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Digitalisierung Vom Serienfertiger zum Lösungsanbieter bis Losgröße 1

| Autor: Stefanie Michel

Kleine Losgrößen am Standort Deutschland produzieren: Das ist schon heute wirtschaftlich möglich, die Digitalisierung erleichtert es zunehmend. Der Automatisierungshersteller SMC zeigt, wie sich eine Fertigung hin zu Losgröße 1 wandeln kann.

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Die Rolle der Digitalisierung, um in Losgröße 1 zu produzieren, ist hoch. „Sie ist ein Muss, weil wir einfach durch die vielen kleinen Losgrößen darauf angewiesen sind, dem Mitarbeiter immer die bestmöglichen Informationen zur Verfügung zu stellen“, so Pulter.
Die Rolle der Digitalisierung, um in Losgröße 1 zu produzieren, ist hoch. „Sie ist ein Muss, weil wir einfach durch die vielen kleinen Losgrößen darauf angewiesen sind, dem Mitarbeiter immer die bestmöglichen Informationen zur Verfügung zu stellen“, so Pulter.
(Bild: Olaf Hermann)

Die deutsche Niederlassung von SMC in Egelsbach ist modern ausgestattet – nicht nur die Büroräume, sondern auch die Fertigung. Der überwiegend neue Maschinenpark beweist, dass man hier stetig investiert und auf den Fertigungsstandort Deutschland setzt. Produktionsleiter Marius Pulter erklärte uns im Interview, warum sich die Fertigung hier in den letzten Jahren gewandelt hat und wie man sich auf zukünftige Anforderungen vorbereiten will.

Wir sehen hier in der Fertigung zahlreiche Lager, auch mit Rohmaterial. Wie hoch ist die Fertigungstiefe?

Egal ob Stahl- oder Aluminiumkomponenten: das wird alles bei uns im Haus gefertigt und zwar ab Losgröße 1. Bei den Ventilinseln können wir auch überwiegend kleinere Losgrößen fertigen. Aber hier sprechen wir von Variantenkonfektionierung: Wir stellen zwar nicht die Ventile selbst her – sie kommen aus Japan –, sondern wir konfigurieren die Ventilinseln so, wie es der Kunde benötigt.

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Ist man am Standort Egelsbach also ziemlich autark, um viele unterschiedliche Produkte zu fertigen?

Ja, dafür nutzen wir natürlich auch unsere Lieferanten innerhalb Europas und ganz besonders die Produktionsstandorte in Japan. Japan beliefert uns mit unseren Standardprodukten, wie die Ventile oder die Bussysteme. Die Konfiguration findet dann bei uns statt. In Deutschland fertigen und montieren wir vor allem aber auch die kundenindividuellen Produkte, die eben vom Standardprodukt abweichen können, für den Kunden aber die ideale Lösung und einen Mehrwert darstellen.

Wie können Sie kleine Losgrößen bis Losgröße 1 letztendlich produzieren?

Wir haben einen Mix an Maschinen: Maschinen für größere und solche für kleinere Losgrößen. Das ist mit Sicherheit nicht vollautomatisiert für eine Stückzahl von Hunderttausenden, aber es genügt, um wirtschaftlich auf der einen Maschine Losgrößen bis zu 20 und auf einer anderen 20 bis 100 oder 100 bis 1000 zu fertigen. Im Prototypenbau werden sowohl die Versuchsmuster als aber auch die Erstserien gefertigt; somit können wir auch sehr gut Los 1 produzieren. Dafür haben wir verschiedene Maschinentypen sowohl im Dreh- als auch im Fräsbereich und natürlich auch gut qualifizierte Fachkräfte, welche wir auch hier am Standort Egelsbach selbst ausbilden

An diesem Standort produzierte man früher eher Großserien. Was war der Grund für die Veränderung hin zu kleinen Losgrößen?

Das waren vor allem die veränderten Anforderungen unserer Kunden: Der Kunde wollte bestimmte Veränderungen an einem Zylinder oder einer Baugruppe, und das auch in unterschiedlichen Losgrößen und mit einer kurzen Lieferzeit. Wir mussten uns daher einfach weiterentwickeln, damit wir dem Anspruch gerecht werden. Vor etwa 15 Jahren war eine Sonderkomponente noch eine Rarität in der Produktion. Dann haben wird bemerkt, dass das Jahr für Jahr zunimmt. Vor etwa zehn Jahren haben wird dann tatsächlich begonnen, den Maschinenpark nach und nach zu verändern. Der große Sprung kam dann 2014 mit der Expansion von SMC in Deutschland.

Mit welchen Veränderungen hat man zunächst auf die neuen Anforderungen reagiert?

Wir haben zuerst einfach in kleinen Losgrößen produziert und dafür unseren eigenen Betriebsmittelbau genutzt. Für individuelle Kundenwünsche musste zum Beispiel auch eine spezielle Endmontagemaschine gebaut werden. Das haben wir natürlich wegen der kleinen Losgrößen selbst gebaut. Aber für komplexere Produkte war es irgendwann einfach nötig, den Maschinenpark zu erneuern.

Ist die Digitalisierung für Sie ein Hilfsmittel, um Losgröße 1 überhaupt realisieren zu können?

Sie ist ein Muss, weil wir einfach durch die vielen kleinen Losgrößen darauf angewiesen sind, dem Mitarbeiter immer die bestmöglichen Informationen zur Verfügung zu stellen: welches Rohmaterial braucht er, wie wird das Werkstück gespannt, welche Werkzeuge und welche Vorrichtungen werden benötigt? Aus der Vergangenheit kommen wir mit sehr, sehr viel Papier und die Zukunft sind einfach Tablets und ein komplettes MES.

Welche Vision haben Sie von Ihrer Fertigung in zwei Jahren?

Die Vision sieht so aus, dass wir tatsächlich zwischen einem ERP-System, einem MES und einem PLM eine Durchgängigkeit der Informationsströme haben, mit wenig Medienbrüchen, und somit den Mitarbeiter mit einer oder maximal zwei Datenbanken, die die angrenzenden Informationen zur Verfügung stellen, unterstützen können.

Der Maschinenpark in der Produktion bei SMC ist ziemlich neu. Planen Sie, diesen Maschinenpark in der nächsten Zeit weiter aufzurüsten, um noch besser auf kleine Stückzahlen eingestellt zu sein?

Wir planen tatsächlich, noch weiter aufzurüsten. Die Idee ist, noch mehr zu automatisieren, um die Produktionszeit zu minimieren und die Fertigungstiefe noch weiter ausbauen zu können. Deshalb werden wir mit Sicherheit noch etwa 5 bis 6 Projekte in den nächsten 1 bis 2 Jahren umsetzen.

SMC Deutschland auf der Motek 2018: Halle 8, Stand 8312

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt