Suchen

Auslandsmärkte

Türkischer Maschinenbau rettet sich in den Export

| Autor: Stéphane Itasse

Die Türkei kommt kaum noch aus den Schlagzeilen, seitdem einige Militäreinheiten 2016 versuchten, die Regierung zu stürzen. Turbulenzen in Politik und Wechselkurs haben seitdem auch der Wirtschaft zugesetzt. Und doch gibt es Zeichen für eine Erholung.

Firmen zum Thema

Das Interesse an neuen Entwicklungen ist in der türkischen Industrie ungebrochen, wie die Win Eurasia und andere Messen zeigen, trotz der aktuell schwierigen Lage.
Das Interesse an neuen Entwicklungen ist in der türkischen Industrie ungebrochen, wie die Win Eurasia und andere Messen zeigen, trotz der aktuell schwierigen Lage.
(Bild: Win Eurasia)

In Lokalwährung gerechnet geht es mit der Wirtschaft in der Türkei aufwärts: Im dritten Quartal 2018 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – erreichte das Bruttoinlandsprodukt 1013,453 Mrd. Türkische Lira zu laufenden Preisen. Sogar inflationsbereinigt ergibt sich laut Berechnungen der Statistikbehörde Tüik ein Wachstum von 1,6 % im Vergleich zum dritten Quartal 2017. Damit liegt es zwar niedriger als in den Vorquartalen, als noch bis zu 7,3 % erreicht wurden, bleibt aber positiv.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 17 Bildern

Doch politische Turbulenzen haben der Türkischen Lira im vergangenen Jahr deutlich zugesetzt: Kostete ein US-Dollar Anfang 2018 noch 3,78 Lira, musste man zeitweise bis zu 6,92 Lira für die amerikanische Währung bezahlen, gegen Jahresende waren es immer noch 5,27 Lira. Entsprechend anders stellt sich die Wirtschaftskraft der Türkei dar: Im Vergleich zum Vorjahresquartal gab es in Dollar kein Wachstum, sondern einen BIP-Rückgang.

Industrieproduktion in der Türkei ebenfalls rückläufig

Auch der Industrie geht es nicht gut. Die Monatszahlen der Industrieproduktion weisen bis einschließlich November 2018 (neueste Zahlen) meistens ein Minus im Vergleich zum Vormonat auf, nur im April und im Juli ging es aufwärts, im März blieb sie unverändert. Der Indexwert sank von 119 Punkten im Dezember 2017 auf 110,4 Punkte im November 2018 (der Jahresdurchschnitt 2015 wurde für den Index als 100 Punkte definiert).

Ergänzendes zum Thema
Messetipp
Win Eurasia ist Industrietreffpunkt der Türkei

Vom 14. bis 17. März 2019 findet die 26. Ausgabe der Messe Win Eurasia im Istanbuler Messe- und Ausstellungszentrum Tüyap statt. Veranstalter der Industrieschau für die Türkei und die Region Eurasien ist die Deutsche Messe AG über ihre Tochtergesellschaft Hannover Messe Bilesim Fuarcılık.

Bei der vergangenen Ausgabe vom 15. bis 18. März 2018 zogen über 1800 Unternehmen auf 34.600 m² Ausstellungsfläche an den vier Tagen mehr als 75 000 Besucher an, wie die Deutsche Messe AG mitteilt. Die Besucherzahl stieg dabei im Vergleich zum Jahr 2017 um 51,2 %. Die meisten Fachbesucher kamen aus der Türkei, dem Iran, der Ukraine, Deutschland, Bulgarien, Saudi-Arabien, dem Libanon, Algerien, Ägypten und Tunesien. Das Rahmenprogramm setzte sich aus Foren und Seminaren zusammen, bei denen Themen wie Additive Fertigung, digitale Fabrik, Industrie 4.0, Logistik 4.0 und Start-ups behandelt wurden. Auch im laufenden Jahr wollen die Organisatoren die komplette Fertigungsindustrie aus der ganzen Welt unter dem Dach von Industrie 4.0 präsentieren. Gezeigt werde das gesamte Ökosystem, das für die Fabriken der Zukunft benötigt wird, von der Stahlblechbearbeitung bis zur Metallproduktion, von der Automatisierung bis zur Klebe- und Schweißtechnik, von hydraulischen und pneumatischen Antrieben bis zur Intralogistik.

Die Messe will damit den Teilnehmern die Möglichkeit bieten, die technischen Entwicklungen einschließlich Automatisierung, Digitalisierung, Internet der Dinge (IoT) und Augmented Reality zu erleben. Die Vision der künftigen Industrie sollen die Besucher auch auf begleitenden Konferenzen mit Experten diskutieren können.

In dieser Situation ist es nur natürlich, dass sich die Maschinenbauer dem Export zuwenden. Die Vereinigung der türkischen Maschinenexporteure Maib, im Ausland bekannt unter Turkish Machinery, schätzt, dass die Ausfuhr der Branche im vergangenen Jahr um 15,5 % auf 17,1 Mrd. US-Dollar geklettert ist. Die Importe hingegen dürften um 4,7 % auf 26,6 Mrd. Dollar gesunken sein. Die wichtigsten Exportmärkte der türkischen Maschinenbauer waren 2018 Deutschland mit einem Anteil von 14,2 %, die USA (7,4 %), Großbritannien (5,8 %), Italien (5 %) und Frankreich (4,1 %). Auf den weiteren Plätzen folgen Rumänien, Spanien, Algerien, Russland und Polen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45722016)

Über den Autor

 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt