Stahlwerk Tata Steel nimmt in IJmuiden Stranggießanlage in Betrieb

Redakteur: M.A. Frauke Finus

Mitte Oktober hat Tata Steel im seinem Stahlwerk in IJmuiden in den Niederlanden offiziell eine neue Stranggießanlage im Beisein von Arthur van Dijk, Repräsentant des Königshauses in der Provinz Nordholland, in Betrieb genommen.

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Tata Steel produziert die erste Bramme auf der neuen, dritten Stranggießanlage im Stahlwerk im niederländischen Ijmuiden.
Tata Steel produziert die erste Bramme auf der neuen, dritten Stranggießanlage im Stahlwerk im niederländischen Ijmuiden.
(Bild: Tata Steel)

Mit 220 Millionen Euro ist es die bisher größte und wichtigste Investition von Tata Steel in seine Produktionsanlagen in IJmuiden im 21. Jahrhundert. Die neue Anlage ermöglicht die Produktion eines noch breiteren Spektrums an innovativen Stählen, einschließlich hochfester und ultrahochfester Stähle. Automobilhersteller können beispielsweise mit diesen Stählen leichtere, kraftstoffeffizientere und sicherere Fahrzeuge bauen. Das Großbauprojekt wurde im laufenden Betrieb umgesetzt, wie Tata Steel mitteilt.

Das Stahlwerk von Tata Steel im niederländischen IJmuiden gilt als eines der modernsten in Europa und produziert jährlich mehr als 7 Millionen Tonnen Stahl. Dieser kommt hauptsächlich in der Automobil-, Bau-, Maschinenbau- und Verpackungsindustrie zum Einsatz. Das Material wird außerdem in Batterien, Rohren, Industriefahrzeugen und in weißer Ware wie Kühlschränken verwendet. Tata Steel verfügt in IJmuiden bereits über zwei Stranggießanlagen. Die neue dritte Stranggießanlage bildet das Herzstück des strategischen Investitionsprogramms von Tata Steel in IJmuiden, mit dem sich das Unternehmen für die zukünftig steigende Nachfrage nach Qualitätsstählen noch besser aufstellen will, wie es heißt. Das Investitionsprogramm umfasst Teile der gesamten Produktionskette: vom Hochofen über das Warm- und Kaltwalzwerk bis hin zu den Tauchverzinkungs- und Verpackungsstahlanlagen. So hatte Tata Steel erst kürzlich bekannt gegeben, auf dem Weg zu grünem Stahl auf eine Wasserstoff-Route zu setzen.

Bauprojekt von noch nie dagewesenem Ausmaß

Die neue Stranggießanlage verfügt über eine fortschrittliche Kokille, ein Kühlsystem, das Risse in der Bramme verhindert, eine innovative Temperaturregelung sowie 2.500 Temperaturmesspunkte für einen optimierten Durchfluss und eine kontrollierte Erstarrung der Brammen. Die Temperatur wird mit Glasfasertechnik gemessen – dies ist eine Weltneuheit in der Stahlproduktion. Weitere einzigartige technische Möglichkeiten wie dynamische Soft Reduction und Weich- und Trockenkühlung ermöglichen die Herstellung völlig neuer Stahlsorten. Die Anlage ist äußerst effektiv bei der Vermeidung von kleinen Rissen und anderen Defekten in der Stahloberfläche. Außerdem wird ein Großteil der Abfälle durch Ausbeuteverluste vermieden, die sonst bei der Stahlverarbeitung auftreten können. Da weniger Schrott anfällt, verursacht der Prozess entsprechend weniger Emissionen. Ein weiterer Vorteil der neuen Anlage: Der Zustand aller Anlagenteile kann durch ein System von Sensoren kontinuierlich überwacht werden, so dass eine Wartung genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgen kann. Fortschrittliche, maßgeschneiderte Wartung bedeutet weniger ungeplante Ausfallzeiten sowie eine effizientere Produktion. Darüber hinaus kommen Technologien zum Einsatz, die einen einfachen und sicheren Austausch von Teilen ermöglichen. Mit Inbetriebnahme einer dritten Stranggießanlage kann Tata Steel nun auf zwei Stranggießanlagen kontinuierlich Brammen produzieren, während eine dritte gewartet wird.

Die neue Anlage im Werk IJmuiden ist etwa 35 Meter lang. Zwischen dem Punkt, an dem der flüssige Stahl in die Anlage gegossen wird und dem, an dem die Platte zugeschnitten wird (ein Stockwerk tiefer im Werk), besteht ein Höhenunterschied von etwa 12,5 Metern. Die Brammen, die hier hergestellt werden, sind acht bis 12 Meter lang und 22,5 Zentimeter dick. Für den Bau wurde im Stahlwerk eine Baugrube von 40 Meter Breite, 195 Meter Länge und 14 Meter Tiefe ausgehoben. Für das Fundament wurden 12.000 Kubikmeter Beton gegossen und außerdem rund 2 Millionen Kilo Stahl verarbeitet. Es wurde eine ganze Werkstatt verlagert, Produktionshallen wurden erweitert oder neu gebaut, und eine tragende Säule in dem – sich in normalem Betrieb befindenden – Stahlwerk wurde versetzt, um Platz für die neue Anlage zu schaffen. Für Letzteres erhielt Tata Steel noch während des Baus die niederländische Auszeichnung ‚Nationale Staalprijs 2018‘. Zu Höchstzeiten waren bis zu 200 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz.