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Auslandsmärkte Wie sich China auf weniger Wachstum einrichtet

| Autor: Stéphane Itasse

Chinas Konjunkturklima wird kühler. Für das Jahr 2018 liegen jetzt die Wachstumszahlen auf dem Tisch und sie sind erneut niedriger als im Vorjahr. Dahinter steckt mehr als der Handelsstreit mit den USA.

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Chinas Wirtschaft und besonders die Fertigungsindustrie wächst in einem langsameren Tempo.
Chinas Wirtschaft und besonders die Fertigungsindustrie wächst in einem langsameren Tempo.
(Bild: Siemens)

Mit einem Wirtschaftswachstum von 6,6 % endete das Jahr 2018 zwar über dem offiziellen Ziel von 6,5 %, aber unter den 6,8 % des Jahres 2017, wie die Deutsche Auslandshandelskammer in China (AHK China) in einer Analyse ermittelt hat. Auch wenn diese Wachstumsraten im Vergleich zu den Industrieländern hoch sind, bedeutet dies immer noch das niedrigste Plus seit 1990. Die Regierung in Beijing steht dabei gleich vor mehreren Herausforderungen: Spannungen beim Thema Handel mit den USA, Schuldenabbau, nachlassende Zugkraft der alten Wachstumsmotoren und der landesweite Kampf gegen die Umweltverschmutzung.

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Starke Verschiebungen gab es in der Industrie, wie die AHK China weiter berichtet. Insgesamt stieg die Industrieproduktion 2018 um 6,2 % im Vergleich zu 2017, die Wachstumsrate lag damit um 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Schwächer wuchs die Fertigungsindustrie, die im vergangenen Jahr um 5,5 % zulegen konnte nach 6,5 % im Jahr 2017. Dafür legte der Bergbau im vergangenen Jahr wieder um 3,6 % zu, nachdem er zuvor geschrumpft war. Die – staatlich kontrollierten – Versorger produzierten 9,6 % mehr (2017: 8,2 %). Die Automobilindustrie hingegen erlitt einen Rückgang von 4,1 %. Der Druck von vielen Seiten bei gleichzeitig langsamerem Wachstum wird die Lage für Chinas Politiker komplizierter machen, wie die AHK China erwartet. Selbst wenn es noch eine Art Handelsabkommen mit den USA gibt, dürfte die Konfrontation zwischen den beiden Ländern die Inlandsnachfrage untergraben und über dem Außenhandel hängen, wie es in der Analyse heißt. Bereits Ende 2018 war der Warenaustausch zwischen China und den USA zurückgegangen.

Hohe Unternehmensschulden belasten

Auch von anderer Seite droht Ungemach: An den Finanzmärkten müssen die chinesischen Unternehmen 2019 Anleihen mit einem mindestens 15 % höheren Volumen als 2018 zurückzahlen. Die AHK China sieht darin ein deutlich erhöhtes Risiko für Zahlungsausfälle. Auch wenn diese Ausfälle noch vergleichsweise niedrig sind, sollen höhere Finanzierungskosten und sinkende Gewinne die Unternehmen stärker unter Druck setzen.

Um dem schwächeren Wachstum entgegenzuwirken, will die chinesische Regierung laut AHK die Belastung der Unternehmen senken, um Investitionen anzuregen. Die bereits für 2018 angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer und der Unternehmenssteuer soll 2019 umgesetzt werden.

Zudem will Beijing mehr ausländische Investitionen anlocken und setzt dabei auf hochkarätige Projekte ab einem Volumen von 50 Mio. US-Dollar. Da die empfohlenen Sektoren im Katalog der ausländischen Investitionen überarbeitet werden, könnten ausländische Investoren laut AHK mehr Anreize für Geschäfte in China erhalten.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt