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Wälzlager So lassen sich gefälschte Wälzlager identifizieren

| Redakteur: Stefanie Michel

Nach wie vor werden gefälschte Wälzlager nach Europa importiert. Die meisten Käufer dieser Produkte haben nicht die Absicht, Fälschungen zu erwerben. Was können sie tun, um die Echtheit der Lager sicherzustellen? Und wie können sie gefälschte Lager identifizieren?

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Gefälschtes NSK-Wälzlager: Erkennbar ist das an fehlenden Kennzeichnungen.
Gefälschtes NSK-Wälzlager: Erkennbar ist das an fehlenden Kennzeichnungen.
(Bild: NSK)

Anwender von Wälzlagern werden in den meisten Fällen nicht in der Lage sein, am Lieferort – sei es im eigenen Wareneingang oder vor Ort – zwischen echten und gefälschten Lagern zu unterscheiden. Sie sind somit zunächst auf eine vertrauenswürdige Lieferkette angewiesen.

Im Fall von NSK-Produkten bedeutet das: Sie sollten die Lager über einen autorisierten Distributor oder Händler beziehen. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn Zulieferer und Servicebetriebe mit Reparaturen an Anlagen wie Elektromotoren, Pumpen, Getrieben und Ventilatoren beauftragt werden. Deshalb sollten produzierende Unternehmen ihre Lieferanten daraufhin überprüfen, ob sie die Risiken von Nachahmerprodukten kennen und entsprechende Kontrollen durchführen.

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Wenn Zweifel an der Echtheit von Wälzlagern bestehen, gibt es einige Indizien, um diese Vermutung als wahr oder falsch zu bestätigen:

  • Kennzeichnungen: Fehlen sie, sind die Lager gefälscht. Wenn sie zwar vorhanden sind, aber anders aussehen als die üblichen Herstellermarkierungen oder sich an anderer Stelle befindet, ist es zumindest möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass es sich um ein gefälschtes Lager handelt.
  • Sichtbar schlechte Qualität: Oft sind die Qualitätsdefizite bei genauer Betrachtung beziehungsweise Untersuchung von Wälzkörpern und Laufbahnen zu erkennen. Häufig zeigt auch schon die nicht originale Verpackung, dass das Lager gefälscht ist.
  • Wer Zugriff auf andere Chargen desselben Lagertyps hat und Verpackungen oder besser noch die Wälzlager selbst vergleichen kann, sollte das tun.

Die Echtheit per App überprüfen

Für ausgewählte Wälzlager, darunter Hochgenauigkeitslager, kann die Echtheit über die App „NSK Verify“ überprüft werden. Beim Einlesen des 2D-Codes prüft sie nicht nur die Echtheit des Lagers, sondern auch die Anzahl der Zugriffsversuche anhand der Produkt-ID, der individuellen Identifikationsnummer und – bei konventionellen Lagern – der 20-stelligen Produktnummer.

Um seine Wälzlager zu identifizieren, versieht Schaeffler sie mit einem Data-Matrix-Code. Diesen kann jeder Anwender in der App „OriginCheck“ scannen und somit die Wälzlager prüfen. Auch die Serviceplattfom oneIDentity+, die im Rahmen der Initiative „Manufacturers against Product Piracy“ (MAPP) gegen Produktpiraterie kämpft, bietet eine Überprüfung an.

Anwender von SKF-Lagern können über die „Authenticate App“ prüfen, ob das Wälzlager echt ist. Die App weist den Anwender an, wie das Produkt zu fotografieren ist, und übermittelt automatisch eine Anfrage innerhalb eines einzigen Prozesses. SKF Experten prüfen dann die Information und klären, ob es sich bei diesem um ein Original oder eine Fälschung handelt.

Die Folgen von Wälzlagerplagiaten können groß sein: Das reicht von Beeinträchtigungen bei der Maschinenverfügbarkeit bis hin zu Ausfällen von Radlagern in Zügen. Damit entstehen nicht nur Produktionsausfälle und hohe Instandhaltungskosten sondern auch Gefahr für den Menschen. Deshalb hat sich auch die World Bearing Association (WBA) des Themas weltweit angenommen („Stop Fake Bearings“) und bietet ebenfalls eine App an, die Plagiate von namhaften Herstellern wie JTEKT (Koyo), Nachi, NTN, NSK, Schaeffler, SKF and Timken erkennt: Die WBA Check App.

Was tun bei Verdacht auf Fälschung?

Die World Bearing Association (WBA) sowie die Wälzlagerhersteller raten:

  • Fälschungen nie auf eigene Faust identifizieren,
  • Sofort Markenhersteller kontaktieren,
  • Verdächtige Produkte fotografieren und alle verfügbaren Infos sammeln,
  • Kontakt zu allen meiden, die an den illegalen Machenschaften beteiligt sein könnten,
  • Produkte immer über autorisierte Händler kaufen.

Wenn Wälzlager einzig und allein nach dem Stückpreis eingekauft werden, kann der Kauf von vermeintlichen Schnäppchen letztendlich teuer werden. Dann steigt das Risiko, gefälschte Lager zu beschaffen. Dieses Risiko wird zu oft ausgeblendet – mit dem Ergebnis, dass der Maschinenbauer oder sein Kunde höhere Betriebs-, Reparatur- und Ausfallkosten aufwenden müssen. Dieser Mehrpreis ist fast immer größer als die Einsparung bei der Beschaffung.

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