In-Mould-Decoration (IMD) auf der K 2019

Von der Dekorfolie direkt zum 3D-Bauteil

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Polycarbonatfolie imitiert 3D-Strukturen

Leonhard Kurz ist der Marktführer bei Transferprodukten für die Oberflächengestaltung von Kunststoffteilen. Über die traditionellen Heißprägefolien und die IMD-Folien hinaus bietet Kurz ein weites Spektrum an Spezialeffekt- bzw. Funktionsdekoren an. Beispielsweise so genannte PMD (Print Mould Design)-Folienbauteile. Es sind dies glasklare Polycarbonatfolien, die auf beiden Seiten mit einem präzise aufeinander abgestimmten Design bedruckt werden. Dadurch lassen sich Dekors mit 3D-Anmutung darstellen. Wegen der relativ hohen Steifigkeit und der hohen Erweichungstemperaturen eignen sich die PC-Folien nicht für die Direktverarbeitung auf der Spritzgießmaschine, sondern müssen außerhalb derselben durch Tiefziehen und nachfolgende Bearbeitungsschritte zu Einlegteilen konfektioniert werden. Im Spritzgießwerkzeug hinterspritzt werden daraus Armaturen- oder Mittelkonsolen für Automobile (Bild 1).

Bild 1: Dekor- und Funktionsbeschichtungen, wie sie bei Leonhard Kurz entwickelt und produziert werden, ermöglichen es, neue Designkonzepte wirtschaftlich umzusetzen: hier am Beispiel einer variierbar sowie dimmbar hinterleuchteten Pkw-Türblende.
Bild 1: Dekor- und Funktionsbeschichtungen, wie sie bei Leonhard Kurz entwickelt und produziert werden, ermöglichen es, neue Designkonzepte wirtschaftlich umzusetzen: hier am Beispiel einer variierbar sowie dimmbar hinterleuchteten Pkw-Türblende.
(Bild: Kurz)

Das IMD-Rollendurchzugsverfahren, bei dem Polyesterfolien verarbeitet werden, als auch das PMD-Folien-Einlegeverfahren sind keine Universallösungen für Dekoraufgaben. Sie unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der Anwendungsgrenzen als auch der Kosten. So lassen sich die, von der Rolle weg verarbeiteten IMD-Polyesterfolien innerhalb eines Spritzgießzyklus nur in relativ engen Grenzen dreidimensional verstrecken. Um einen weiteren Schritt in Richtung dreidimensionaler Designübertragung zu gehen, wurden Verfahrenskombinationen von Kurz intelligent prozesstechnisch zusammengeführt und hieraus das „Einschritt-Varioform-IMD-Rolle zu Rolle Verfahren“ entwickelt.

Martin Hahn, verantwortlich für den Bereich Application, Technologie & Innovation, erläutert: „Durch diese applikationstechnische zusätzliche Technologieentwicklung eröffnet sich ein breites Spektrum in der Auswahl der Foliensysteme im Schulterschluss mit den Spritzgießsubstratmaterialien (etwa PP, ABS-TPU). Dadurch ergeben sich neue Variationsmöglichkeiten auch im Bauteilaufbau bei gleichzeitiger Nutzung einer vielseitigen Designperspektive, sowie unter der wirtschaftlichen Betrachtung mittels einem „One Shot Rolle zu Rolle IMD –Verfahren“ eine noch größeren 3D-Formbarkeit zu erreichen.

Alle Systemkomponenten aus einer Hand

Designwechsel erfolgen analog zum Standard-IMD-Verfahren durch einfaches Austauschen der Folienrolle. Ebenso können verschiedenste Einzelbild- und Endlosdekore, sowie Funktionsfolien verarbeitet werden. Dadurch sind nun auch besonders hochwertige Oberflächengestaltungen wirtschaftlich machbar. IMD-Varioform bildet somit ein weiteres Bindeglied in der Kurz Applikationstechnologie.

Prozesse und Applikationstechnik sind für Kurz mit entscheidend für den Erfolg. Dementsprechend wurde das Anwendungstechnikum Spritzgießen um eine darauf ausgerichtete Versuchs- und Testanlage erweitert. „Dabei haben wir uns nach einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse für zwei Spritzgießzellen von Wittmann Battenfeld entschieden,“ so der bei Kurz verantwortliche Projektleiter Fabian Bürkel. Den Ausschlag dafür gab laut Bürkel deren „All-in-one“-Konzept, was den Vorteil mit sich bringt, dass zur Spritzgießmaschine alle Peripheriesysteme, wie Handlingroboter, Teileförderanlage, die Materialförderung, die Werkzeug-Temperiergeräte, sowie die lückenlose Reinraum-Einhausung auch aus der Wittmann-Gruppe stammen. Deshalb ist alles bestens aufeinander abgestimmt und zusätzlich über die Wittmann-4.0-Softwaretools auch nach außen hin vernetzbar. (Bild 3).

Bild 3: Leonhard Kurz hat seine Applikations- und Versuchskapazitäten durch zwei „All-in-one“-Produktionszellen auf Basis der Smartpower-Spritzgießmaschinen mit 2100 und 1200 kN Schließkraft von Wittmann Battenfeld erhöht.
Bild 3: Leonhard Kurz hat seine Applikations- und Versuchskapazitäten durch zwei „All-in-one“-Produktionszellen auf Basis der Smartpower-Spritzgießmaschinen mit 2100 und 1200 kN Schließkraft von Wittmann Battenfeld erhöht.
(Bild: R. Bauer)

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