Fertigungsnetzwerk Turbo für die Fertigung

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Mit dem Fertigungsnetzwerk Spanflug lassen sich Dreh- und Frästeile in einer Minute bestellen. CAD-Dateien hochladen, Werkstoff und Lieferzeit auswählen, fertig. Welches Potenzial auch Sie für Ihre Fertigung heben können, wenn es beispielsweise an Fachkräften mangelt, erklären die beiden Gründer Markus Westermeier und Adrian Lewis im Interview.

V. l.: Dr.-Ing. Markus Westermeier, Geschäftsführer Fertigungstechnik & Vertrieb und Dr. Adrian Lewis, Geschäftsführer Softwareentwicklung.(Bild:  Spanflug)
V. l.: Dr.-Ing. Markus Westermeier, Geschäftsführer Fertigungstechnik & Vertrieb und Dr. Adrian Lewis, Geschäftsführer Softwareentwicklung.
(Bild: Spanflug)

Auf den Punkt gebracht, bringt Spanflug den Turbo in die Fertigung. Woher kam der Impuls für die Fertigungsplattform?

Markus Westermeier: Mit unserer Fertigungsplattform möchten wir den aufwendigen Beschaffungsprozess von Fertigungsteilen für Kunden und Lieferanten so schnell und einfach wie möglich gestalten und so die Digitalisierung der Fertigungsindustrie voranbringen. Das war unser oberster Impuls, als die Idee zur Gründung von Spanflug vor fast 7 Jahren entstand. Im Vertrieb eines Lohnfertigers angestellt, sah ich aus erster Hand, wie zeitaufwendig und ineffizient diese Prozesse für beide Seiten oft sind – das musste besser gehen! Zusammen mit meinen Mitgründern Johannes Schmalz und Adrian Lewis setzten wir schon ein Jahr später den Prototypen eines Algorithmus zur Angebotspreisberechnung für Dreh- und Frästeile um. In den letzten zwei Jahren haben wir das Angebot auch für Fertigungsbetriebe entscheidend erweitert, Materialhersteller angebunden und die Lieferkette über mehrere Stufen hinweg auf unserer Plattform tief verzahnt. Wir bringen Angebot und Nachfrage digital zusammen und schaffen dadurch enorme Zeitersparnis. Das ist das eigentliche Potenzial für die Fertigung – und ja, damit bringt Spanflug den Turbo in die Fertigung.

Ein modernes Konzept für eine konservative Branche. Wie holprig war der Start?
Westermeier: Der Start war eigentlich gar nicht holprig. Wahrscheinlich, weil der Kundennutzen unserer Produkte sowohl auf der Fertiger- als auch der Lieferantenseite von Anfang an sehr groß und sofort greifbar war. Natürlich hatten wir viele Lernkurven. Aus dem Verständnis heraus, dass größere Unternehmen oft nur aus ihren eigenen Systemen heraus bestellen, entstand unsere OCI-Anbindung. Auch sahen wir, dass die Branche kein reines Online-Business will, eine intensive persönliche Kundenbetreuung ist daher fester Bestandteil von Spanflug. Wir konnten so nicht nur die Betriebe mit Digitalisierungsmentalität gewinnen, sondern überzeugen über alle Unternehmensgrößen hinweg, vom 2-Mann-Betrieb bis zum großen Maschinenbauunternehmen.

Sie sind selbst mit einem kleinen Team gestartet und mussten mit Ressourcen haushalten. Von welchen Erfahrungen profitieren heute Ihre Partner bzw. Kunden?
Adrian Lewis: Den Druck, digitale Lösungen als Entlastung im täglichen Arbeiten einzusetzen, haben wir bei Spanflug gerade in der frühen Unternehmensphase als Start-up enorm gespürt. Unser damals noch kleines Team musste wertvolle Ressourcen effizient einsetzen. Wir haben von Beginn an auf automatisierte, digitale Prozesse und Tools gesetzt, um genug Ressourcen beispielsweise für Kundengespräche zu haben. Das führen wir auch jetzt fort, obwohl wir mittlerweile mit einem Team aus 40 Mitarbeiter in den Bereichen Softwareentwicklung, Auftragsabwicklung, Vertrieb und Marketing sowie Administration besser aufgestellt sind. So schaffen wir auch für unser weiter angestrebtes Wachstum eine gute Grundlage. Den Fokus auf die Kernaufgaben, für alles andere gibt es Automatisierung und digitale Helfer.

