Corona So hielten sich Logistiker in der Krise über Wasser

Autor / Redakteur: Svenja Meurer / Gary Huck

Die Krise stellte viele Unternehmen vor ungeahnte Herausforderungen. Wer bestehen wollte, musste Wege finden, damit umzugehen.

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Über digitale Kanäle konnten Kundengespräche, aber auch die Kommunikation unter den Mitarbeitern effizienter und zum Teil auch intensiver gestaltet werden.
Über digitale Kanäle konnten Kundengespräche, aber auch die Kommunikation unter den Mitarbeitern effizienter und zum Teil auch intensiver gestaltet werden.
(Bild: Jacob Lund Photography - stock.adobe.com)

Die Coronakrise hielt die Wirtschaft über Monate in Atem. Fast alle Branchen mussten sich mit Produktionsausfällen oder Lieferengpässen befassen. Die Lieferketten erholen sich zwar langsam, aber bis wir wieder auf dem Vorkrisenniveau sind, wird es wohl noch dauern. Man sollte also Strategien haben, um auch längerfristig damit umzugehen. Im Folgenden zeigen drei Logistikunternehmen, wie sie mit den Herausforderungen der letzten Monate umgegangen sind.

Frei gewordene Zeit zur Produktverbesserung nutzen

Wiferion fertigt kabellose Lade- und Speichersysteme für industrielle Elektrofahrzeuge. Die Coronakrise hat sich dort im laufenden Betrieb unter anderem bei den langen Lieferzeiten für Komponenten gezeigt, wie Wiferion-Geschäftsführer Johannes Mayer berichtet. Einige Lieferanten, die auf Vorprodukte aus Asien angewiesen sind, hatten Lieferengpässe. Dank smartem Lagermanagement und Outsourcing auf alternative Lieferanten konnte das Start-up diese Einschränkungen bis auf vereinzelte Fälle jedoch minimieren. Wegen Social Distancing und verstärkten Arbeitens im Homeoffice reduzierte sich der persönliche Kontakt zu Kunden und untereinander stark. Durch Kurzarbeit bei einigen Kunden mussten zudem Innovationsprojekte verschoben werden.

Das Start-up nutzte die frei gewordene Zeit für Optimierungsthemen und Produktverbesserungen. So stellte das Unternehmen Anfang des Jahres alle Systeme auf eine Cloud-Software um und konnte auf diese Weise die Arbeit digital und unkompliziert von zu Hause bewerkstelligen. Hier zeigte sich, wie wichtig ein gemeinsames Onboarding und der gleiche Technologiestand aller Mitarbeiter für eine reibungslose Zusammenarbeit ist, betont Mayer.

Ebenso verliefen Vertrieb und Kundenbetreuung remote und digital. Anstelle von Messen und Events zum Austausch produzierte Wiferion Erklärvideos, Webinare und Trailer, die in einem extra erbauten Videostudio entstanden sind. „Wir spüren den Automatisierungsdruck in unserer Branche: Viele Unternehmen zeigen durch ihre Anfragen, dass sie sich nun Gedanken zu weitreichenden automatisierten Prozessen machen, um besser gegen Einflüsse auf den Menschen und die Arbeitskraft eingestellt zu sein“, erzählt Meyer.

Serviceleistungen flexibilisieren und digitalisieren

Unitechnik Systems plant und realisiert maßgeschneiderte Systeme für die innerbetriebliche Logistik, Cargo-Anlagen und die Produktion. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden hier bereits laufende Projekte gestoppt, da Montagearbeiten im Ausland ausfallen mussten. Im Inland sind vor allem die Kontakte bei Arbeiten auf der Baustelle weniger geworden; die Umsetzung durch die einzelnen Gewerke wurde entzerrt.

Trotz Verzögerungen bei den Kunden – ob durch Homeoffice oder Schichtarbeit – hat Unitechnik eine Lösung gefunden, um neue Logistikanlagen trotz mangelnden persönlichen Kontaktes zu starten. Statt des vertraglich vereinbarten Verfügbarkeitstests definierte der Systemanbieter eine Beobachtungszeit für die neue Anlage. In einem anderen Fall begleitete das Unternehmen einen Leistungstest aus der Ferne, weil der Zutritt von fremdem Personal nicht gestattet war. „Es gibt Kunden, die aus Gründen der Systemrelevanz in dieser Zeit sogar mehr Umsatz generieren als vor der Krise. Besonders für diese Unternehmen ist es wichtig, dass es keine Verzögerungen innerhalb des Prozessablaufs gibt“, sagt Michael Huhn, Vertriebsleiter und Prokurist bei Unitechnik.

Für den Dienstleister ist deutlich zu sehen, dass die Bevorratung von Material sowie ein hohes Maß an Automatisierung für einige Kunden und Branchen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil in der Krise bringt. Da maschinell abgewickelte Tätigkeiten nur in geringem Maß von krankheitsbedingtem Ausfall betroffen sind, vermindert der Einsatz von Automatisierungstechnik die Gefahr von Liefer- und Produktionsausfällen im Zusammenhang mit der Pandemie.

Früh reagieren und Lieferketten sichern

Hubtex Maschinenbau stellt Flurförderzeuge für Langgüter her. Das Unternehmen hatte zu Beginn der Coronakrise vor allem damit zu tun, die Prozesse den neuen Beschränkungen entsprechend anzupassen. Zu den Maßnahmen zählte die proaktive Absage von Messen und Kundenveranstaltungen, flexible Arbeitszeitmodelle, die Umstellung auf Homeoffice und der digitale Kontakt zu den Kunden. „Glücklicherweise waren wir verhältnismäßig gut vorbereitet und konnten uns einstellen“, sagt Michael Röbig, Marketingleiter bei Hubtex. „Vor Corona haben wir uns regelmäßig mit unseren Kunden, Vertriebspartnern und Niederlassungen getroffen – bei uns oder vor Ort. Die nun konsequente Nutzung der digitalen Möglichkeiten mit kurz getakteten Jour Fixes hat die Kommunikation enger werden lassen und gleichzeitig auch die Produktivität gesteigert.“

Der Einkauf konzentrierte sich zu Beginn der Pandemie darauf, Lieferketten sicherzustellen, und konnte so Lieferverzögerungen weitestgehend vermeiden. Aufgrund der mitunter langen Projektlaufzeiten waren die Auswirkungen im Hinblick auf Umsatz und Auftragseingang im März und April noch vergleichsweise milde. Insbesondere im Mai und Juni zeigten sich dann stärkere Auswirkungen. „Seit Ende Juni können wir zum Glück wieder sukzessive Verbesserungen verzeichnen“, sagt Röbig. Um die negativen Folgen der Pandemie abzumildern, priorisierte der Maschinenbauer die Herstellung von automatisierten Seitenstaplern und Sonderfahrzeugen im Rahmen eines mehrjährigen Entwicklungsplans.

„New Normal“ kann auch in Zukunft helfen, um Zeit und Kosten zu sparen

Bei Logistik-Unternehmen zeigt sich der Trend zur Digitalisierung der alltäglichen Prozesse. Und diese bieten nach den ersten Herausforderungen bei der Implementierung auch grundlegende Verbesserungen: Video-Konferenzen lassen sich nach engem Zeitplan schnell hintereinander abwickeln; lange Anreisen entfallen. Was aktuell zum „Alltag“ geworden ist, wird auch in Zukunft ein wichtiger Faktor sein, um Zeit und Kosten zu sparen.

Das geht zu Lasten des direkten persönlichen Kontakts, eröffnet aber auch zusätzliche Möglichkeiten der Vernetzung zu den eigenen Mitarbeitern, Kunden und Partnern sowie neue Vertriebs- und Marketingwege. Auch bei den Themen, Produkten und Dienstleistungen der Unternehmen eröffnen sich in dieser Zeit neue Chancen. Vor allem in der Remote-Installierung und -Wartung beim Kunden. Eine Ergänzung des Serviceangebotes, das die Flexibilität des Anbieters beweist und in Zukunft wettbewerbsentscheidend sein wird.

* Svenja Meurer ist Content Manager bei Additiv PR in 56410 Montabaur, Tel. (02602) 95 09 90, info@additiv-pr.de

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