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Finanzierung White Label – die Alternative zur eigenen Bank

| Autor / Redakteur: Holger Stuhlmann / Melanie Krauß

Hausbanken sind oftmals träge und unflexibel. Doch nicht jedes Unternehmen kann es sich leisten, eine eigene Bank zu gründen. Eine mögliche Alternative sind White-Label-Banken, die unter dem jeweiligen Markennamen agieren.

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Eine White-Label-Bank ermöglicht es Maschinenbauern, die Finanzierung beim Verkauf unter dem eigenen Namen gleich mit anzubieten.
Eine White-Label-Bank ermöglicht es Maschinenbauern, die Finanzierung beim Verkauf unter dem eigenen Namen gleich mit anzubieten.
(Bild: ©VectorMine - stock.adobe.com)

Die Ausgangssituation ist vielen Unternehmern bekannt: Man geht auf eine Messe und entscheidet sich nach entsprechendem Vergleich für eine neue Maschine des Herstellers XY. Das Volumen ist mindestens sechsstellig, der Kaufpreis durchaus attraktiv und sodann geht es in die übliche Schleife der dafür erforderlichen Freigabeprozesse zu den Themen Finanzierung und Liquidität. Die Hausbank – oft oder meist wenig sachkundig – wird um eine günstige Finanzierung angefragt. Das betrifft sowohl die Frage, ob überhaupt eine Finanzierung zustande kommt, als auch die Frage nach den Konditionen. Die Entscheidungskette geht ihren Gang und da den Banken meist der Technikeinblick fehlt, geht jene wertvolle Zeit ins Land, die schnellen Entscheidungen vor dem Hintergrund oftmals günstiger Kaufkonditionen besonders abträglich ist. Tage, Wochen, manchmal Monate vergehen.

Unternehmenseigene Bank kommt nicht für alle infrage

Darauf haben Unternehmen wie Trumpf reagiert, indem sie die Hausbanken durch die Gründung einer eigenen Bank ersetzen, mindestens aber ergänzen wollen. Das Ziel des Herstellers ist klar: schnelle Entscheidungen am Point of Sale, weniger Bürokratie, keine Hängepartie, sondern im eigenen Verkaufsinteresse zeitnah und kompetent Abschlüsse tätigen, die nicht eventuell später wieder storniert werden müssen. Für den Käufer gilt: oftmals tolle Konditionen, wie beispielsweise auf Messen, die sofort „mitgenommen“ werden können. Dadurch eine zügige Belieferung, eventuell direkt nach der Messe, und damit die Verbreiterung der eigenen Leistungsfähigkeit und des Angebots nach außen im Schnelldurchgang und bei voller Beratungsqualität.

Da es sich aber kaum ein Unternehmen leisten kann, eine eigene Bank zu gründen, wurden Konzepte entwickelt, die es Maschinenbauern ermöglichen, als White-Label-Bank aufzutreten. So können unter dem eigenen Markennamen alle Finanzierungsthemen rund um den Verkauf aus einer Hand angeboten werden: White Label im Sinne von einer auf den Anbieter lautenden Markenidentität! Dabei versteckt sich die Bank nicht etwa, sondern tritt nur in die zweite Reihe zurück – als unmittelbarer Dienstleister des Herstellers, der wiederum seinen Kunden sofort das gesamte Repertoire der Finanzierungsmöglichkeiten anbieten kann.

Dies birgt Vorteile für beide Seiten. Der Hersteller arbeitet beim White Label mit einer Bank zusammen,

  • die er kennt und der er vertraut,
  • die er als „seine“ Bank wie einen Backbone einsetzen kann und
  • die zu günstigen Konditionen und mit einem breiten Portfolio fast in Echtzeit Entscheidungen liefern kann.

Das nutzt wiederum unmittelbar dem Käufer. Der nämlich hat sodann alle Vorteile auf seiner Seite:

  • Er bekommt eine schnelle Finanzierung zu guten Konditionen – per Zusage oft noch am Messestand.
  • Er braucht weder seine Hausbank um einen Kredit zu bitten noch seinen Finanzierungsrahmen oder seine Kontokorrentlinie zu belasten.
  • Er erweitert seinen Spielraum – bei gleichzeitiger Vereinfachung und Beschleunigung.

Besonders für Markenhersteller und mittelständisch strukturierte Unternehmen ist das White-Label-Prinzip attraktiv, da es sich an deren Erwartungen und Umfeld­realität anpasst. Ein Vorteil ist es dabei, wenn die finanzierende White-Label-Bank im Hintergrund auch technisch über Marktkenntnisse verfügt und somit grundlegend versteht, wovon die Partner sprechen. Dadurch hilft die Bank, Trends in der Produktionstechnik präzise zu bewerten und eine durchdachte Investitionsentscheidung zu tätigen. Im Idealfall ist White Label also der Dreisprung aus Kompetenz des Bankgeschäfts, Technikkompetenz und valider Marktbeurteilung.

Fazit: Ergänzung von klassischer Finanzierung

Die White-Label-Bank soll und kann die klassische Hausbank keineswegs ersetzen. Das Prinzip versteht sich als unternehmerische Erweiterung, als Instrument der kurzen Wege und schnellen Entscheidungen bei Finanzierung und Leasing.

Wer die Finanzkrise vor zehn Jahren noch miterlebt hat, weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Hausbank plötzlich ihr Engagement reduziert und aus Finanzierungen „aussteigt“. Daher ist diese Form der Verteilung gleichzeitig auch eine Form der Risikominimierung und zusätzlicher Unabhängigkeit. Zudem erweitert das Modell den finanziellen Spielraum, da die Kreditlinie der Hausbank dabei nicht angetastet wird. Das Modell als solches wird Schule machen. Der Nutzen für alle Seiten ist – auch unabhängig von der Betriebs- oder Investitionsgröße – erheblich. In Zeiten, die immer schnellere und einfachere Entscheidungen erfordern, wird das White-Label-Prinzip zu einer Säule der gesamten Unternehmensfinanzierung.

* Holger Stuhlmann ist Geschäftsführer der akf bank GmbH & Co KG und der akf leasing GmbH & Co KG in 42277 Wuppertal, Tel. (02 02) 2 57 27-0, info@akf.de, www.akf.de

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