Ist die Angst um Daten die größte Hemmschwelle, sich digitalen Fertigungsplattformen im Allgemeinen zu nähern?
Lewis: Der Sicherheitsbedarf ist da auch bei unseren Kunden natürlich sehr hoch. Kaum ein Zerspanungsbetrieb verfügt jedoch über eigene IT-Fachkräfte. Genau deshalb setzen wir alles daran, den Datenaustausch über unsere cloudbasierte Plattform sicher zu machen und somit einen Teil dieser Aufgaben für unsere Anwender zu übernehmen. Im Vergleich zu CAD-Dateien, die in unverschlüsselten E-Mails zwischen Kunde und Lieferant hin- und hergeschickt werden, bieten wir mit zertifizierten Cloud-Servern in Deutschland, verschlüsselter Datenübertragung und Speicherung sowie strikten Datenzugriffsregeln einen sehr hohen Sicherheitsstandard.

Auf welche weiteren Bedenken stoßen Sie?
Westermeier: Von Anfang an sahen wir das enorme Potenzial aber – gerade bei den KMU – auch die Angst vor langen Implementierungsphasen, großen Investitionen und komplexen Beratungsprojekten. Genau deswegen richten wir unsere Lösungen so aus, dass unsere Kunden direkt in die digitalen Prozesse einsteigen können und davon ab Tag 1 profitieren. Neue Prozesse müssen Erleichterung und Effizienz schaffen, dürfen keine zusätzlichen Ressourcen binden. Deshalb ist Spanflug bewusst keine On-Premise-Software mit Wartungs- und Update-Aufgaben und benötigt auch keine Implementierungsphase, in der Kunden erst einmal einen Datenbestand anlegen müssen. Dieses personelle Know-how steht vielen auch schlichtweg gar nicht zur Verfügung.

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Spätestens 2020, als Lieferketten zusammen-
brachen, die Materialbeschaffung zum Problem wurde und der Fachkräftemangel sich verstärkt hat, kann ich mir reges Interesse an Ihrer Plattform vorstellen …

Westermeier: Die pandemiebedingten Herausforderungen der letzten drei Jahre haben sicher den Bedarf nach effizienten, schlanken Plattformlösungen verstärkt. Wir wollen den digitalen Wandel der Fertigungsindustrie mitgestalten. Dass der Schuh drückt und gehandelt werden muss, war vielen und uns aber auch davor schon bewusst. Deshalb definieren wir uns über einen Lösungsansatz, der Kunden nicht nur durch herausfordernde Zeiten hilft, sondern die Fertigung nachhaltig effizienter gestaltet, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Fertiger sahen sich übrigens am Beginn der Pandemie nicht nur durch Lieferketten- und Fachkräfteengpässe ausgebremst, sondern kämpften auch mit Umsatzeinbrüchen durch Unsicherheiten im Markt. Auch unsere Entwicklung wurde von dieser rezessiven Phase überlagert. Trotz allem können wir aber stolz auf einen stetigen Wachstumskurs blicken.

