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Planetengetriebe Optimieren genügt nicht mehr

Autor: Ute Drescher

Herr Dr. Hoffmann, Antriebe werden effizienter, wenn die Komponenten optimiert sind. Doch das allein wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, erklärt Dr. Bernhard Hoffmann von Siemens anlässlich der Markteinführung des Planetengetriebes Planurex 3.

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Dr. Bernhard Hoffmann, Executive Vice President, Business Segment Applications Mechanical Drives, Siemens AG, Voerde
Dr. Bernhard Hoffmann, Executive Vice President, Business Segment Applications Mechanical Drives, Siemens AG, Voerde
(Bild: Siemens)

Sie bezeichnen sich selbst als weltweit führenden Hersteller von Industriegetrieben. Woraus ergibt sich diese starke Position?

Hier spielt unser hohes Applikations- und Branchen-Know-How eine Rolle. Durch den ständigen Kontakt zu unserem Kunden erarbeiten wir uns ein tiefes Verständnis seiner Arbeitsmaschine. Diese Informationen aus der Praxis fließen stetig in die Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen, so dass wir immer mehr spezifische Kundenbedürfnisse mit unseren Standardprodukten bedienen können, zum Beispiel Getriebe für Rollenpressen im Drehmomentbereich >1700 kNm.

Standardbaureihen und applikationsspezifische Lösungen – widerspricht sich das nicht?

Keinesfalls, letztendlich muss jedes Getriebe und jeder Antriebsstrang die Anforderungen der Applikation erfüllen, in der es eingesetzt wird. Unser Standardbaukasten, egal ob bei den Planetengetrieben oder den Stirnradgetrieben, ermöglicht es uns applikationsspezifische Aufträge schnell und mit erprobter Technologie umzusetzen. Wir müssen in der Regel für den Kunden keine aufwendige Sonderkonstruktion erstellen, sondern können auf unser breites bestehendes Portfolio zurückgreifen und die einzelnen Komponenten auftragsspezifisch anpassen. Für alle gängigen Applikationen, wie Förderbänder, Hubwerke oder Extruder, haben wir bereits vorgedachte Lösungen im Portfolio, die wir nur noch auftragsspezifisch zusammenfassen. Der Vorteil für den Kunden ist klar: schnelle Projektierung, erprobte Lösungen, hohe Qualität und kurze Lieferzeiten.

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Wie gehen Sie mit der zunehmenden Internationalisierung der Märkte um?

Viele unserer Kunden sind Global Player aus den unterschiedlichsten Branchen, die ihre Systeme und Lösungen in alle bedeutenden Wirtschaftsregionen liefern. Mit unseren Fertigungs- und Montagestandorten in Europa, USA, China und Indien sind wir der weltweit verlässliche Partner für unsere Kunden. Mit der weltweiten Fertigungsstruktur und einheitlichen Qualitätsstandards können wir unsere Kunden global mit kurzen Lieferzeiten und gleichbleibend hoher Produktqualität überzeugen. Hinzu kommt ein breites Montagecenter- und Servicecenter-Netzwerk. So stellt der in über 112 Länder vertretene Service von Siemens eine kurzfristige Unterstützung und Lösung von technischen Aufgabenstellungen sicher.

Produktqualität, Applikations- und Branchen-Know-How – gibt es weitere Kriterien, um auf Dauer eine bedeutende Rolle in der Antriebstechnik zu spielen?

Einer der wichtigsten Schlüssel zur Sicherung des langfristigen Markterfolgs ist es, die eigenen Produkte ständig an den Anforderungen des Marktes und der Kunden zu messen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Um die hochinnovativen Produkte für die Märkte von morgen zu entwickeln, beobachten wir kontinuierlich unsere Märkte und antizipieren die Kundenbedürfnisse der Zukunft. Ein Beispiel hierfür ist unsere Integrated-Drive-System-(IDS-)Strategie, bei der wir den gesamten Antriebsstrang vom Umrichter über Motor, Getriebe bis hin zur Kupplung und der Anbindung an die Automation in den Fokus stellen. Dies haben wir beispielsweise mit unserem Multiple Drive in der größten Vertikalmühle der Welt umgesetzt. Dabei profitieren wir von dem engen partnerschaftlichen Verhältnis zu unseren Kunden, dies kann auch in gemeinsame Projekte oder gar in Entwicklungspartnerschaften münden. So entwickeln wir z.B. gerade gemeinsam mit Kunden neue Antriebe für Mischer.

Mit welchen konkreten Innovationen beschäftigen Sie sich gegenwärtig?

Beispiel für die erfolgreiche Markteinführung sogar einer ganzen innovativen Baureihe ist das Flender SIP, ein Planetengetriebemotor für den kleinen Drehmomentbereich ab 10.000 Nm, der konsequent aus der IDS-Strategie abgeleitet ist. Mit dem Flender SIP ist es uns gelungen, maximale Flexibilität zum Produkt zu machen. Durch ein großes Übersetzungsspektrum, verschiedenste Abtriebswellenvarianten, die Einhaltung der wichtigsten weltweiten Motornormen und vielfältige Optionen ist die Reihe auf der Applikationsseite optimal gerüstet, um in sehr unterschiedlicher Weise an Arbeitsmaschinen verbaut zu werden und unter allen möglichen Umgebungsbedingungen die an sie gestellte Anforderungen zu erfüllen.

Was bekommt der Kunde mit dem Planetengetriebemotor SIP?

Ein hoch kompaktes, anschlussfertiges Antriebssystem, plug & play. Das Produkt ist als eine hochintegrierte Antriebslösung oder seit kurzem auch für die Anbindung von IEC und NEMA Motoren über eine genormte Schnittstelle erhältlich.

Servomotoren der Siemens-Familien Simotics-M-1PH8 und 1FK7 können ebenfalls über eine Laterne mittels Kupplungsadapter mit SIP zu einem Antriebsstrang kombiniert werden.

SIP ist mit aller seiner Flexibilität und Varianz über ein intuitives Konfigurationssystems schnell und einfach auswählbar.

Mit seiner Flexibilität und der kompakte Bauweise ist das Flender SIP für den Einsatz in Plattenbändern, Brechern oder Trommeln und vielen weiteren industriellen Applikationen hervorragend geeignet.

Können Sie ein Anwendungsbeispiel nennen?

Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von SIP an den Hochleistungspressen der Firma Sandvik im Karosseriebau. Hier kommt SIP als wichtiger integraler Bestandteil eines integrierten Antriebssystems (IDS) von Siemens zum Einsatz. Besondere Kundenanforderungen an das Antriebssystem sind eine sehr kompakte Bauweise verbunden mit besonderen Anforderungen an Dynamik und Gleichlauf.

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