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Porträt

Reizender Aufreißer

| Autor / Redakteur: Carolin Schulte / Simone Käfer

Der Reißverschluss hat einen langen Entwicklungsweg hinter sich.
Der Reißverschluss hat einen langen Entwicklungsweg hinter sich. (Bild: gemeinfrei (By Oto Zapletal (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons) / CC0)

So nützlich Reißverschlüsse sind, so lange dauerte ihre Entwicklung. Zur Serienproduktion kam es sogar erst vor 100 Jahren.

„Riiitsch“ – und zu, „raaatsch“ – und wieder auf. Der Reißverschluss ist heute die schnellste Art, eine Jacke, einen Koffer oder gar seine Unterkunft im Campingurlaub zu schließen, und dafür lieben wir ihn. Die Entwicklung des Schnellverschlusses war jedoch eine langsame, vor gerade einmal 100 Jahren startete er in die Serienproduktion.

„Automatic, continuous clothing closure“, diesen Zungenbrecher von einem Namen gab Elias Howe 1851 seiner Erfindung, die heute als erster Vorläufer des Reißverschlusses gilt. Für den automatischen, ununterbrochenen Kleiderverschluss ließ Howe zunächst die zu verbindenden Stoffkanten verstärken, sodass sich dort Wülste bildeten. Mit kleinen Metallklammern, die auf den Wülsten auf- und abgleiten konnten, wurden die beiden Stoffkanten dann verbunden. Die Klammern waren in regelmäßigen Abständen auf ein schmales Band genäht. Mithilfe des Bandes konnte man dann die Klemmen schnell auseinanderziehen oder zusammenschieben – und so sein Kleidungsstück schnell öffnen und schließen. Howe ließ sich die Idee patentieren, aber erkannte ihren Wert nicht. Stattdessen widmete er sich einer langfristig für die Menschheit nicht weniger wichtigen Erfindung: der Nähmaschine. Es sei ihm verziehen.

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Whitcom Johnson startete 1890 einen neuen Versuch und stellte seinen patentierten Klemmöffner für Schuhe 1893 sogar auf der Weltausstellung in Chicago vor. Das Potenzial des Produkts hatte Johnson erkannt – sein Zipper wies jedoch so manches Zipperlein auf, das erst noch ausgebügelt werden wollte. Der Verschluss aus Kügelchen und Backen ging immer dann auf, wenn er es gerade nicht sollte, und war zudem sehr teuer in der Herstellung. 1905 war die Produktionsmaschine für den „clasp locker“ einsatzbereit, doch der kommerzielle Erfolg für Johnsons Universal Fastener Company blieb aus.

Die Zähne halten

Auch der zweite Anlauf klemmte also und wie so viele andere Dinge wäre auch der Reißverschluss vielleicht nie oder erst wesentlich später erfunden worden, wenn sich nicht ein glücklicher Zufall ergeben hätte. Der brachte nämlich den schwedischen Auswanderer Gideon Sundbäck mit Elvira Aronson zusammen – der Tochter des Fabrikleiters der Universal Fastener Company. Sundbäck, der sich nun Sundback nannte, fing 1906 als Designer in der Fabrik seines Schwiegervaters an und arbeitete sich schnell zum Chefdesigner hoch.

Nicht nur als Schwiegersohn, sondern auch als Designer war Sundback ein Glücksgriff: Damit er nicht mehr auseinanderrutschen konnte, ließ Sundback die Zähne mit zusätzlichen Aus- und Einbuchtungen oben und unten versehen. Die Zähne wurden dadurch nicht mehr nur horizontal vom Schieber ineinandergeschoben, sondern griffen zusätzlich auch vertikal ineinander. Außerdem erhöhte er die Anzahl der Zähne pro Inch Stoff von vier auf zehn bis elf. 1908 brachte Sundback das „Modell Plako“ auf den Markt: Der Reißverschluss, wie wir ihn heute kennen, war geboren. Am 27. August 1914 beantragte Sundback das Patent für den „Seperable Fastener“. Fast drei Jahre später, am 20. März 1917, wurde es zugelassen.

Der Reißverschluss in der Serienfertigung

Der Schwede war es auch, der die erste Maschine zur Massenproduktion von Reißverschlüssen konstruierte. Die „S-L“ oder „scrapless“ genannte Maschine schnitt zunächst Zähne in einen Y-förmigen Draht. Im zweiten Schritt drückte sie die vertikalen Ein- und Ausbuchtungen in den Draht und befestigte diesen schließlich im dritten Schritt an einem Stoffband. Innerhalb eines Jahres perfektionierte Sundback die Maschine so weit, dass sie mehrere Hundert Fuß Reißverschluss am Tag herstellen konnte. Klassische Metall-Reißverschlüsse werden noch heute nach diesem Prinzip gefertigt.

Der Massenproduktion stand nun nichts mehr im Wege – die Masse der Bevölkerung konnte der Verschluss aber zunächst nicht mitreißen. Viele Händler standen der neuen Verschlussform zunächst kritisch gegenüber – mit Knöpfen, Schleifen und Nieten war man schließlich jahrelang gut bekleidet gewesen. Sundbacks Erfindung erschien vielen sogar vulgär. Ein großer Kunde fand glücklicherweise Gefallen an dem neuen Schnellverschluss: Das US-Militär stattete noch 1917, kurz vor Ende des ersten Weltkriegs, alle Navy-Lotsen mit wetterfesten Anzügen mit Reißverschlüssen aus. Das brachte Sundbacks Erfindung den Ruf ein, besonders langlebig und widerstandsfähig zu sein.

Der Reißverschluss auf dem Laufsteg

Erste Begegnungen mit dem Zipper machten jene zivilen Konsumenten, die Gummischuhe und Tabakbeutel des heutigen Autoreifenherstellers B. F. Goodrich kauften. Goodrich führte auch die englische Bezeichnung „Zipper“ ein, angelehnt an das Geräusch, das beim Öffnen und Schließen entsteht. Zur Mode wurde er aber erst 1933, als der amerikanische Designer Charles James ein Kleid vorstellte, das aus einem einzigen langen Zipper bestand. Der schlang sich spiralförmig um James’ Modell und so konnte man die Dame mit einem einzigen langen Ratschen komplett entkleiden. Aus Reißverschluss wurde Reiz-Verschluss – so viel Erotik hätte Sundback seinem Schnellverschluss wohl kaum zugetraut.

In Europa erwarb der Schweizer Martin Othmar Winterhalter 1923 Sundbacks Patent. Auf dessen Basis entwarf er einen Reißverschluss, der sich besonders gut für die Massenfertigung eignete. „Ri-ri“ nannte er sein Produkt, als Abkürzung für „Rille“ und „Rippe“, die ineinandergreifen. In seinem Wuppertaler Werk stellte Winterhalter Ende 1925 bereits rund 10.000 m Reißverschluss pro Tag her. Das große Ratschen hielt somit auch in Deutschland Einzug. 1941, 90 Jahre nach Howes erstem Prototyp, stand das Wort „Reißverschluss“ erstmals im deutschen Rechtschreibduden.

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