Wie haben Fertigungspartner und Einkäufer mit Teilebedarf Corona mit Ihnen erlebt?
Westermeier: Das Jahr 2020 war in der Industrie zunächst einmal weniger von Fachkräftemangel und Materialknappheit als eher vom Auftragsrückgang geprägt. Das Bruttoinlandsprodukt stürzte um 20 bis 30 Prozent und schickte auch im Maschinenbau halbe bis ganze Belegschaften in die Kurzarbeit. Der rasche und starke Pendelausschlag in eine überhitzte Phase mit Nachfragesprung kollidierte dann ab 2021 jedoch mit Lieferengpässen. Darauf kann innerhalb weniger Monate keiner so schnell reagieren oder dies allein abfedern. Die „Verteilung von Last“ – das Ausbalancieren und Umverteilen von Aufträgen und Ressourcen – ist meiner Meinung nach hier ausschlaggebend. Wir sind überzeugt, dass dies gemeinsam besser klappt und es dafür eine das Gesamtsystem überblickende und sortierende Instanz braucht – eben eine intelligente und verzahnte Plattform.

Wie ist Ihnen diese Zeit im Gedächtnis geblieben?
Westermeier: Im Sommer und Herbst 2020 standen wir beim Besuch neuer Fertigungspartner oft in leeren Werkshallen, die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Schon bei den Folgebesuchen sah ich dann eine rasche Änderung – auch dank unserer Fertigungsaufträge, welche die Umsätze zu stabilisieren halfen. Die Suche nach Zerspanernachwuchs bleibt indes aber weiter eine Herausforderung. Bei den Maschinenbau-Einkaufsabteilungen mit Teilebedarf, an denen in den letzten Monaten mehr denn je der Gewinn aus sich wieder füllenden Auftragsbüchern zu hängen scheint, setzte indes eine enorme Arbeitsüberlastung ein. Neue Lieferanten aufbauen, Preisverhandlungen, Krankenstand. Wer da nicht neue Mitarbeiter rekrutieren konnte oder wollte, dem blieb nur, zu jonglieren oder eben zu digitalisieren. Unsere Kunden berichten uns immer wieder von genau diesen Entwicklungen und davon, wie Spanflug sie entlastet. Und dann wird es dem Medizintechnikunternehmen auch möglich, noch am 24. Dezember ein Angebot einzuholen und sofort zu bestellen. Für beide Seiten – die Fertiger und die Unternehmen mit Teilebedarf – bieten wir mit der Spanflug-Plattform also effiziente und vor allem nachhaltige Lösungen, mit denen man auch morgen noch agil und wettbewerbsfähig sein kann.

Greifen Unternehmen auch gezielt auf Spanflug zurück, wenn es an Fachkräften mangelt?
Lewis: Da möchte ich noch einmal anknüpfen an meinen Punkt mit den eigenen Erfahrungen: Mit begrenzten Ressourcen und Teampower ein Projekt anzugehen, das trifft ja gleichermaßen auch auf schwankende Verfügbarkeiten von Fachkräften im Maschinenbau zu. Administrative Prozesse abseits der Kernaufgaben gerade jetzt zu digitalisieren und auf externe Unterstützung, wie auf die Spanflug-Fertigungsplattform, zurückzugreifen, wird unmittelbar Entlastung schaffen und kann auch dabei helfen, den Fachkräftemangel abzufedern.

Welche Erfahrungen gibt es hier?
Westermeier: Sowohl Fertigungsbetriebe als auch Einkauf profitieren mit Spanflug von schlanken, schnellen Prozessen. Beide Seiten werden im administrativen Bereich entlastet und können sich so auf ihre eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren. Im Fall des Zerspanungsbetriebs ist es vielleicht der Geschäftsführer, der mit seiner langjährigen Erfahrung der Einzige ist, dem die Kalkulation von Angebotspreisen bei Kundenanfragen obliegt, was ihn von wichtigeren Aufgaben eines Geschäftsführers abhält. Oder der einzige CAM-Programmierer, der stundenlang in Simulationen feststeckt für eine maximal 30-prozentige Angebotserfolgsquote. Hier können wir wichtige Mitarbeiter entscheidend entlasten. Genauso entlasten wir den operativen Einkäufer, der zur gesicherten Beschaffung von Bauteilen für das neue Produkt ein umfassendes neues Lieferantennetzwerk recherchieren und aufbauen müsste, zugleich aber Kostendruck und Lieferengpässe zu bewältigen hat. Spanflug findet für ihn den passenden Lieferanten mit freier Kapazität und das spart ihm enorm viel Zeit.

