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Porträt Okuma

Von der Nudelmaschine zu Industrie-4.0-Lösungen

| Autor/ Redakteur: Roman Oncsak / Mag. Victoria Sonnenberg

Statt darauf zu warten, dass die Technologie zur eigenen Vision aufschließt, lotet Okuma seit nun 120 Jahren selbst die Grenzen der Fertigung aus. Dies begann bereits mit der Herstellung von Nudelmaschinen und trieb die Innovationen des Herstellers bis hin zu Industrie-4.0-Lösungen.

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Mit 30.000 Einheiten verkauft in über 40 Länder wurden die OS-Centre-lathe-Drehmaschinen zu einem der erfolgreichsten Okuma-Produkte.
Mit 30.000 Einheiten verkauft in über 40 Länder wurden die OS-Centre-lathe-Drehmaschinen zu einem der erfolgreichsten Okuma-Produkte.
(Bild: Okuma)

1898 gründete Eichii Okuma in der japanischen Stadt Nagoya das Unternehmen, das auch mehr als ein Jahrhundert später immer noch seinen Namen trägt. Im Gegensatz zu ihren modernen Pendants waren die frühen Okuma-Maschinen nicht gebaut, um den Anforderungen der Luftfahrt- oder Automobilindustrie gerecht zu werden. Stattdessen handelte es sich bei den ersten Produkten, die unter dem Namen Okuma vertrieben wurden, um Nudelmaschinen. Eichii Okuma war unzufrieden mit der Qualität der am Markt verfügbaren Geräte. Statt seine Ansprüche herunterzuschrauben, entwickelte er kurzerhand selbst Maschinen, die seinen Anforderungen entsprachen. Diese Philosophie sollte im Laufe der Jahre zu zahlreichen Meilensteinen im Maschinenbau führen.

1914 Patentanmeldung für eine Drehmaschine

Im ersten Jahr baute und verkaufte Eichii Okuma 20 Maschinen. Im Zuge dieses ersten Erfolges lenkte er 1904 seine Ambitionen in die Herstellung von Werkzeugmaschinen. Gleichzeitig zog der junge Unternehmer mit seinen Nudelmaschinen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 meldete Okuma sein erstes Patent für eine Drehmaschine an: die Okuma Automatic Gear Cutting Lathe. Infolge dieser neuen Ausrichtung wurde das Unternehmen 1918 in „Okuma Machinery Works Ltd.“ umbenannt. Im gleichen Jahr zog Okuma die Produktion seiner Drehmaschinen OS Centre an, die ein großer Erfolg werden sollten: Mit mehr als 2000 ausgelieferten Einheiten in 25 Jahren wurde die Werkzeugmaschine zu einem der meistverkauften Produkte der Unternehmensgeschichte.

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Mit 30.000 Einheiten, verkauft in über 40 Länder, wurden die OS-Centre-lathe-Drehmaschinen zu einem der erfolgreichsten Okuma-Produkte.
Mit 30.000 Einheiten, verkauft in über 40 Länder, wurden die OS-Centre-lathe-Drehmaschinen zu einem der erfolgreichsten Okuma-Produkte.
(Bild: Okuma)

Zu diesem Zeitpunkt war der gute Ruf der Okuma-Maschinen bereits bis in die höchsten Kreise vernommen worden, was dazu führte, dass Okuma für mehrere Aufträge der japanischen Regierung unter Vertrag genommen wurde. Das Unternehmen diversifizierte sein Angebot in den kommenden Jahren und konnte so auch in der Großen Depression und trotz des Großen Kanto-Erdbebens von 1923 bestehen. In dieser Zeit produzierte das Unternehmen unter anderem Maschinen zur Holzbearbeitung und zur Herstellung von Zigaretten.

