Eine solche Umwälzung hat kein Rohrhersteller, kein Maschinenbauer und auch kein Rohrbearbeiter je erlebt: Rohrhersteller übernehmen Aufgaben von Rohrbearbeitern und umgekehrt, die Endkunden wollen neben den Rohren auch alle verfügbaren Informationen dazu und schließlich sind Prozessintegration und Flexibilität gefragt wie nie. Alles in allem bedeutet das für die Rohrbranche Veränderungen, die weit über Industrie 4.0 hinausgehen.
Kleine Losgrößen, effiziente Fertigung und viel mehr Daten als bisher: Die Rohrbearbeiter müssen sich auf ganz neue Zeiten einstellen.
(Bild: BLM)
„Die Kunden wollen von uns, dass wir nicht nur Rohre liefern, sondern auch Informationen. Dazu müssen wir wissen, was das einzelne Rohr erfahren hat“, beschrieb Bengt-Henning Maas, Technischer Geschäftsführer der Poppe+Potthoff Präzisionsrohre GmbH, anlässlich der Tube Innovation Days bei Trumpf die Herausforderung. Aus diesem Grund hat das Unternehmen zusammen mit dem Fraunhofer-IEM in Paderborn ein Projekt gestartet. „Wie wird eine Ziehbank Industrie-4.0-fähig?“, bringt Maas dessen Ziel auf den Punkt. Im Ergebnis hat es der Rohranbieter geschafft, die bisherigen Anlagendaten miteinander und mit dem ERP-System zu verknüpfen. Für Poppe+Potthoff ist das erst der Anfang. Intern will das Unternehmen mit den Daten seine Prozesse verbessern, extern sollen die Kunden zu ihren Rohren auch Informationen zur Weiterverarbeitung erhalten.
Mit der Digitalisierung steigt die Relevanz der Vernetzung, erläutert Gerd Nöker, Geschäftsführer und Mitgründer der Transfluid Maschinenbau GmbH, auf Anfrage von MM MaschinenMarkt: „Wenn Rohre beispielsweise am Objekt vermessen werden, muss ein einfacher Onlineversand der Daten zur Maschine möglich sein.“ Ein zentraler Aspekt seien auch sichere Prozesse, selbst bei kleinen Stückzahlen. Dafür brauche es passende Software und Systeme, die das Rohrbiegen mit einer konstanten Fertigungsüberwachung gewährleisten. „Das zahlt sich bei Zeit- und Kostenfaktoren spürbar aus“, sagt Nöker.
Vernetzte Fertigung wird für die Rohrbearbeitung immer wichtiger
„Auf dem Rohrbearbeitungssektor lässt sich ein deutlicher Trend zur vernetzten Fertigung erkennen“, sagt Dr. Christian Gerlach, Geschäftsbereichsleiter Pipe Bending Systems bei Tracto-Technik. Im Zuge dessen werde die Fertigungstiefe abnehmen und Just-in-Time-Prinzipien würden mehr angewendet. Neben der Maschinen- und Messtechnik gewinne speziell in Europa Software zur Vernetzung von Arbeitsabläufen und Effizienzsteigerung an Bedeutung. Diesem Trend begegnet Tracto-Technik mit der Software Pipefab, die laut Gerlach modular aufgebaut ist.
„Industrie 4.0 ist auch in der Rohrbearbeitung ein großes Thema“, bestätigt Dr. Rainer Vanck, Geschäftsführer der BLM Group Deutschland. So würden bislang separate Bearbeitungsprozesse, darunter Schneiden, Biegen und Endenbearbeitung, zu einem Schritt zusammengefasst. Gleichermaßen unterstütze der Import von CAD-Zeichnungen, der inzwischen auch bei komplexen Rahmen sowie Montagegruppen möglich ist, die Integration. „Hier wird die Programmierung der Maschinen signifikant beschleunigt und vereinfacht, was gerade in der Herstellung kleiner Stückzahlen sehr unterschiedlicher Werkstücke ein entscheidender Faktor der Rentabilität ist“, sagt er.
Aus diesem Grund zeig die BLM Group ihr erweitertes All-in-one-Konzept auf der Tube 2016. Bisher integrierte es Biegen und Laserschneiden zu einem Arbeitsgang, jetzt schließt es auch das Endenumformen mit ein. „Das eröffnet auch Möglichkeiten der Herstellung von Teilen, die bislang nicht mit konventionellen Techniken produziert werden konnten“, erläutert Vanck.
Denn BLM sieht einen Trend zu mehr Flexibilität in der Herstellung und Verarbeitung von Rohren. „In der Praxis werden zunehmend Sonderprofile verarbeitet, die früher als Bleche bearbeitet und dann gebogen wurden. Darüber hinaus verarbeiten unsere Kunden mehr und mehr gebogene Rohre sowie hydrogeformte Rohre, Bleche und Stanzformteile“, sagt der BLM-Deutschland-Geschäftsführer. Im Gleichschritt steige die Nachfrage nach Laserschneidemaschinen mit Faserlasern, die auch reflektierende Legierungen schneiden.
Lasergeschnittene Rohre bieten noch viele Konstruktionsmöglichkeiten
„Das Marktpotenzial für lasergeschnittene Rohre ist noch nicht ausgeschöpft“, bestätigt Dr. Dominic Gastes, Produktmanager bei Trumpf. Wesentlicher Treiber dafür seien ihre vielfältigen Konstruktionsmöglichkeiten: Mit lasergeschnittenen Rohren lassen sich einfache Montagehilfen, einfache oder erweiterte Verbindungen, Knickverbindungen sowie Rohr-Blech-Verbindungen vergleichsweise einfach umsetzen. Ein zusätzlicher Vorteil des Lasers ergebe sich beim Schrägschneiden von Rohren. „Als wir das 2012 am Markt eingeführt haben, gingen wir davon aus, dass vielleicht 20 % der Anwender das benötigen. Mittlerweile werden 70 bis 80 % unserer Rohrlasermaschinen mit dieser Option ausgerüstet“, berichtet Gastes.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.