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Beschaffung

Wie der Einkauf den Erfolg von Produkt-Launches beeinflusst

| Autor/ Redakteur: Franck Lheureux / Melanie Krauß

Die Innovations- und Lebenszyklen von Produkten im Maschinenbau werden immer kürzer. Effizienz ist daher auch bei der Einführung neuer Produkte das Gebot der Stunde. Der Einkauf trägt dazu wesentlich bei.

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Damit ein innovatives Produkt erfolgreich eingeführt werden kann, muss auch im Einkauf alles optimal ineinandergreifen.
Damit ein innovatives Produkt erfolgreich eingeführt werden kann, muss auch im Einkauf alles optimal ineinandergreifen.
(Bild: ©Sikov - stock.adobe.com)

Laut Gartner scheitern 43 % der New-Product-Introduction-­(NPI-)Projekte oder erreichen die gesteckten Ziele nicht. Die Ursachen schreiben die betroffenen Unternehmen häufig der Lieferkette zu. Daher spielt der Einkauf für den Erfolg eines neuen Produkts eine entscheidende Rolle. Leichter gesagt als getan. Denn es gilt unter anderem, sechs große Klippen zu umschiffen:

1. Produktkosten über Plan:

Aufgrund mangelnder interner und externer Zusammenarbeit in der Konstruktionsphase werden Kosten und Machbarkeit von Komponenten oft erst transparent, wenn es für Änderungen zu spät ist. Eine bewährte Gegenstrategie besteht darin, die Beschaffungs- und Lieferantenentwicklungsteams frühzeitig mit Schlüssellieferanten zusammenzubringen und die BoM (Bill of Material) automatisiert auf Alternativen zu analysieren.

2. Verspätete Markteinführung:

Konstruktionsänderungen in einem späten Stadium und schlechte Lieferbereitschaft sorgen ebenso für Verzögerungen wie Qualitäts- und Fertigungsprobleme bei der Umstellung auf die volle Produktion. Um Projektlaufzeiten zu minimieren und alle Vorteile eines frühen Markteintritts ausschöpfen zu können, hilft nur ein konsequentes Projektmanagement. So lassen sich Probleme schnellstmöglich erkennen und adressieren.

3. Lückenhafte Lieferantenbewertungen:

Wenn die Lieferantenbewertung unzureichend ist, setzt ein Unternehmen NPI-Projekte aufs Spiel. Verfügt ein Zulieferer über das notwendige Kapital für die Ausrüstung? Kam es in der Vergangenheit zu verspäteten Lieferungen? Wie viel Erfahrung hat er mit einem Material oder einem anspruchsvollen Bearbeitungsverfahren? Erfolgreiche Hersteller überwachen die Leistung der Lieferanten, kennen deren Fähigkeiten und Grenzen und haben Einblick in die finanzielle Situation und in andere Risikoindikatoren.

4. Bestandsengpässe:

Trifft ein Produkt den Nerv vieler Kunden, kann eine überraschend hohe Nachfrage enormen Druck in der Lieferkette aufbauen. Lean-­Initiativen wie die Just-­in-­Time-Produktion führen dann möglicherweise zu Bestandsengpässen und Umsatzeinbußen. Um auf alles vorbereitet zu sein, können Sourcing-Teams mithilfe mehrerer Nachfrageszenarien die Lieferbasis identifizieren, die über ausreichende Produktionskapazitäten verfügt. Weitere Zulieferer mit zusätzlichen Ressourcen stehen dann bei Bedarf schnell bereit.

5. Produktqualität:

Beschaffung und Lieferantenentwicklung können dazu beitragen, Qualitätsprobleme bereits von Anfang an zu vermeiden. Sie empfehlen bestehende Komponentenlieferanten aufgrund früherer Qualitätsleistung und ihrer bekannten Fähigkeiten.

Gute Supply-­Chain-Abteilungen implementieren Standardqualitätsprozesse wie Erstbemusterung (First Article Inspection), Produktionsteil-Abnahmeverfahren (Production Part Approval Process), APQP (Advanced Product Quality Planning) oder VDA 6.3 (Verband der Deutschen Automobilindustrie), um Lieferanten in kollaborative Prozesse einzubeziehen. Sie stellen sicher, dass die Anforderungen verstanden und konsequent erfüllt werden. Mit Trainings und Weiterentwicklungsprogrammen fördern sie zudem die Kompetenzen ihrer Toplieferanten.

6. Fehlende Innovation und Differenzierung:

Beschaffungsteams können in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten Innovationen und eine höhere Produktprofitabilität fördern: seien es Empfehlungen zur Gewichtsreduzierung einer Komponente oder Vorschläge, wie das geistige Eigentum eines Lieferanten in ein neues Produkt einfließen kann. Zulieferbetriebe haben mit ihrem fundierten Know-how das Potenzial, kreative Ideen zur Verbesserung von Produkt oder Produktion beizusteuern. Dies erhöht die Gewinnchancen für beide Unternehmen.

Die Erfahrung zeigt: Erfolgreiche Hersteller innovativer Produkte arbeiten häufig mit standardisierten Prozessen und profitieren von der damit verbundenen organisatorischen Disziplin. Sie schaffen Transparenz und fördern die Zusammenarbeit mit Lieferanten und internen Stakeholdern, unterstützt von intelligenten, kollaborativen und agilen Lösungen.

Ihre Beschaffungsteams erreichen damit ein Plus an Wertschöpfung. Sie brechen interne und externe Silos auf, optimieren die Produktkosten, rationalisieren das Projektmanagement, verbessern die Qualität und verringern die Risiken.

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    * Franck Lheureux ist General Manager EMEA bei Ivalua in 91400 Orsay (Frankreich), Tel. (01 76) 23 91 40 89, info@ivalua.com

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