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Verstärkt wurde die Kaufzurückhaltung der Konsumenten durch die Verunsicherung bezüglich neuer – aber noch nicht verabschiedeter – Emissionsgesetze und die anhaltende Forderung nach alternativen Antrieben wie Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Selbst wenn Autos gekauft werden, sind diese eher kleiner beziehungsweise Modelle mit kleineren Motoren. All dies hat bei den Zulieferern zu einem dramatischen Umsatzeinbruch von bis zu 60% geführt.
Der Automobilbau wird aus Sicht der Banken und Kreditversicherer derzeit als sehr riskant eingestuft, so dass sich die Konditionen für Zulieferer und Hersteller dramatisch verschlechtert haben. Die Fremdkapitalzinsen gehen massiv nach oben und Kreditlinien werden gekürzt oder sogar gekündigt.
Immer mehr Zulieferern geht das „Bare“ aus
Hinzu kommt, dass die Zahlungsmoral einzelner Fahrzeughersteller gegenüber ihren Lieferanten und die Verlässlichkeit bei den Prognosen der zu produzierenden Fahrzeugstückzahlen nachgelassen haben. Die Ungenauigkeit bei den Planungen der OEMs hat bei vielen Automobilzulieferern zu einer Erhöhung des Working Capital geführt. Bestände und Forderungen sind im Wert um gut 30% gestiegen zulasten des freien Cashflows.
Die Zulieferer hatten im zweiten Halbjahr 2008 obendrein mit hohen Material- und Energiepreisen zu kämpfen. Der Preis für Aluminium ist beispielsweise innerhalb von fünf Jahren um 112% auf 3300 US-Dollar je t (Juni 2008) gestiegen. Jetzt ist er innerhalb von vier Monaten auf den Preis von 2003 zurückgefallen. Die langfristigen Verträge wurden allerdings noch zu den hohen Preisen des Jahres 2007 abgeschlossen.
Zulieferbranche blieb auf Rohstoffpreiserhöhungen sitzen
Die Preissteigerungen bei Rohstoffen konnten nur begrenzt und mit Zeitverzug an die Fahrzeughersteller weitergegeben werden. Rohstoffabhängige Lieferanten wie Wagon Automotive und Edscha (Stahl), Stankiewicz (Kunststoff) oder Intermet Neunkirchen/Sakthi Germany (Guss) sind daher schon seit drei Jahren enorm unter Druck. In Verbindung mit den fortwährenden Preisreduzierungsrunden der Fahrzeughersteller und den hohen Lohnabschlüssen der Metaller von etwa 4% ergibt sich für die Automobilzulieferer eine extrem schwierige Situation.
Bei steigenden Faktorkosten und stark sinkenden Umsätzen ist eine Erhöhung der Produktivität kaum mehr möglich und innerhalb kurzer Zeit fehlen die liquiden Mittel. „In den vergangenen sechs Monaten ist die Zahl der Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte bei Oliver Wyman sprunghaft angestiegen“, so Lutz Jäde, Partner und Restrukturierungsexperte von Oliver Wyman.
Höhepunkt der Insolvenzwelle für März 2009 prognostiziert
Die Krise bei den Automobilzulieferern ist nach Einschätzung von Oliver Wyman noch lange nicht ausgestanden. In den letzten Wochen sind nur die ersten Dominosteine gefallen und das Beratungsunternehmen rechnet mit weiteren Insolvenzen. „Der Scheitelpunkt der Insolvenzwelle wird im März 2009 erreicht“, prognostiziert Jäde. „Dann schlagen die fehlenden Einnahmen aufgrund der verlängerten Weihnachtsferien und der Kurzarbeit bei den Automobilherstellern voll auf die Liquidität durch.“
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