Stellantis Opel könnte Verantwortung für die Werke Eisenach und Rüsselsheim verlieren

Autor: Andreas Wehner

Der Mutterkonzern Stellantis plant, die beiden Fabriken künftig unabhängig von Opel innerhalb des Konzerns aufzustellen. Arbeitnehmervertreter wittern den Versuch, die betriebliche Mitbestimmung auszuhebeln.

Grandland-Fertigung in Eisenach
Grandland-Fertigung in Eisenach
(Bild: Opel)

Stellantis denkt darüber nach, Opel die Verantwortung für die Werke Eisenach und Rüsselsheim zu entziehen. Der Konzern prüfe, die beiden Produktionsstätten zu eigenen Rechts- und Produktionsorganisationen zu entwickeln, bestätigte ein Konzernsprecher am Donnerstagabend, nachdem das „Handelsblatt“ darüber berichtet hatte. „Die Zusammenarbeit und Flexibilität innerhalb des Stellantis-Produktionsverbundes“ solle so gestärkt werden.

Die Verselbstständigung der beiden Fabriken könnte schon bis Mitte 2022 erfolgen, schreibt das „Handelsblatt“. Betroffen wären rund 4.800 Mitarbeiter. Deren Arbeitsbedingungen sollen laut Stellantis unverändert bleiben, bestehende Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen würden weiter gelten.

Hintergrund ist für die Aufspaltung von Opel ist dem Bericht zufolge einerseits der Plan von Konzernchef Tavares, das komplexe Unternehmen mithilfe maximaler Zentralisierung zu steuern. Denkbar sei laut „Handelsblatt“ jedoch auch, dass man so die betriebliche Mitbestimmung aushöhlen wolle. Wenn nun verschiedene Standorte an unterschiedliche, ausländische Gesellschaften angegliedert würden, könnte das ein geschlossenes Auftreten der Arbeitnehmerverteter schwieriger machen.

Kritik von Betriebsrat und Gewerkschaft

Dementsprechend regt sich aus diesem Lager auch schon Widerstand. IG Metall und Betriebsrat kritisierten die Pläne scharf. „Der Mutterkonzern von Opel gefährdet mit der geplanten Zerschlagung die gesamte Marke, Standorte und Beschäftigung sowie die Mitbestimmungsstrukturen. Das werden die Arbeitnehmervertreter nicht widerstandslos hinnehmen“, teilte die Gewerkschaft mit.

Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Baum betonte, die Ankündigung folge keiner wirtschaftlichen Logik. „Es ist vielmehr der Versuch einer Flucht aus der Mitbestimmung. Die Zerschlagung dient einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen.“

Mit Material von dpa.

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