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125 Jahre MaschinenMarkt

Ohne Drucklufttechnik geht's einfach nicht

| Autor: B.A. Sebastian Hofmann

Drucklufttechnik macht die Welt schneller, vernetzter, komfortabler. Ohne den Industriezweig wäre unsere Gesellschaft undenkbar. Mit der Technik verbindet uns eine jahrtausendelange Erfolgsgeschichte.

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Heute Standard: der Schraubenkompressor. Bis zu seiner Erfindung brauchte es allerdings jahrtausendelang Innovation und Ideenreichtum.
Heute Standard: der Schraubenkompressor. Bis zu seiner Erfindung brauchte es allerdings jahrtausendelang Innovation und Ideenreichtum.
(Bild: ©nordroden - stock.adobe.com)

Aus unserem Leben ist Drucklufttechnik nicht mehr wegzudenken – egal ob im privaten Bereich oder der Wirtschaft. Ganz selbstverständlich pumpen wir heute unsere Autoreifen mit Kompressoren auf, versorgen unsere Kranken mit Sauerstoff aus der Druckluftflasche und gebrauchen Haarspray aus der Sprühdose. Unternehmen nutzen Druckluft zum Lackieren, zum Reinigen von Werkstücken, zum Auftragen von Spritzbeton und zu vielem mehr. Keine PET-Flasche, kein Feuerlöscher und keine Schutzatmosphäre in Lebensmittelverpackungen wäre ohne Drucklufttechnik denkbar. Angefangen hat die Erfolgsstory der Disziplin aber viel kleiner und banaler: mit dem Schmiedeblasrohr.

Vor 10.000 Jahren gelang es mit seiner Hilfe nämlich zum ersten Mal in der Geschichte, Schmiedefeuer auf über 1000 °C anzufachen. Für die damalige Zeit war das revolutionär: Endlich konnten die Menschen Metalle wie Gold und Kupfer schmelzen, um Schmuckstücke und andere Kulturgüter herzustellen – ein Meilenstein für die Kulturwelt vor allem in Mesopotamien, von dem heute kunstvolle Metallschmuck-Grabbeigaben zeugen. Die Erfindung des Blasrohrs war sogar so genial, dass sich das Gerät (wenn auch in abgeänderter Form) bis ins Jahr 2019 durchgesetzt hat: Das Mundlötrohr nutzen Schmiede bis jetzt, um ihre Flammen heißer zu machen und kleine Metallmengen einzuschmelzen.

Eine fast ebenso geniale Erfindung war Tausende Jahre später der Blasebalg, sozusagen das Upgrade des Blasrohrs. Das erste Gerät entwickelten schlaue Köpfe Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. Als erster mechanischer Kompressor der Welt bestand er wahrscheinlich aus Leder und Holz oder Metall. Einige Zeit später entwickelte man die Bälge dann weiter: Um 1500 v. Chr. hatten sich die fußbetriebenen Varianten durchgesetzt. Unter anderem Schmiede im alten Ägypten nutzten sie für ihre Arbeit. Diese effizientere Form wurde schnell unverzichtbar, weil sich etwa zur selben Zeit das Legieren von Kupfer und Zinn zur Herstellung von Bronze zu einem stabilen Herstellungsverfahren entwickelt hatte.

Ein schlauer Kopf stellt die Weichen

Wenige Jahrhunderte später wurde eine der bedeutendsten Drucklufttechnik-Größen aller Zeiten geboren: der Grieche Ktesibios. Der Mathematiker und Erfinder lebte irgendwann zwischen 200 v. Chr. und 100 n. Chr. in Alexandria und gilt heute noch als einer der Mitbegründer der Pneumatik. Er entwickelte drucklufttechnische Anwendungen im kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Bereich und brachte damit wahrscheinlich zahllose seiner Zeitgenossen ins Staunen. Hier eine kleine Auswahl seiner bahnbrechendsten Erfindungen:

  • die Hydraulis: ein orgelartiges Tasteninstrument, das sich durch Wasserdruck verdichtete Luft zunutze machte,
  • eine neue Art von Katapulten, bei denen man die Sehnen mit Druckluft spannen konnte (was eine kostengünstige und materialschonende Alternative zu der damals vorherrschenden Technik war),
  • eine Druckluftpumpe, um Wasser aus Brunnen oder anderen Quellen auf ein höheres Niveau zu befördern und damit gegebenenfalls sogar Brände zu löschen,
  • ein Mechanismus zum Öffnen von Toren, der auf den Kräften sich ausdehnender Luft beruhte.

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Über den Autor

B.A. Sebastian Hofmann

B.A. Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group