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Internet der Dinge Wie das Internet der Dinge und Industrie 4.0 Geschäftsprozesse verändern

| Autor/ Redakteur: Eduard Rüsing / Stefanie Michel

Produkte werden zunehmend intelligent und vernetzt, doch in diesem Zuge müssen sich auch die Unternehmen wandeln. Diese Umstellung umfasst sowohl organisatorische als auch technische Veränderungen. Auf was sich Unternehmen konkret einstellen müssen und wie der Wandel gelingt, beschreiben zwei Fachleute.

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Bild 1: Bei General Electric vollzieht sich der Wandel im Unternehmen bereits sichtbar: Maschinen werden mit Sensoren ausgestattet und mit den analysierten Rückmeldedaten schafft man es Stillstandszeiten zu verringern beziehungsweise die Effizienz zu erhöhen.
Bild 1: Bei General Electric vollzieht sich der Wandel im Unternehmen bereits sichtbar: Maschinen werden mit Sensoren ausgestattet und mit den analysierten Rückmeldedaten schafft man es Stillstandszeiten zu verringern beziehungsweise die Effizienz zu erhöhen.
(Bild: General Electric)

Die erweiterten Fähigkeiten der sich im Moment stark in den Vordergrund drängenden intelligenten, vernetzten Produkte (smart connected products) werden nicht nur einschneidende Auswirkungen auf Marktstrategien und Branchenstrukturen des Fertigungssektors haben. Auch intern im Fertigungsunternehmen wird praktisch jede der Kernfunktionen, wie beispielsweise Produktentwicklung, IT, Fertigung, Marketing oder Vertrieb/Service, neu definiert. Zusätzlich werden völlig neue Funktionsbereiche entstehen. Diese Veränderungen bei Produkten und Organisationsstrukturen sind nicht einfach und bergen Unwägbarkeiten. Aber Unternehmen, denen die Umstellung gelingt, werden langfristig stark davon profitieren.

Wandel zu Smarten Produkten ist für Unternehmen beunruhigend

Das sind Thesen von Prof. Michael E. Porter (Harvard Business School) und James E. Heppelmann, Präsident und CEO von PTC, die in einer Grundsatzabhandlung im Harvard Business Manager (Ausgabe 12/15) die organisatorischen Veränderungen und Herausforderungen beschreiben, die die Herstellung und der Vertrieb von intelligenten vernetzten Produkten im Unternehmen selbst verursachen werden. Für viele Unternehmen, die mit dem Übergang zu smarten Produkten zu kämpfen haben, sei der Wandel beunruhigend oder destabilisierend, brächte er doch interne Anpassungen, Wettbewerbsprobleme und Sicherheitsbedenken mit sich.

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TIPP
Die 7 Grundprinzipien zur Entwicklung und Konstruktion vernetzter Produkte
  • Variabilität zum kleinen Preis: Bei konventionellen Produkten sind Variationen teuer, erfordern sie doch jeweils ein neues physisches Bauteil. Mit dem intensiven Einsatz von Software lässt sich eine Produktvielfalt bei smarten Produkten einfacher und billiger erreichen. Der Landmaschinenhersteller John Deere produziere beispielsweise keine unterschiedlichen Leistungsversionen eines Motors, sondern stelle nur noch eine Standardgröße her. Die PS-Zahl variiere er dann je nach Bedarf per Software (Bild 4).
  • Kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten: Bei vernetzten Produkten ist es nicht mehr nötig, mit Verbesserungen bis zur nächsten Produktgeneration zu warten. Der Hersteller kann durch Software und oft auch per Fernwartung eine Funktion des Produktes auf den Markt bringen, deren Entwicklung beim Verkauf noch nicht abgeschlossen war. E-Autohersteller Tesla zum Beispiel wolle seine Autopilotfunktionen im Laufe der Zeit mit Softwareupdates ausbauen (Bild 5).
  • Neue Benutzeroberflächen und Augmented Reality: Digitale Benutzeroberflächen ermöglichen auf Tablet oder Smartphone dem Nutzer mehr Mobilität als Knöpfe, Anzeigen und Schalter am Gerät. Bei der Augmented Reality werden auf dem Tablet oder in einer besonderen Brille Zusatzinformationen am digitalen Produkt angezeigt, die beispielsweise Wartungen oder Reparaturen erleichtern.
  • Kontinuierliches Qualitätsmanagement: Vernetzte Produkte ermöglichen die kontinuierliche Rückmeldung der Leistungsdaten während der Nutzung. Diese Daten aus der Praxis können direkt wieder Eingang finden in die Konstruktion und helfen, Produktprobleme zu beheben, die in den Tests der Prototypen noch nicht aufgetreten waren.
  • Vernetzter Kundendienst: In der Konstruktion muss auch berücksichtigt werden, dass zusätzliche Instrumente, Datenerfassungstools und Diagnosefunktionen zur Zustands- und Leistungsüberwachung, die drohende Ausfälle im Voraus anzeigen, notwendig werden.
  • Grundlage für neue Geschäftsmodelle: Mit smarten Produkten ist der Hersteller in der Lage, nicht mehr einfach das Produkt zu verkaufen, sondern dessen Funktion als Dienstleistung. Eine Umstellung auf das neue Geschäftsmodell Dienstleistung kann dann auch einzelne Designparameter betreffen. So müssen zum Beispiel verschiedene Nutzerdaten/-verbräuche erfasst werden, damit mit dem Kunden exakt abgerechnet werden kann.
  • Verknüpfung mit anderen Systemen: Ist das Produkt Teil eines größeren Systems, multiplizieren sich auch die Möglichkeiten, Hard- und Software über Produktkategorien hinweg gleichzeitig zu entwickeln und zu verbessern.

Die Autoren schildern eine Reihe von technisch-organisatorischen Ansätzen, wie sich die Transformation vom Hersteller konventioneller Produkte zum Anbieter anspruchsvoller Internet-der-Dinge- (IoT-)Lösungen in den einzelnen Abteilungen/Funktionen des Fertigungsunternehmens auswirkt beziehungsweise erfolgreich bewältigt werden kann. Im Vordergrund stünde aktuell die Organisationsstruktur, denn die seit Jahrzehnten etablierten Organigramme beginnen aufzubrechen und sich zu verändern (Bild 2). Die Funktionsbereiche werden auf neue Art und Weise zusammenarbeiten und sich in jedem Fall enger abstimmen müssen, als bisher. Man stehe aber erst am Anfang und deshalb gebe es auch noch keinen Königsweg zur Realisierung der neuen Strukturen. (Auf die vielen Beispiele vernetzter Produkte in der Praxis, die im Ursprungsartikel zu finden, kann hier aus Platzgründen nur ab und an eingegangen werden).

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