Umformtechnik

Von der Dorfschlosserei zum Wegbereiter der Umformtechnik

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Inspiriert von den Exponaten der ersten Weltausstellung 1851 in London, die von der königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel käuflich erworben und nach Württemberg importiert wurden, zeigte sich Schuler insbesondere von den Blechbearbeitungsmaschinen angetan. Im Musterlager der Zentralstelle untersuchte und inspizierte er 1852 die Anlagen bis ins Detail. Im Bau solcher Maschinen sah er fortan seine Zukunft. Die dafür notwendigen Fertigungsmittel konnten beschafft werden. Das Unternehmen Schuler florierte.

Die zweite Generation Schuler verhalf dem Unternehmen zu Weltgeltung

Ein entscheidendes Jahr war dann 1854, als der Sohn des Firmengründers, ebenfalls mit Namen Louis Schuler, als nicht ganz 14-Jähriger bei seinem Vater in die Lehre kam. Der Schlosserei konnte er jedoch nicht viel abgewinnen.

Mit allen handwerklichen Weihen ausgestattet zeigte Louis der Jüngere, wie er heute noch genannt wird, auch unternehmerische Fähigkeiten. Keine Frage: Blech bestimmte bei den Schulers schon immer die Aktivitäten. Doch neben kleineren Blechbearbeitungsmaschinen wurden zwischendurch Obstpressen und andere nützliche Apparate gebaut und erfolgreich vertrieben.

Das Unternehmen wuchs und wuchs. 1884 nahm Louis der Jüngere die Geschicke des Unternehmens in seine Hände – der Vater und Firmengründer verabschiedete sich in den wohlverdienten Ruhestand. Der Sohn schrieb die Erfolgsgeschichte von Schuler fort. Auf neue Verfahren der Umformtechnik wurden zahlreiche Patente angemeldet, so beispielsweise eines zu „Neuerungen an Lochwerken, Scheren und dergleichen für den Handbetrieb“. Das war 1878.

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Graf Zeppelin konnte von Göppingen aus weiterfliegen und bedankte sich mit Aufträgen

Es war noch eine gemütliche Zeit, so um 1909. Die Technik war faszinierend, auch wenn sie nicht immer so funktionierte, wie sie sollte – zumindest, was damals die Fliegerei anging. So begab es sich, dass Graf Zeppelin in Göppingen unweit der Schuler-Fabriken eines seiner Luftschiffe aus irgend einem Grunde notlanden musste. Schuler-Mitarbeiter legten Hand an das havarierte Luftschiff, bekamen es wieder flott und dem Weiterflug von Graf Zeppelin stand nichts mehr im Wege. In einem Schreiben vom 9. Juni 1909 bedankte sich Dr.-Ing. Dr. Graf von Zeppelin höchstpersönlich für die großartige Unterstützung durch die Schuler-Mitarbeiter. Er wünschte sich darin eine dauerhafte Geschäftsverbindung zum Göppinger Unternehmen. 1939 kamen denn auch die Aufträge aus Friedrichshafen über ein Volumen von 400.000 Leichtmetallstreben für ein modernes Luftschiff, die auf Schuler-Pressen gestanzt, gezogen und beschnitten wurden.

Erste Transferpresse der Welt auf Pariser Weltausstellung gezeigt

Das erste große Exportgeschäft wurde 1895 durch die Lieferung der ersten Münzprägepressen nach China abgewickelt. Noch heute ist Schuler bei Münzprägepressen weltweit führend. Das Unternehmen prosperierte weiter. Zur Weltgeltung kam Schuler dann endgültig mit der Pariser Weltausstellung 1900. Dort zeigte der schwäbische Maschinenbauer die erste Transferpresse der Welt. Nun ging es auch mit dem Umformpressenbau Schlag auf Schlag.

Als Louis Schuler der Jüngere 1913 verstarb, hinterließ er ein erfolgreiches und expandierendes Unternehmen, das mittlerweile auf rund 1600 Mitarbeiter angewachsen war. Die dritte Generation bestimmte bis 1934 den Weg. Ab da an lagen die Geschicke wiederum in der Hand eines Louis Schuler und damit nunmehr in der vierten Generation.

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