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Kennzeichnungstechnik Tintenstrahldrucker lösen Heißprägemaschinen ab

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Irgendwann ist es auch für die bewährteste Technik Zeit, den Ruhestand anzutreten. Ein Hersteller von Kunststoffrohren, Profilen und Bowdenzügen hat sich bei der Produktkennzeichnung von den alten Heißprägemaschinen verabschiedet.

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Der Continuous-Inkjet-Drucker ermöglicht eine berührungslose Kennzeichnung von Bowdenzügen.
Der Continuous-Inkjet-Drucker ermöglicht eine berührungslose Kennzeichnung von Bowdenzügen.
(Bild: Paul Leibinger)

Einer der führenden Hersteller von Kunststoffrohren, Profilen und Bowdenzügen, Binder + Wöhrle, sitzt im Schwarzwald, in Hausach bei Offenburg, wie der Hersteller von Kennzeichnungstechnik Paul Leibinger mitteilt. Im 3-Schicht-Betrieb verarbeiten 60 Mitarbeiter über 800 t Draht pro Jahr. Das Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von über 8 Mio. Euro und zählt namhafte Konzerne wie VW zu seinen Kunden.

Tintenstrahldrucker bringt viele Arten von Kennzeichnungen auf

Die Heißprägemaschinen für die Produktkennzeichnung arbeiteten jahrelang zuverlässig, druckten mit vorgeheizten Prägezeichen auf Kunststofffolien, die sich ablösten und als Schriftbild auf dem Produkt kleben blieben. Sie ließen sich wirtschaftlich betreiben – allerdings nur in einer Zeit, in der auf Produkten wenig Daten erscheinen mussten. „Heute ist das anders“, sagt Klemens Isele, Geschäftsführer von Binder + Wöhrle. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, eine Vielzahl an Produktdaten aufzubringen, unter anderem Produktnummer, Materialkennzeichnung und Produktionsdatum.“ Isele machte sich deswegen auf die Suche nach einem wirtschaftlichen und flexiblen Kennzeichnungssystem.

Er wurde in der Nachbarschaft fündig: In Tuttlingen sitzt ebenfalls ein Weltmarktführer, dieses Mal für industrielle Kennzeichnungssysteme: die Firma Paul Leibinger. Sie stellt den Drucker Jet3up her. Seine Informationen sind nicht wie bei einer Heißprägemaschine festgelegt, sondern lassen sich in Sekundenschnelle verändern – fünfzeilige Kleinschriften, Grafiken, Barcodes und alle gängigen Datamatrix-Codes mit einer Druckhöhe von bis zu 16 mm inklusive.

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Isele sagt: „Wir sind mit den Druckern nun dazu in der Lage, unsere Produkte schneller denn je zu kennzeichnen, und können Produktwechsel schneller realisieren.“ Einstellen lassen sich die Informationen über einen 10,4-Zoll großen Touchscreen, der sich so einfach bedienen lässt wie ein Smartphone.

Produktschonende Kennzeichnung mit dem Tintenstrahldrucker

Anders als die Heißprägemaschine berührt der Drucker das Produkt nicht. Das ermöglicht eine schnelle Kennzeichnung, die zudem produktschonend ist und die Gefahr von Bruchstellen reduziert. Die berührungslose Kennzeichnung beruht auf einem Verfahren namens Continuous Inkjet (CIJ). Es arbeitet im Inneren des zylinderförmigen Druckkopfs, der direkt von oben auf das Produkt blickt, das mit einer Geschwindigkeit von rund 200 m/min aus dem Extruder läuft. Im Druckkopf, der über eine Kopfleitung mit der Hydraulik im Druckergehäuse verbunden ist, schießen 96.000 aufgeladene Tintentropfen pro Sekunde durch eine winzige Düse in Richtung eines Auffangrohrs.

Beim Drucken kommen zwei Ablenkelektroden ins Spiel. Sie verändern die Flugbahn einzelner Tropfen, sodass sie als Bildpunkt auf der Produktoberfläche landen und innerhalb einer Sekunde trocknen. Die restlichen Tropfen fliegen geradeaus in das Fängerrohr und zirkulieren im System.

Die Drucker können mit Geschwindigkeiten von bis zu 600 m/min Schritt halten. Es ist also möglich, die Anlagengeschwindigkeiten zu erhöhen, ohne die Kennzeichnungssysteme zum Nadelöhr werden zu lassen. Mittlerweile kommen dreizehn Drucker in der Produktion von Binder + Wöhrle zum Einsatz.

Überzeugt ist Isele auch von den niedrigen Betriebskosten. Die Drucker verbrauchen mit einer Leistungsaufnahme von rund 30 W weniger Strom als eine Glühbirne. Mit 1 l Tinte drucken sie 160 Mio. Zeichen. Das reicht fast für das gesamte Jahr. Zudem sind die Wartungs- und Reinigungskosten niedrig. Dank eines automatischen Verschlusssystems namens Sealtronic entfallen Reinigungsarbeiten vor dem Produktionsstart. Das Fängerrohr fährt in Produktionspausen auf die Düse und verschließt das System luftdicht. Beim erneuten Start ist das Schriftbild direkt klar und stabil.

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