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Porträt Von der Feile bis zum Präzisionsmaschinen-Bauteil

Das Unternehmen Peiseler existiert seit 200 Jahren. Man begann mit der manuellen Fertigung von Feilen und produziert heute hochwertige Präzisionsmaschinen-Bauteile.

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Blick in die historische Raspel-und Feilenfertigung von Peiseler.
Blick in die historische Raspel-und Feilenfertigung von Peiseler.
(Bild: Peiseler)

Das Unternehmen Peiseler, an dem die Indus Holding AG seit 2017 zu 80 % beteiligt ist, wird seit 20 Jahren von Dipl.-Kfm. Lothar Schwarzlose und Dr.-Ing. Benedict Korischem als geschäftsführenden Gesellschaftern geleitet. Korischem erzählt: „Wenn man die 200 Jahre zurückschaut, die unser Unternehmen existiert, dann kann man zusammenfassend sagen: Das sind die 200 Jahre Geschichte der industriellen Revolution. Im 18. Jahrhundert wurde die Dampfmaschine entwickelt, kurz davor ist die erste industrielle Produktion in Deutschland an den Start gegangen.“

„Für uns war es von Anfang an ein handwerklicher Betrieb, der in Remscheid gegründet wurde, vermutlich am jetzigen Standort, denn in der Nähe ist ein Fluss, möglicherweise hat man dort ein Wasserrad betrieben. Man hat damals angefangen, Feilen und Raspeln herzustellen“, erzählt Korischem weiter.

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Die Zähne der Raspeln und Feilen müsse man sehr unterschiedlich setzen, damit auf dem zu bearbeitenden Holz keine Rillen entstehen. „Dafür wurden Feilenhaumaschinen entwickelt, die den Stahl bearbeitet haben, das war dann ein maschineller Prozess. Als Besonderes wurden danach erste Maschinenfeilen gefertigt, womit der Werker ein sich drehendes Werkstück per Hand direkt in der Maschine bearbeiten konnte“, so Korischem.

Mit Volldampf geht es weiter

Zusätzlich habe man um 1860 eine Dampfmaschine mit 180 PS eingesetzt. Die aus dem Maschinenhaus stammende Uhr existiert noch. Sie steht heute als Standuhr im Eingangsbereich des Unternehmens. „Es gibt auch noch den Kamin, der vor ein paar Jahren allerdings eingekürzt wurde, weil er durch Feuchtigkeit versottet war“, ergänzt Korischem.

Mit der Dampfmaschine wurde die Welle in die Fertigung angetrieben und über Keilriemen wurde die Kraft auf die Maschinen übertragen. 1897/98 wurde ein neuer Dampfkessel installiert, der bis in die 1930er- und 1940er-Jahren aktiv war. Einen wesentlichen Schritt hat man mit dem Export von Raspeln und Feilen getan und im Folgeschritt auch mit Raspel- beziehungsweise Feilenhaumaschinen, die schon ab 1906 nach Argentinien exportiert wurden, berichtet Korischem. Die Technik ist dann in den 1930er/40er-Jahren Richtung Präzision umgestellt worden. 1935 hat man damit begonnen, Lehren zu fertigen, ganze Genauigkeitsteiltische, Rundtische sowie Teilgeräte.

Die ganze Region ist laut Korischem davon gezeichnet, dass im Ruhrgebiet der Stahl zur Kohle kam: „Die Region rundum war technisch relativ zurückgeblieben. Doch in der Gegend ums Gebirge und wo es viel regnet – hier ist Remscheid mit Wuppertal Hitlistenführer in Deutschland –, ist man dann abends in den Keller gegangen und hat Dinge wie Uhren, Kuckucksuhren oder auch Handwerkzeuge gebastelt.“ Dazu habe man sich im nahen Ruhrgebiet Stahlstücke geholt und hier aufgearbeitet. „Und so ist hier eine Region entstanden, wo in Solingen Messer und Klingen und hier in Remscheid Industriemesser, also Rundmesser, große Schneidemesser und Sägen gemacht wurden, dazu extrem viel Handwerkszeug bis nach Wuppertal hinüber“, erzählt Korischem.

Das Unternehmen Peiseler hat drei Kriege überstanden, den von 1870/71 sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Wolfgang Peiseler damit begonnen, die Firma wieder aufzubauen. Er hat sich Anfang der 1950er-Jahre in seinen VW Käfer gesetzt, ist nach Wolfsburg zu VW gefahren, um damals Grundvorrichtungen und Werkzeuge, Lehren und Ähnliches anzubieten. „VW wurde dann sogar ein großer Kunde und ist es noch heute für ältere Werkzeuge und Einstellvorrichtungen“, erläutert Korischem.

Man sei zu den Kunden gefahren, habe Aufträge gemacht und sei so mit der Zeit langsam gewachsen. „Mancher Auftrag ist damals sogar auf einem Bierdeckel gemacht worden“, weiß Korischem. Mit den Jahren wurde die Fertigungstiefe größer. 2000 haben Schwarzlose und Korischem das Unternehmen von Fred Peiseler gekauft. Alleine in den vergangenen knapp 20 Jahren habe Peiseler rund 50 Neuentwicklungen präsentiert, viele Patente angemeldet und insgesamt etwa 50.000 Wender, Drehtische, 2-Achs-Schwenk­einrichtungen, Schwenkköpfe und Werkzeugwechseltische gebaut; 1997 sogar das erste einachsige NC-Teilgerät mit Direktantrieb und 2001 als Weltneuheit die erste direkt angetriebene 2-Achs-Schwenkeinrichtung. Dazu habe man 20 Mio. Euro für Modernisierungen und Erweiterungen ausgegeben. Dadurch konnte nicht nur die Produktivität, sondern auch der Umsatz bis 2018 deutlich gesteigert werden auf 28 Mio. Euro. Heute sei Peiseler mit einem Weltmarktanteil von 30 % im vergleichbaren Qualitätssegment einer der führenden Hersteller von Teilgeräten.

Das war teurer Schrott

Dabei sei es nie langweilig geworden, denn immer wieder komme es zu ganz kuriosen Geschichten. Korischem erzählt: „Eines Tages bekamen wir eine Maschine zur Reparatur zurück, die eine Spannvorrichtung mit Zylinder enthält, der irgendwann undicht wird. Sie wurde repariert und wieder zurückgeliefert. Daraufhin meldet sich der Schweizer Auftraggeber: ,Alles falsch, auf dem Begleitschreiben steht, dass das ganze Teil voll Aluminium war. Wir verarbeiten aber nur Gold und Platin.‘ Doch das Teil war wirklich voll mit Spänen und irgendwann war kein Platz mehr und die Maschine streikte, allerdings war alles voll mit Platinspänen, etwa 1,5 bis 2 kg, die wir für Aluminium hielten und in den Schrottcontainer warfen. Und auch in der Fertigung des Unternehmens hat man das nicht bemerkt.“

* Weitere Informationen: Peiseler GmbH & Co. KG in 42855 Remscheid

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt