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Von der mechanischen Komponente zur Antriebslösung
Man verharrte jedoch nicht bei der reinen Mechanik, sondern begann in den 1980er-Jahren auch damit, Antriebselektronik selbst zu fertigen. Nachdem schon 1983 Elektromotoren von Nord auf den Markt kamen, wurden in Zusammenarbeit mit Enercon 1984 die ersten Frequenzumrichter gebaut – ein wichtiger Schritt, wie Jutta Humbert folgert. „Das hat ganz wesentlich den Weg bereitet, Lösungen für die Automatisierung zu finden. Man muss schließlich berücksichtigen, dass heute jeder zweite Getriebemotor mit einem Frequenzumrichter gesteuert wird. Und da war natürlich für uns die Aufnahme der Elektronikfertigung ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Damit konnte Nord die ganze Breite der Antriebstechnik abdecken.
Nord entwickelte sich jedoch nicht nur in technischer Hinsicht kontinuierlich weiter sondern setzte von Anfang an ein ganz besonderes Augenmerk auf die globale Ausrichtung. Die ersten Tochterunternehmen entstanden bereits 1979 in den USA, Frankreich und Schweden – heute sind es eigene Tochterunternehmen in 36 Ländern auf fünf Kontinenten. Bei Nord gilt das nicht als „normale“ Expansion des Geschäfts, sondern ist Teil der Unternehmensphilosophie. Küchenmeister: „Das ist der entscheidende Punkt für unser Unternehmen, denn wir sind in einer Branche tätig, die selbst sehr international aufgestellt ist. Sehr früh wurden wir damit konfrontiert, dass unsere Produkte in den Maschinen unserer Kunden weltweit verbreitet wurden und unsere Kunden Service und Unterstützung für ihre Maschinen auch in anderen Ländern von uns forderten.“ Diese Tochterunternehmen sind aber auch das Zentrum des Unternehmenserfolgs, denn das Hauptwachstum spielte sich in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich auf den Auslandsmärkten ab. Der Umsatzanteil der Nord-Gruppe, der im Ausland erwirtschaftet wird, liegt inzwischen bei knapp 80 %. Abgeschlossen ist diese Entwicklung noch immer nicht, denn durch die Globalisierung werden immer wieder neue Märkte interessant. Diese internationale Ausrichtung liegt vor allem Jutta Humbert: Sie reist gerne und spricht Englisch, Französisch und Spanisch – eine gute Voraussetzung, um weltweit Kontakte zu knüpfen.
Kundenorientierung steht im Zentrum
Was Getriebebau Nord von Anfang an neben all den technischen und betriebswirtschaftlichen Entwicklungen auszeichnet: die überaus hohe Kundenorientierung. Sie steht im Zentrum aller Handlungen – sei es bei der Expansion in neue Länder oder beim Ausbau des Getriebebaukastens. Der Kunde soll schnell und flexibel genau die Produkte erhalten, die er für seine Anwendung benötigt. Diese Flexibilität und das Eingehen auf Kundenanforderungen gelingt als Familienunternehmen mit flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen viel einfacher als in einem Großbetrieb mit Konzernstrukturen. „Unsere Kunden sind viele kleine und mittlere Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen. Insofern brauchen wir eine entsprechende Struktur, um auf deren Anforderungen einzugehen: Ein breites Produktspektrum, was wir unseren Kunden in kurzer Zeit und in der gewünschten Ausfertigung liefern können“, erklärt Küchenmeister.
In 50 Jahren hat sich Getriebebau Nord vom Drei-Mann-Betrieb zur Nord-Gruppe mit über 3100 Mitarbeitern entwickelt, die im letzten Jahr einen Umsatz von etwa 500 Mio. Euro erwirtschaftete. Die Ziele, die sich Jutta Humbert und Ullrich Küchenmeister für die Zukunft setzen, führen die internationale Entwicklung des Unternehmen fort. Küchenmeister: „Umsatz ist nur ein Rahmenfaktor unter vielen. Viel wichtiger für mich und auch das Unternehmen ist es, einen angemessenen Marktanteil in den Hauptmärkten zu erreichen. Das steht eigentlich noch mehr im Vordergrund als eine Zahl – die sich natürlich gut anhört.“ Lange hatte man zum Ziel, die 500 Mio. Euro Umsatz zu erreichen; das ist jetzt geschafft. Ullrich Küchenmeister hat schon eine nächste Zielmarkte im Blick: 700 Mio. Euro. Wir fragen in 10 Jahren nochmal nach.
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