Hat sich das Problem seit Ihren Anfängen verstärkt und welche Entwicklungen beobachten Sie seitdem?
Westermeier: Der Mangel an Fachkräften und die Arbeitsbelastung hat sich durchaus weiter verstärkt. Immer häufiger können Betriebe Aufträge nicht annehmen – aus den oben angesprochenen Kapazitätsengpässen oder weil ihnen schlichtweg Fachkräfte für spezielle Fertigungsverfahren fehlen.

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und die größten Chancen in der Teilebeschaffung?
Lewis: Das ist eine komplexe Frage. Mit einem Perspektivenwechsel vom Einkäufer zum Fertigungsunternehmen bzw. andersherum kann durchaus jede Hürde zur Chance werden. In der Beschaffung kann der Einkauf in verteilten Fertigungsnetzen vor der Haustür Abhängigkeiten von unsicheren Lieferketten und hohen Logistikaufwänden auflösen. Dies wäre zugleich eine Chance
für die Fertiger in der DACH-Region, vorausgesetzt, sie können beim Fachkräftemangel jetzt aufholen.

Westermeier: Wir gehen daher in der Frage noch mal einen Schritt weiter: Nicht nur wo (regional) soll beschafft und produziert werden, sondern wie lassen sich Aufträge und Kapazitäten auf den am besten geeigneten Fertiger entsprechend seinem Kompetenzprofil kanalisieren. Das intelligente Aufteilen von Lasten kann dann durchaus auch mit in Betracht ziehen, welche personellen Ressourcen einem Betrieb zur Verfügung stehen. Die Gesamteffizienz der Fertigung steigt dann dadurch, dass z. B. ein Dreher vorrangig mit Aufträgen zu einem bestimmten Bauteiltyp oder Verfahren ausgelastet wird, für das er nicht nur das benötigte Material im Lager und die passenden Maschinen frei hat, sondern ihm auch die Fachkräfte zur Verfügung stehen. Diese Kanalisierung erleichtert den Automatisierungsgrad und steigert die Kosteneffizienz (angefangen von Maschineninvestitionen bis hin zu Umrüstkosten für Werkzeuge). Und davon profitieren auch die einkaufenden Unternehmen – sowohl im Preis als auch durch Schnelligkeit.

Was liegt für die Zukunft an?
Westermeier: Wir arbeiten mit viel Energie weiter an unserer Plattformvision, der effizienten Verzahnung von Angebot und Nachfrage in der Fertigung über mehrere Stufen der Lieferkette. Mit unserem technologisch führenden Algorithmus zur CAD-Analyse und Fertigungsplanung können wir für nahezu jedes Bauteil die administrativen Prozesse rund um die Fertigung und die Beschaffung von Fertigungsteilen effektiv automatisieren. Von der Preiskalkulation über die Materialbeschaffung bis zu maßgeschneiderten Informationen, die für eine effiziente Auftragsbearbeitung relevant sind – wir möchten, dass sich jeder auf seine Kernkompetenz fokussieren kann. Den effizientesten Einsatz der wertvollsten Ressourcen zu finden, Lasten auszugleichen und Stillstände zu vermeiden – daran arbeiten wir

Ergänzendes zum Thema

Dr.-Ing. Markus Westermeier (l.) ist Geschäftsführer Fertigungstechnik & Vertrieb bei der Spanflug Technologies GmbH. Er hat an der TUM promoviert und leitete dort die Abteilung Spanende Werkzeugmaschinen.

Dr. Adrian Lewis ist Geschäftsführer Softwareentwicklung bei Spanflug. Er hat an der University of Oxford in experimenteller Teilchenphysik promoviert und war nach seiner Promotion als Software Engineer tätig.

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