Polymere Rohstoffkrise Verpackungshersteller in Rohstoffnot! Das könnte gefährlich werden

Redakteur: Peter Königsreuther

Herstellern von Kunststoffverpackungen gehen die Rohstoffe aus. Immer teurer werden diese auch noch. Eine Blitzumfrage der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen beleuchtet die prekäre Situation.

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Preisexplosion! Das sind die gewichteten Mittelwerte in Sachen erfahrener prozentualer Preissteigerungen für Kunststoffe im 1. Quartal 2021. Es drohen Lieferausfälle im Verpackungsbereich, befürchtet die IK.
Preisexplosion! Das sind die gewichteten Mittelwerte in Sachen erfahrener prozentualer Preissteigerungen für Kunststoffe im 1. Quartal 2021. Es drohen Lieferausfälle im Verpackungsbereich, befürchtet die IK.
(Bild: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen)

Rund 85 Prozent der Befragten klagen demnach über eine schlechte bis sehr schlechte Versorgungslage aufgrund fehlender Rohstoffe und über eine regelrechten Preisexplosion. Dies betrifft insbesondere die Kunststofftypen PP (+47 Prozent), HDPE (+46 Prozent), LDPE (+50 Prozent und PA (+33 Prozent), um nur einige zu nennen. Innerhalb von 24 Stunden haben 75 Unternehmen an der Umfrage ihres Branchenverbandes teilgenommen, informiert die IK. „Die Kunststoffverpackungs-Hersteller sind alarmiert und machen sich große Sorgen“, fasst IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann die Lage zusammen. Die Umfrageergebnisse belegen nun eine Verschlechterung der Rohstoffversorgung im Vergleich zum Jahresbeginn. Ein Ende sei nicht in Sicht. Mit Lieferausfällen in den nächsten vier Wochen rechnen laut IK über die Hälfte der Befragungsteilnehmer. „Wenn die Produktion von Verpackungen mangels Rohstoffen still steht, gefährdet das auch die systemrelevante Versorgung der Bevölkerung. Man denke an sicher verpackte Lebensmitteln und nicht zuletzt an medizinische Produkten“, gibt Engelmann zu bedenken. Man appelliert deshalb eindringlich an alle Partner in der Kunststoff erzeugenden Industrie, dass sie die Verpackungshersteller in Deutschland in dieser Krise nicht hängen zu lassen dürfen.

Extrem angespannte Rohstofflage im Kunststoffsektor

Die steigende Zahl von zumeist sehr kurzfristig erklärten Force-Majeure-Meldungen durch die Rohstofflieferanten in Deutschland und Europa verschärfen die Situation zusätzlich, heißt es weiter. Acht von zehn Verpackungsherstellern in Deutschland seien derzeit von einem oder mehreren Force-Majeure-Fällen betroffen. „Die Rohstoffverknappung hat viele Kunststoffverarbeiter im Prinzip kalt erwischt“, führt Engelmann weiter aus. Noch im Herbst 2020 hatte man mit einer stabilen Versorgung gerechnet. Doch Ende November/Anfang Dezember konnte man das Dilemma schon ahnen. Als Grund der angespannten Versorgungslage für Verpackungshersteller wird die unerwartet schnelle Erholung und Nachfrage im Automobilbereich angesehen, aber auch aus anderen Industriezweigen sowie gleichzeitig ausbleibende Rohstoffimporte aus den USA und Saudi-Arabien. Letztere würden vor allem nach Asien umgelenkt. Anlagenausfälle in sturmgebeutelten Texas sowie Force-Majeure-Erklärungen der Rohstoff-Lieferanten in Europa täten ihr Übriges.

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