Zulieferung

Pleitegeier kreist über der Automobil-Zulieferindustrie

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Auch für die Zeit danach kann keine Entwarnung gegeben werden. Die Zulassungszahlen für Januar 2009 deuten eher auf eine Verschlechterung hin. Die Verkäufe sind in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 14% und in den USA zwischen 40% (Ford) und 55% (Chrysler) zurückgegangen. „Bis Ende 2009 werden nach jetzigem Stand weitere 50 bis 80 deutsche Automobilzulieferer Insolvenz anmelden müssen“, erläutert Berater Jäde. Nach Berechnung von Oliver Wyman werden dann 100000 Mitarbeiter von Insolvenzen bei Zulieferern betroffen sein.

Die „Schwachmaten“ werden in die roten Zahlen rutschen

Die Analyse von Oliver Wyman zeigt, dass die europäischen Automobilzulieferer auch für 2009 mit erheblichen Umsatzeinbußen rechnen müssen. Das operative Ergebnis, das 2007 im Durchschnitt noch bei guten 4,3% gelegen hatte, soll 2009 um 65% auf 1,5% fallen. Probleme werden vor allem die Low Performer unter den Automobilzulieferern bekommen. Im Durchschnitt der letzten Jahre mussten diese Unternehmen mit einem operativen Ergebnis von 0 bis 1,5% leben. Gut ein Viertel der größeren Automobilzulieferer wird 2009 in die Verlustzone rutschen. Die Studie geht von 1,5% beim operativen Ergebnis aus.

In den kommenden Wochen wird das weitere Schicksal der finanziell angeschlagenen Schaeffler-Gruppe zum Lackmustest für die deutsche Zulieferindustrie. „Ein Kippen von Schaeffler käme einer Kernschmelze in der Automobilzulieferindustrie gleich“, meint Zuliefexperte Dannenberg. „Schaeffler und Continental sind für den deutschen Automobilbau das, was Lehman Brothers für die Bankenwelt in den USA war.“

Besonders gefährdet: Zulieferer in Heuschrecken-Besitz

Extrem gefährdet sind derzeit Zulieferer im Private-Equity-Besitz. Denn die Zahl der insolventen Zulieferer in der Hand von Finanzinvestoren ist nach Beobachtungen von Oliver Wyman besonders hoch. Bei den Pleitefirmen Edscha (Private-Equity-Eigentümer: Carlyle), Wagon Automotive (Wilbur Ross), TMD Friction (rund 30 Investoren), Stankiewicz (Gilde), Henniges Automotive (Wynnchurch) und Tedrive (Orlando) handelt es sich um größere Unternehmen der Zulieferbranche. Selbst Unternehmen, die erst kürzlich von Investoren übernommen wurden – darunter die ehemalige Intermet Neunkirchen und Geiger Technologies – mussten bereits Insolvenz anmelden. In allen Fällen sind eine ungesunde Fremdkapitalstruktur (sehr hohe Verschuldung) und die damit verbundenen hohen Zinsen Auslöser für Krise und Zahlungsunfähigkeit.

Aktuell sind gut 50 meist mittelgroße deutsche Zulieferer in Private-Equity-Besitz und viele Finanzinvestoren haben in den letzten Wochen Gelder nachgeschossen. Doch wie schnell diese aufgezehrt sein können, zeigt der Fall Edscha. Im Dezember 2008 stellte Carlyle 20 Mio. Euro zur Verfügung, die bereits im Februar 2009 nicht mehr ausreichten.

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