Im Zuge eines großangelegten Plans der Regierung, Nagoya als internationales Zentrum für die Automobilindustrie auf dem Niveau von Detroit zu etablieren, wurde Okuma 1930 vom Bürgermeister mit dem Bau eines 8-Zylinder Motors für den ersten in Japan hergestellten Pkw beauftragt – dem „Atsuta-Go“. 1937 war Okuma im Bereich der Werkzeugmaschinen in Japan bereits marktführend. Statt sich auf diesem Erfolg auszuruhen, entwickelte das Unternehmen zusätzliche Lösungen wie Maschinen zur Bohrbearbeitung. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beschränkte die japanische Regierung die Herstellung jedoch auf die Produktion von Dreh-, Schleif- und Fräsmaschinen. Trotz dieses vorübergehenden Rückschlags stand die Marke Okuma um 1958 ebenso für Dreh- wie für industrielle Bohrmaschinen. Diese Diversifikation untermauerte die Bereitschaft und Expertise des Unternehmens, Lösungen für eine große Bandbreite von Anforderungen anzubieten. Auf dieser Grundlage sollte Okuma später vielseitige Bearbeitungszentren und Multitasking Maschinen entwickeln sowie – wie in jüngster Vergangenheit – Super-Multitasking-Maschinen für additive und subtraktive Bearbeitungsprozesse auf nur einer Maschine.

Eine der ersten computerisierten NC-Steuerungen von Okuma.
Eine der ersten computerisierten NC-Steuerungen von Okuma.
(Bild: Okuma)

Getreu der Philosophie Eichii Okumas entwickelte sein Unternehmen auch weiterhin Lösungen, die die Grenzen des technisch Möglichen erweiterten. Um mechanische Bewegungen durch digitale Bedienung zu ersetzen, entwickelte Okuma 1963 seine erste numerische Steuerung OSP III NC. Auf diesem Weg wurde Okuma zum ersten und bis heute einzigen „Single-Source“-Hersteller von Maschinen und Steuerungen. Fortan waren viele Okuma-Produkte wie die ersten Portalfräszentren, die der Hersteller 1966 einführte, sowohl manuell als auch NC-gesteuert erhältlich.

Mit Einführung der ersten computerisierten NC-Steuerung leitete Okuma 1972 ein weiteres Bearbeitungszeitalter ein. Dieser Meilenstein ebnete den Weg für zahlreiche der High-Tech-Lösungen, die Okuma heute anbietet: Sie basieren allesamt auf einem umfassenden Verständnis aller involvierten Komponenten– von der Maschine über die Steuerung bis hin zur Software.

Steuerungsgeneration etablierte Gebrauch von CNC-Werkzeugmaschinen

Bald darauf entwickelte Okuma die OSP 300 mit Mikroprozessoren. Diese neue Steuerungsgeneration spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von CNC-Drehmaschinen für die simultane 4-Achs-Bearbeitung. Sie trug maßgeblich dazu bei, den Gebrauch von CNC-Werkzeugmaschinen global zu etablieren. In den 1980er Jahren entwickelte Okuma weitere Werkzeugmaschinen, für die Steigerung der Produktivität in der Fertigung. In den 90er Jahren gingen unter anderem Portalfräszentren wie das MCR-BIII für die 5-seitige Bearbeitung in Produktion.

Der Übergang ins 21. Jahrhundert bedeutete mit Blick auf die Fertigungstechnologien einen großen Sprung nach vorn. Die leistungssteigernden Applikationen aus der Intelligent-Technology-Reihe liefern höchste Effizienz und Produktivität, indem sie für jede Anwendung die optimalen Zerspanungsbedingungen herstellen. Die erste dieser Lösungen, das 2001 eingeführte Thermo-Friendly Concept, erlaubt es Herstellern, die Präzision in der Bearbeitung entschieden zu erhöhen, indem sie thermische Verformungen effektiv kompensiert. Bald darauf folgten weitere Applikationen wie das Collision Avoidance System zur Prävention kostspieliger Kollisionen. Machining Navi minimiert Vibrationen bei der Bearbeitung und sorgt so für gute Oberflächengüten.

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