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Porträt Polaroid – die etwas andere Fotografie

| Autor / Redakteur: Barbara Stumpp / Simone Käfer

1947 stellte Edwin H. Land den Prototypen der ersten Sofortbildkamera vor. Heute steht der Name „Polaroid” als Synonym für Sofortbildkameras.

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Das Urmodell der Polaroid: die Land Camera Model 95.
Das Urmodell der Polaroid: die Land Camera Model 95.
(Bild: Polaroid)

Im Zeitalter digitaler Kameras ist das Sofortbild Standard – allerdings auf dem Display. Aber vor 70 Jahren war es der absolute Clou, kurz nach dem Auslösen eine Aufnahme in der Hand zu halten. Dabei war es nicht wirklich ein Sofortbild, sondern nur bedeutend schneller als normale Fotos zu bekommen. Der Stein, der diese Entwicklung ins Rollen brachte, war die 3-jährige Tochter des Physikers Dr. Edwin Herbert Land, die einfach die Bilder sofort nach dem Knipsen anschauen wollte. Im Februar 1947 präsentierte ihr Vater dann stolz seine Erfindung: eine Balgenkamera mit Spezialfilm. Sie lieferte nach kurzer Zeit und ganz ohne Dunkelkammer ein Bild. Die Bildqualität war anfangs noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber das störte die Anhänger des schnellen Bildes nicht.

Vorteilhaft für die Entstehung der Sofortbildkamera war sicherlich das Wissen von Land sowohl über Physik als auch über Chemie. Zwar brach er sein Chemiestudium in Harvard ab, aber sein Physikstudium beendete Land mit der Promotion. Er gründete zusammen mit seinem Physiklehrer Wheelwright ein Labor, aus dem 1937 die Polaroid Company hervorging. Und er war fleißig, außer einer ganzen Kollektion an Ehrendoktorwürden brachte er es auf 535 Patente. Hochgeehrt starb Land am 1. März 1991 im US-amerikanischen Cambridge im Alter von 81 Jahren.

1947: Der Prototyp der Polaroid-Fotografie

Der 1947 vorgestellte Prototyp war also eine konventionelle Balgenkamera, die Sensation war der Film. Land hatte sich ein Schnellentwicklungsverfahren ausgedacht, bei dem man das belichtete Negativ unmittelbar auf ein Positiv übertrug. Zu Anfang waren die Bilder sepiafarben, dann schwarzweiß und 1963 kam mit dem Polacolor-Film Farbe auf das Bild.

Beim Polaroidverfahren zieht man die Bilder samt Film nach der Belichtung seitlich aus der Kamera. Beim Herausziehen verteilen zwei Walzen die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ. Nach etwa 30 bis 90 Sekunden ist das Positiv fertig und kann abgezogen werden. Das Negativ ist meist Abfall und lässt sich höchstens mit sehr viel Aufwand für weitere Abzüge verwenden.

Anfangs als eine Art besseres Spielzeug mit geringer Halbwertszeit betrachtet, schaffte es Polaroid bis 1956 schon auf eine Million verkaufter Kameras und 1960 beschäftigte das Unternehmen über 2500 Mitarbeiter.

1972: Fotografieren ohne Müll

Der nächste Quantensprung kam 1972: Polaroid lancierte ein Kameramodell, das in zehn Sekunden fünf Bilder belichtete, die sich in vier Minuten selbst entwickelten. Die Sensation war, dass das Bild nicht vom Negativ getrennt werden musste und damit weniger Müll produzierte. Denn alle Filmbestandteile waren im ausgeworfenen Bild integriert. Das System wurde SX-70 getauft.

Das Gerät SX-70 war eine faltbare Spiegelreflexkamera. Der dazugehörige Film lieferte zwar Fotos von ausgezeichneter Qualität, aber leider nur in einem engen Belichtungsspielraum, weshalb sogar die billigste Kameraversion eine Belichtungssteuerung brauchte.

2008: Das Ende von Polaroid?

Im Jahr 2008 stoppte Polaroid sowohl die Produktion von Sofortbildkameras als auch von Filmen. Der Grund war ein Kleinkrieg mit der Petters Group Worldwide und deren Eigentümer wegen angeblichen Betrugs.

Aber schon im Januar 2010 startete Polaroid wieder durch. In der Folge wurden in Enschede wieder Filme produziert, allerdings musste, da einige der benötigten Vorprodukte nicht mehr lieferbar waren, die Zusammensetzung der Filme teilweise neu entwickelt werden.

Unter dem Druck der erfolgreichen Digitalkameras musste sich Polaroid etwas einfallen lassen: Letzter Schrei wurde der bereits 2008 entwickelte Pogo-Drucker (Printing on the Go) für den digitalen Fotodruck, klein wie eine Hosentasche. Dieser Zwerg nutzte Spezialpapier mit eingebetteten Farbkristallen, die beim Druckvorgang aktiviert wurden. Bilder ließen sich per Bluetooth oder USB auf den Drucker übertragen. Dieses Konzept stieß aber bei der Stammkundschaft auf wenig Gegenliebe und seit 2010 gibt es deshalb die analoge Sofortbildkamera „Polaroid 300“.

Auch Künstler entdeckten das Fotografieren mit Polaroid

Für Land selbst war sein System immer ein künstlerisches Medium, weshalb er auch den berühmten Landschaftsfotografen Ansel Adams ins Boot holte. Aber Adams blieb nicht allein und so entstand die Polaroid Collection, eine Fotosammlung, die inzwischen in der Harvard University ist. Sie umfasst mehr als 22.000 Bilder von vielen bekannten Fotografen, wie Helmut Newton. Übrigens: auch Andy Warhol war ein Polaroid-Fan.

Etwas wunderlich war der Polaroid-Erfolg vor dem Hintergrund der Nachteile: So sind die Bilder zwei bis dreimal teurer als herkömmliche Fotos und das Film- beziehungsweise Bildmaterial deutlich aufwendiger. Dazu gehört eine unhandliche Kamera mit einem ökologisch denkbar großen Fußabdruck, was damals allerdings niemanden interessierte. Die Abzüge halten sich nur sehr begrenzt, man hat immer nur einen Abzug pro Foto, und das nur in einem Format. Trotzdem wurde Polaroid zur Erfolgsstory und Land zum Multimillionär. Aber Land blieb vor allem immer der Erfinder. Er war großzügig und ermöglichte seinen Mitarbeitern ungewöhnliche Freiräume während der Arbeit.

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