Umformtechnik

Von der Dorfschlosserei zum Wegbereiter der Umformtechnik

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Der Umformmaschinenbauer ist von einer hohen Dynamik geprägt

Aus Unternehmenssicht machten Größe, Konstellation und Internationalisierung des Schuler-Konzerns 1999 den Börsengang unumgänglich. Schuler wurde zwischenzeitlich auch im SDAX gelistet. Technisch betrachtet wurde im selben Jahr der Laser bei Schuler in Ergänzung zum Umformen als Fertigungstechnik der Zukunft erkannt. Dies zeigte sich jüngst auch in einer Laser Blanking Line, die erstmals auf der Blechexpo 2013 in Stuttgart vorgestellt wurde. Damit lassen sich Platinen vom Coil abtrennen und die unterschiedlichsten Konturen im Durchlauf schneiden. Das forciert den Fertigungsprozess in der Karosserieproduktion, weil die Platinen schon umformfertig bereitstehen und somit ein Zuschnitt durch Pressen entfällt.

Der Schuler-Konzern ist ständig in Bewegung und deshalb geben sich unternehmerische und technologische Veränderungen permanent die Hand.

Für das Jahr 2007 sind gleich zwei gravierende Ereignisse zu vermerken: Bereits im März stellte Schuler mit der Servo-Direkt-Technologie (SDT) im Rahmen einer Hausmesse in Göppingen ein völlig neues Antriebskonzept vor. SDT bietet wesentliche Vorteile, die mit Schwungradmaschinen nicht erreichbar sind. Das sind die freie Programmierbarkeit der Weg-Zeit-Verläufe, die frei programmierbare Hubhöhe, die Einricht- und Try-out-Funktionalität in einer bisher nicht bekannten Präzision und Einfachheit sowie die deutlich erhöhte Energieeffizienz. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Weiterentwicklung bekannter Pressenantriebe, sondern um einen Technologiesprung. SDT ist von nun an der neue Standard für Schuler-Pressen.

Weltgrößter Pressenbauer durch Übernahme von Müller-Weingarten

Das zweite Highlight 2007 war die Übernahme des bisherigen Wettbewerbers Müller Weingarten. Mit diesem Zusammenschluss entstand praktisch der weltweit führende Anbieter von Umformtechnologien.

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Schwaben helfen gerne
Graf Zeppelin konnte von Göppingen aus weiterfliegen und bedankte sich mit Aufträgen

Es war noch eine gemütliche Zeit, so um 1909. Die Technik war faszinierend, auch wenn sie nicht immer so funktionierte, wie sie sollte – zumindest, was damals die Fliegerei anging. So begab es sich, dass Graf Zeppelin in Göppingen unweit der Schuler-Fabriken eines seiner Luftschiffe aus irgend einem Grunde notlanden musste. Schuler-Mitarbeiter legten Hand an das havarierte Luftschiff, bekamen es wieder flott und dem Weiterflug von Graf Zeppelin stand nichts mehr im Wege. In einem Schreiben vom 9. Juni 1909 bedankte sich Dr.-Ing. Dr. Graf von Zeppelin höchstpersönlich für die großartige Unterstützung durch die Schuler-Mitarbeiter. Er wünschte sich darin eine dauerhafte Geschäftsverbindung zum Göppinger Unternehmen. 1939 kamen denn auch die Aufträge aus Friedrichshafen über ein Volumen von 400.000 Leichtmetallstreben für ein modernes Luftschiff, die auf Schuler-Pressen gestanzt, gezogen und beschnitten wurden.

In der Folgezeit hat sich die Schuler AG auch auf anderen Märkten einen Namen gemacht. So wurden 2011 die ersten Composite-Pressen von Waghäusel aus an BMW ausgeliefert. Dabei handelt es sich um eine Hochdruck-RTM-Presse (RTM = Resin Transfer Moulding), die CFK-Karosserieteile für den BMW i3 in Serie liefert. Die CFK-Teile fallen fertig aus der Form. Im Zuge des Leichtbaus und der Gedanken um E-Cars dürfte auch in diesem Bereich Schuler eine gute Zukunft beschieden sein.

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