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Unternehmenssanierung

Schutzschirmverfahren ist auf einem guten Weg

| Redakteur: Jürgen Schreier

Seit zwei Jahren soll das „Schutzschirmverfahren“ die Sanierung von Unternehmen erleichtern. Hauptmerkmal: Nicht ein Insolvenzverwalter übernimmt das Ruder, sondern die Geschäftsführung bleibt im Amt. Die Praxis zeigt, dass es ein gutes Instrument ist, um sich erfolgreich und schnell zu sanieren. Dennoch gibt es immer noch Skeptiker.

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Prof. Dr. Lucas F. Flöther: „Der Vorwurf, zu wenige Unternehmen würden das neue Instrument des Schutzschirmverfahrens nutzen, ist so nicht richtig. Vielmehr sind Schutzschirmverfahren überhaupt nur für wenige Unternehmen geeignet und richten sich hauptsächlich an größere Betriebe ab etwa 100 Mitarbeitern.“
Prof. Dr. Lucas F. Flöther: „Der Vorwurf, zu wenige Unternehmen würden das neue Instrument des Schutzschirmverfahrens nutzen, ist so nicht richtig. Vielmehr sind Schutzschirmverfahren überhaupt nur für wenige Unternehmen geeignet und richten sich hauptsächlich an größere Betriebe ab etwa 100 Mitarbeitern.“
(Bild: Flöther & Wissing)

Bekannte Firmen, etwa der TV-Hersteller Loewe, das Photovoltaik-Unternehmen Centrotherm oder der Großküchenhersteller Küppersbusch, machten vom neuen Insolvenzrecht Gebrauch und zeigten, dass das Schutzschirmverfahren ein gutes Instrument ist, um sich erfolgreich und vor allem schnell zu sanieren. Trotzdem sehen Kritiker die Reform des Insolvenzrechts immer noch skeptisch. Häufige Begründung: Zu wenige Unternehmen nutzen die neuen Möglichkeiten und Instrumente.

Ausnahmslos große Unternehmen haben das Schutzschirmverfahren genutzt

„Der Vorwurf, zu wenige Unternehmen würden das neue Instrument des Schutzschirmverfahrens nutzen, ist so nicht richtig“, erklärt Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Insolvenzverwalter und Namenspartner der auf Sanierung spezialisierten Kanzlei Flöther & Wissing in . „Vielmehr sind Schutzschirmverfahren überhaupt nur für wenige Unternehmen geeignet und richten sich hauptsächlich an größere Betriebe ab etwa 100 Mitarbeitern.“

Trotzdem hat es laut Studien seit der Einführung 2012 bis zum August 2013 bereits über 100 Schutzschirmverfahren in Deutschland gegeben; bis heute dürfte sich der Wert mehr als verdoppelt haben. „Das ist eine ordentliche Zahl“, ergänzt Flöther, „zumal dies fast ausnahmslos große Unternehmen mit einer Vielzahl von Arbeitsplätzen waren.“ Nach Aussagen des Insolvenzrechtsexperten bewegt sich die Zahl der Krisen-Unternehmen, die für ein Schutzschirmverfahren in Frage kommen, gemessen an den Insolvenzzahlen, nur im Promillebereich. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe.

Insolvenzrechtliches Wissen muss „dazugekauft“ werden

Grund Nr. 1: Nach dem Gesetz kann ein Unternehmen nur ein Schutzschirmverfahren beantragen, wenn lediglich eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, jedoch keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Um genau dies zu belegen, verlangt das zuständige Gericht ein unabhängiges Gutachten. Dessen Erstellung kostet im Durchschnitt einen fünfstelligen Betrag. Das ist für den Großteil der Unternehmen nicht zu leisten. „Hier fallen die meisten Unternehmen schon durchs Raster“, so Flöther. „Das Schutzschirmverfahren ist nicht für den vor der Pleite stehenden Kiosk von nebenan entwickelt worden.“

Grund Nr. 2: Des Weiteren muss das Unternehmen einen Insolvenzrechts-Spezialisten als Berater engagieren. Oftmals wird dieser auch direkt in die Geschäftsleitung als sogenannter Sanierungsgeschäftsführer oder CRO (chief restructuring officer) berufen. „In keinem Unternehmen gibt es genug insolvenzrechtliches Wissen“, erläutert Flöther. „Dieses muss also ‚dazugekauft’ werden und verursacht natürlich weitere Kosten, die für Kleinunternehmen nicht zu stemmen sind.“

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