welcher der Zulieferer Rohmaterial flexibel, simultan und mannlos zerspanen kann. Vorrangig geht es dabei um lange, dünne Komponenten. Werkstücke, die man üblicherweise per Lünette abstützt, um sie auch hochgenau bearbeiten zu können. Allerdings war für die Sprint 50 bis dato keine Lünette vorgesehen, merkt Johannes Weber, der Wesa-Fertigungsleiter, an.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 5 Bildern

Aber jetzt hat man mithilfe von Röhm eine voll funktionierende Werkstückabstützung – trotz der konstruktiven Vorgaben in der Maschine, die einen kleinen Werkzeugrevolver, einen begrenzten Arbeitsraum und keinen Hydraulikanschluss forderten. Außerdem sollten 18 bis 36 mm als Spannbereich eingehalten werden.

Üblich sind bei einem Standard-Werkzeugrevolver zwei Ölhydraulikanschlüsse. Aber weil Weber kein weiteres Medium in der Maschine installieren wollte, reifte die Idee, das Kühlmittel und die dafür vorhandene Leitung als Auslöser für die Steuerungsbefehle zu nutzen. Erste Marktrecherchen und Umsetzungen führten jedoch zu keinem akzeptablen Ergebnis. Der Kontakt zum Spannmittelhersteller Röhm, mit dem eine langjährige Zusammenarbeit besteht, löste den Knoten.

Kühlmitteldruck steuert Lünette

Zwar haben die Spannmittelprofis aus Sontheim eine breite Palette an Lünetten im Standardprogramm, aber bei Wesa galt es, eine besondere Antwort auf die Fragen zu finden. „Gefordert war eine kleine sowie leichte und funktionelle Lünette“, erinnert sich Sales Engineer Richard Sedlak von Röhm.

Denn das Nachrüsten der Drehmaschine mit einer Lünette war der Besonderheit eines neuen Werkstücks geschuldet. Dabei forderte nicht nur das Verhältnis von Durchmesser zu Länge des Werkstücks – ein Teil der Hinterradlenkung beim Sportwagen eines Premiumherstellers im Schwäbischen – die Fertigung heraus, sondern erschwerend kommen verschiedene Rundläufe hinzu. „Ein solches Teil können Sie nicht so einfach in jeder Werkstatt fertigen“, verdeutlicht Johannes Weber die Situation.

Bypass-Konzept beseitigt „Kühlmittelinfarkt“

Das Besondere an dem Projekt ist, dass per Kühlmitteldruck die Lünette geöffnet wird und die Kraft einer Feder sie wieder schließt. Sedlak erläutert: „An der Maschine gab es keine hydraulische Anbindung. Und der Revolver gab außerdem die Einbauschnittstellen vor: ein genormter VDI-Schaft für die Aufnahme der Lünette und eine Anschlussbohrung für das Kühlmittel.“ Die Lösung an der Maschine sieht nun folgendermaßen aus: Die CNC der Anlage fährt die geöffnete Lünette auf Position, es folgt das Signal „Kühlmittel an“. Die Spannarme der Lünette schließen sich und das Werkstück ist jetzt sicher abgestützt – also bereit für den kommenden Bearbeitungsschritt. Die Rückstellfeder-Kraft sorgt danach dafür, dass die Spannarme der Lünette wieder geöffnet werden.

Was so einfach klingt, stellt sich in der Praxis aber oft anders dar. So haben vorhandene Kühlmittelleitungen in der Regel ein Rückschlagventil, das den Rückfluss des Kühlmittels verhindert, was auch für die Sprint 50 gilt. Das führt zu dem Problem, dass der Druck weiter an der Rückleitung für das Kühlmittel ansteht und die Feder ständig gegen den Kühlmitteldruck ankommen muss. Das wiederum behindert das Abfließen des Kühlmittels, weswegen Störungen im Prozessablauf vorkamen. Eine pragmatische Lösung musste her, die sich am besten als eine Art Bypass beschreiben lässt. Der CNC-­Dienstleister Wesa und der Spannmittelhersteller Röhm entwickelten deshalb gemeinsam ein entsprechendes Entlastungsventil, das nun dazu führt, dass das Kühlmittel ungehindert abfließen kann.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45946436)