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Grafitfräsen

Wie die neue Werkstatt trotz Grafitfräsen sauber bleibt

| Autor/ Redakteur: Janis Wortmann / Mag. Victoria Sonnenberg

Der Werkzeug- und Formenbauer GHD hat in Rügland eine neue Halle errichtet. Neu ist auch eine 5-Achs-Simultanfräsmaschine von GF Machining Solutions. Ihr Grafit-Nassfräsverfahren bietet neue Fertigungsmöglichkeiten für den Mittelstand.

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Der Palettenwechsler der Mikron Mill S 600 U hat sieben Positionen. Pro Palette können – abhängig von der Größe – bis zu zwölf Werk-
stücke eingespannt werden. Grafit und Stahl können flexibel und ohne manuelle Eingriffe bearbeitet werden.
Der Palettenwechsler der Mikron Mill S 600 U hat sieben Positionen. Pro Palette können – abhängig von der Größe – bis zu zwölf Werk-
stücke eingespannt werden. Grafit und Stahl können flexibel und ohne manuelle Eingriffe bearbeitet werden.
(Bild: GF Machining Solutions)
  • Auf der GF Lösung kann GHD nicht nur Grafitelektroden, sondern auch Werkstücke aus anderen Materialien herstellen. Stahl, Kupfer, Aluminium – alles ist möglich auf einer Maschine ohne aufwendige Rüst- und Reinigungsarbeiten, sogar im Wechselbetrieb.
  • Möglich macht dies das Nassfräsen des Grafits. Der Staub wird schon während des Bearbeitens weggewaschen. Dadurch bleibt die Maschine ohne manuelles Putzen sauber.

Die GHD-Präzisions-Formenbau GmbH hat eine eher außergewöhnliche Gründungsgeschichte. Ursprünglich gehörte der Standort Großhabersdorf zu einem großen deutschen Formenbauer. Doch als dieser wegen Rentabilitätsbedenken geschlossen wurde, standen auf einmal 35 Mitarbeiter ohne Arbeit da. Rudolf Popp, damals angestellter Geschäftsführer, war damit nicht einverstanden. Für ihn stand fest: Er würde sich nicht einfach so in den Ruhestand schicken lassen. So gründete er 2007 mit 61 Jahren die GHD-Präzisions-Formenbau GmbH.

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„Heute ist es offensichtlich, dass das eine gute Entscheidung war“, sagt Popp lächelnd in der eigenen Neubauhalle, die nötig wurde, weil der Maschinenpark in den letzten zwölf Jahren immer weitergewachsen ist. Mitverantwortlich für den Erfolg ist Bastian Schuster, heute Geschäftsführer von GHD und außerdem Rudolf Popps Enkel.

„Unsere Kunden kommen aus vielen verschiedenen Branchen. Wir stellen sowohl Werkzeuge für Haushalts- und Körperpflegeartikel her als auch für Automobil- und Medizintechnik sowie die Spielwarenindustrie.“

Damals wie heute vertraut GHD vor allem auf die Maschinen und die Betreuung des Schweizer Herstellers GF Machining Solutions. Bereits zur Firmengründung kaufte GHD die Draht- und Senkerodiermaschinen Robofil und Roboform. Später wurde der Maschinenpark um die Fräs- und Senkerodiersysteme Mikron VCE 1000 Pro, Mikron Mill HSM 400U und AgieCharmilles Form 30 erweitert. Insgesamt 10 GF-Maschinen aller Technologien hat GHD im Einsatz. Ganz neu im Maschinenpark ist die 5-Achs-Simultanfräsmaschine Mikron Mill S 600 U mit Siebenfachpalettenwechsler.

Eine Fräsmaschine vereint alle Materialien

„Warum wir eine neue Fräsmaschine brauchten? Kurz gesagt: Wir wollten Senkelektroden aus Grafit fertigen.“ Schuster kann seinen Kauf ganz klar begründen. Doch was sind eigentlich die Vorteile von Grafit, besonders gegenüber dem herkömmlichen Kupfer? Zunächst ist Grafit deutlich steifer als Kupfer und durch die geringe Duktilität und Festigkeit sehr gut zu zerspanen. Gerade bei feinen, langen Rippen, wo Kupfer längst angefangen hätte, zu vibrieren oder sich zu verziehen, bleibt Grafit innerhalb der Toleranz. Diese Fähigkeit ermöglicht die oft beim Senkerodieren geforderten komplexen Geometrien – man denke hier nur an die Negativform eines Steckers.

Ist die Elektrode dann gefräst, gibt es noch weitere Vorteile. Zunächst entfällt das Entgraten, ein langwieriger manueller Prozess. Das macht Grafit sehr automatisierungsfreundlich. Die Elektroden sind langlebiger – der Experte spricht von geringerem Abbrand – und die Bearbeitungsgeschwindigkeit ist höher. Es gibt nur einen Haken: den Grafitstaub. Er tendiert dazu, sich überall abzusetzen und bis in die kleinsten Ecken und Kanten vorzudringen. Dies ist nicht nur unangenehm für die Mitarbeiter, welche oft von einem penetranten Grafitstaubgeruch sprechen und in einer staubigen Werkstatt arbeiten müssen, es kann auch der Bearbeitungsmaschine schaden. Deshalb setzt man speziell gekapselte Maschinen ein, welche sich nur noch zur Grafitbearbeitung eignen. Das ist jedoch finanziell für viele kleine und mittelständische Unternehmen nicht machbar.

„Da stach die GF-Lösung aus der Masse heraus, denn mit ihr können wir nicht nur Grafitelelektroden, sondern auch Werkstücke aus anderen Materialien herstellen. Stahl, Kupfer, Aluminium – es ist alles möglich, und zwar auf einer Maschine ohne aufwendige Rüst- und Reinigungsarbeiten, sogar im Wechselbetrieb.“

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