Umformöle

Verkannte Genies der Umformtechnik

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Ein Additiv bereitet dabei besonderes Kopfzerbrechen: das Chlor. Sein Vorteil besteht darin, dass die Aktivierungstemperatur relativ niedrig liegt, und chlorierte Öle gelten auch als leistungsstarke Schmierstoffe. Allerdings können sich beim Verbrennen Dioxine („Seveso-Gift“) bilden. „Sobald Sie 0,1 % Chlor im Altöl haben, muss es bei mindestens 1100 bis 1200°C verbrannt werden. Die Entsorgung ist dann um das Vier- bis Sechsfache teurer“, erläutert Noack.

Neuartige Umformschmierstoffe kommen ohne Chlor als Additiv aus

Um seinen Kunden die teure Entsorgung chlorhaltiger Abfälle zu ersparen, hat Raziol eine neue Schmierstoffreihe unter der Bezeichnung CEP (für Chlorersatzprodukt) für klassische und CEP-E für wassermischbare Umformschmierstoffe auf den Markt gebracht. Sie haben weitgehend die gleiche Leistung wie konventionelle, chlorhaltige Schmierstoffe, wie Noack berichtet, auch wenn er einschränkt: „Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass die CEP-Produkte immer ein hundertprozentiger Ersatz für chlorhaltige Mittel sind, es wird immer Ausnahmen geben.“ Dafür haben die chlorfreien Umformöle eine Reihe von Vorteilen: Es ist keine Transportkennzeichnung nach ADR notwendig, es besteht keine oder nur eine geringe Gesundheitsgefährdung sowie keine Umweltgefährdung nach der GHS/CLP-Verordnung, das Umformöl kann zu geringen Kosten als normales chlorhaltiges Altöl entsorgt werden und die neuartigen Produkte ermöglichen Arbeitgebern die Einhaltung von §7 der Gefahrstoff-Verordnung (Austausch gefährlicher Arbeitsstoffe).

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Genau hinschauen muss man aber bei biologisch abbaubaren Schmierstoffen. Die früher als Bioöle (heute nicht mehr zulässig) bezeichneten Schmierstoffe suggerierten, „dass man es mit einem guten, natürlichen, gesunden oder umweltfreundlichen Öl oder Schmierstoff zu tun hat, da er aus Pflanzensamen et cetera gewonnen wurde“, sagt der Leiter von Raziol Lubrication. Sicher kann man sein, wenn der Anbieter entsprechende Untersuchungen vorlegen kann, in denen die biologische Abbaubarkeit nach 28 Tagen belegt ist. Solche Öle sind zwar schon seit der Antike bekannt, doch den heutigen Ansprüchen genügen sie meist nicht. Durch synthetische Modifizierung von nativen chemischen Verbindungen kann man ähnliche Produkte, jedoch mit gezielten Eigenschaften im Hinblick auf die heutigen Anforderungen erzeugen, die weiterhin über ein gutes Umweltverhalten verfügen. Auch hier lässt sich die biologische Abbaubarkeit ermitteln.

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