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120 Jahre MM MaschinenMarkt

Von den Besten lernen:„Meilensteine der Industrie“

| Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Kuntze und Frank Jablonski / Frank Jablonski

In den 60er-Jahren eine hochmoderne Zeitschriftenproduktion: die Druckerei des Vogel-Verlags in Würzburg.
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In den 60er-Jahren eine hochmoderne Zeitschriftenproduktion: die Druckerei des Vogel-Verlags in Würzburg. (Bilder: VBM-Archiv)

Innovationen fallen nicht vom Himmel: Einschneidende Entwicklungen sind immer auch das Ergebnis harter Arbeit und klugen Managements. Der MM MaschinenMarkt beleuchtet anlässlich seines 120-jährigen Bestehens in einer großen Serie „Meilensteine der industriellen Entwicklung“.

Es war zu Kaisers Zeiten, als Väter ihre Söhne noch oft Wilhelm hießen. Just hatte Thomas Alva Edison in New York seinen ersten Guckapparat Kinetoskop vorgeführt; in London wurde die Tower Bridge für den Verkehr freigegeben; ein Berliner Lampenhersteller trug sich als erster ins neue Markenregister des Kaiserlichen Patentamtes ein – modern times!

Moderne Zeiten verlangen neue Methoden, dachte sich fernab dieser Zentren im thüringischen Pößneck ein kluger 34-Jähriger. Carl Gustav Vogel sah den mit Macht erblühenden Maschinen- und Anlagenbau, erkannte seinen steigenden Bedarf an Kommunikation, studierte die Konkurrenz, prüfte wohl auch seine Ressourcen und ersann: ein neues Medium namens „Maschinenmarkt“ im „Wechselversand“. Warum nicht, so seine Idee, mit einer Zeitschrift eine ganze Branche vernetzen, ihr Möglichkeit zur „Reklame“ zu geben, ohne jeden Leser permanent zu beliefern? Seine Lösung: Ich beliefere wöchentlich unterschiedliche Ansprechpartner in möglichst vielen Unternehmen und erreiche damit monatlich alle relevanten Entscheider in meiner Zielgruppe!

Das war, so sollte sich herausstellen, eine echte Innovation. „Nicht nur technisch objektive Kriterien entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, sondern auch gesellschaftliche und historische.“ Das hat Reinhold Bauer, Innovationsexperte und Technikhistoriker der Uni Stuttgart kürzlich in einem Brand 1-Interview zur Erfolgswahrscheinlichkeit von neuen Produktideen gesagt. Carl Gustav Vogel war kein First Mover, eher Early Adopter. Es hatte schon vorher Zeitschriften für die Industrie, für den Maschinenbau gegeben, bald kamen andere heraus. Viele hatten eine zu geringe Marktdurchdringung, andere wie die deutsche Lizenzausgabe des „American Machinist“ transportierten für deutsche Unternehmen genau das Falsche: aggressive Werbung für die durch geringe Gewichtszölle bevorteilte Konkurrenz aus Übersee.

Ein starkes Medium

Dass sich Unternehmen wie Siemens in Berlin komplett mit Werkzeugmaschinen aus den USA ausrüsteten, rief nationalen Widerstand hervor. Gerade gegen die hohen Schutzzölle auf Exporte deutscher Maschinen kämpften die ersten Maschinenbauverbände wie der VDW. Deren Gründungsmitglieder stritten zudem um den rechten Umgang mit öffentlichen Ausschreibungen, über gerechte Lieferbedingungen für Leitspindel-Drehbänke und auch – seinerzeit kein unwichtiges Thema – über weniger Bierkonsum am Arbeitsplatz. Was sie für ihre Lobbyarbeit brauchten, war ein Verstärker, ein starkes Medium, das ihre Sprache sprach und alle erreichte. Das war der MM, ein Meilenstein für die Industrie. Heute, 120 Jahre später, ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau Schlüsseltechnologie und Wirtschaftsmotor. Mit einem Umsatz von mehr als 200 Mrd. Euro und fast einer Million Arbeitnehmer größter industrieller Arbeitgeber. Dazu Exportweltmeister, denn rund zwei Drittel der Produktion gehen ins Ausland. Warum? Was waren die Ursachen dieser deutschen Erfolgsgeschichte, wie sie amerikanischer nicht klingen könnte? Weil es viele Meilensteine wie den MM in der deutschen Industrie gab! Pioniergeist, Erfindungen, Verbesserungen, unternehmerischen Wagemut in schwierigen strategischen Momenten.

Deshalb will sich der MM anlässlich seines Jubiläums zum 120-jährigen Bestehen nicht selbst würdigen, sondern die Innovationsfreude der Industrie beleuchten. Mehr als ein Jahr lang stellen wir in einer großen crossmedialen redaktionellen Serie „Meilensteine der Industrie“ vor. Als Meilensteine gelten uns wegweisende Entwicklungsschritte oder Weiterentwicklungen in der Industrie. Dabei kann es sich um technologische, prozessorientierte, logistische oder – ganz im Genius unseres Gründervaters – vertriebliche Erfindungen oder maßgebliche Weiterentwicklungen handeln, die 120 Jahre Industriegeschichte mitgeprägt haben – und damit auch die Berichterstattung des MM MaschinenMarktes.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zu den Hidden Champions.

Inhalt des Artikels:

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