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KPMG-Umfrage Private Equity trotz Finanzkrise kein Auslaufmodell

| Redakteur: Jürgen Schreier

Finanzexperten prognostizieren der Private-Equity-Branche angesichts Finanzmarktkrise und Rezession magere Zeiten. Die Mehrheit der in Deutschland vertretenen Private Equity-Häuser sieht dagegen in der aktuellen Situation auch eine Chance.

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John Evans, Head of Private Equity bei KPMG: „Die Mehrzahl der Befragten ist davon überzeugt, dass es zwar auch unter den Private Equity-Häusern zu einer Marktbereinigung kommen wird. Allerdings werden solche Private Equity-Unternehmen, die sich auf die veränderten Bedingungen am Finanzierungsmarkt einstellen, gute Möglichkeiten für Neuinvestitionen vorfinden.“
John Evans, Head of Private Equity bei KPMG: „Die Mehrzahl der Befragten ist davon überzeugt, dass es zwar auch unter den Private Equity-Häusern zu einer Marktbereinigung kommen wird. Allerdings werden solche Private Equity-Unternehmen, die sich auf die veränderten Bedingungen am Finanzierungsmarkt einstellen, gute Möglichkeiten für Neuinvestitionen vorfinden.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Dies legen die Ergebnisse einer KPMG-Umfrage unter 35 führenden Private-Equity-Häusern aus dem Mid- und Largecap-Umfeld nahe, die im Vorfeld der Private Equity-Konferenz „Super Return“ (2. bis 5. Februar 2009 in Berlin) vorgestellt wurde.

Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass der Tiefpunkt der Rezession Ende dieses Jahres erreicht wird. Gleichzeitig erwartet aber eine Mehrheit negative Auswirkungen der Finanzmarktkrise für ihr Geschäft bis weit in das Jahr 2010. In dem aktuell niedrigeren Bewertungsniveau sehen über 70% der Private Equity-Häuser jedoch eine gute Möglichkeit für gezielte Akquisitionen, auch um die eigenen Portfoliounternehmen zu stärken.

John Evans, Head of Private Equity bei KPMG: „Die Mehrzahl der Befragten ist davon überzeugt, dass es zwar auch unter den Private Equity-Häusern zu einer Marktbereinigung kommen wird. Allerdings werden solche Private Equity-Unternehmen, die sich auf die veränderten Bedingungen am Finanzierungsmarkt einstellen, gute Möglichkeiten für Neuinvestitionen vorfinden. Dies erfordert allerdings eine hohe Flexibilität, um auf „Fire Sales“ und ähnliche Sondersituationen schnell reagieren zu können, sowie entsprechende Erfahrung in der Erkennung und Realisierung von operativen Verbesserungspotenzialen.“

Christian Specht, Partner im Bereich Corporate Finance bei KPMG: „Private Equity ist kein Auslaufmodell. Die Bedeutung von Private Equity als Asset-Klasse ist unverändert hoch. Der vielfach diskutierte Zwang der institutionellen Investoren, ihr Anlagevolumen in Private Equity zu reduzieren, ist eher kurzfristig und betrifft wegen der hohen Kapitalzusagen dort vor allem die sehr großen internationalen Buyout-Fonds und weniger die mittelständisch orientierten Fonds.“

Nur jede dritte Private Equity-Gesellschaft erwägt für dieses Jahr einen Ausstieg (Exit) aus einer Beteiligung. Der wesentliche Hinderungsgrund ist für 87% der befragten Manager der für 2009 schwer vorhersehbare Geschäftsverlauf der Portfoliounternehmen. 70 Prozent nennen das schwierige Finanzierungsumfeld als Ursache, und für jeden zweiten stellt das zu erwartende, vergleichsweise niedrige Bewertungsniveau einen wichtigen Grund dar.

Bernd Diepenseifen, Director im Bereich Corporate Finance bei KPMG: „Sinnvolle Deals finden weiterhin statt und werden auch in 2009 finanziert. Die Bewertungserwartungen vieler Verkäufer spiegeln allerdings noch nicht das veränderte Umfeld wider und verhindern zurzeit vielfach eine Transaktion. Dies war bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres an der hohen Anzahl abgebrochener Veräußerungsprozesse zu beobachten.“

Alternative Finanzierungsformen gewinnen an Bedeutung

Als ihre wichtigste Aufgabe in 2009 sehen die Befragten Maßnahmen zur Liquiditätssicherung ihrer Portfoliounternehmen an. 86% bezeichnen dabei das Working Capital- und Cash-Management als eine ihrer beiden Top-Prioritäten, fast ebenso viele (79%) setzen auf eine strikte Kostenkontrolle beziehungsweise Einsparungen.

Zwar nennen die Befragten die geringe Bereitschaft der Banken zu Transaktionsfinanzierungen als einen bedeutenden Risikofaktor für ihr Geschäft. Ausschließlich mit Eigenkapital finanzierte Transaktionen (All-Equity Deals) werden nach Ansicht der Befragten aber die Ausnahme bleiben.

Alternative Finanzierungsformen wie Verkäuferdarlehen (Vendor Loans) beziehungsweise Kaufpreisstundungen gewinnen an Bedeutung. Die Hälfte der Befragten erwartet für 2009 einen weiteren Anstieg der Debt-Margen. Über 2009 hinaus gehen knapp 40% von einem Rückgang aus, alle anderen rechnen mit einem Verharren auf hohem Niveau.

Christian Specht: „Viele Private Equity-Häuser erwarten schon im Verlauf dieses Jahres eine Belebung der derzeit weitgehend trockenen Transaktionspipeline. Es sind sich jedoch alle weitgehend einig, dass sich die Art der Transaktionsdurchführung erst einmal ändern wird. Die breiten und standardisierten Auktionsprozesse der letzten beiden Jahre sind momentan nicht en vogue. Die Kunst liegt vielmehr im gezielten Matchmaking zwischen kaufwilligem und -fähigem Investor und den seltener gewordenen Opportunitäten.“

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